. Deine Liebe zu mir ist groß , aber du liebtest mich gewiß noch höher , wenn ich erst etwas recht Ritterliches getan hätte : Ich möchte in Verzweiflung aufschreien , daß mich die Mutter von allem Reiten , Fahren , Ringen , Armbrustschießen , Schlittschuhlaufen , wie es andre gute Gesellen der Stadt treiben , aus Furcht wegen meiner Gesundheit abgehalten hat und ich muß mich tot grämen , nun ich gesund bin , aber des Lebens und seiner Gaben nicht zu brauchen weiß . « - Da sah Fingerling , daß die Sache ihm ernstlich ans Herz griff , er versprach alles zu tun , um diese seine Sehnsucht zu befriedigen , schlug ihm auch vor , in einem großen Schafstalle vor der Stadt auf dem Hofe , den Berthold kürzlich gekauft hatte , eine Reitbahn für sie beide einzurichten , auch ein Paar gutmütige Pferde zu den ersten Versuchen aus den Ackergespannen auszusuchen . - Da fiel ihm Berthold um den Hals und konnte kaum ruhen , bis die Sache ausgeführt war , ja er schlug vor , gleich nach dem Rathause zu gehen , wo von einem Komödienspiele , worin die Waiblinger sehr ausgezeichnet waren , ein trojanisches , hölzernes Pferd stehen geblieben , um Sitz und Haltung vorläufig zu üben . So taten auch die beiden Freunde , schützten Geschäfte vor und verschlossen sich im Rathaussaale , wo das hölzerne Pferd stand . Fingerling zeigte , so gut er es wußte , wie die Zügel und der Steigbügel zum Aufsteigen gefaßt sein wolle - mit einem Schwunge saß Berthold oben und freute sich der Höhe . » Nun gebt die Spornen , dann geht ' s fort « , rief Fingerling , » aber haltet die Zügel , daß es nicht durchgeht , nicht zu fest und nicht zu wenig . « Auch das tat Berthold , bemerkte aber plötzlich solche Bewegung in dem Rosse , daß er die Zügel immer stärker anzuhalten für nötig fand , was aber alles nicht half , denn unaufhaltsam stürzte der stolze , von der Sonne ausgetrocknete Holzbau zusammen , Berthold an die Erde , und aus dem hohlen Bauche sprang Anton schlaftrunken , sich die Augen reibend , hervor . Fingerling half erschrocken seinem lieben Berthold auf , fragte ihn sorglich , ob er sich Schaden getan , dieser aber hörte nicht auf ihn , sah Anton verwundert an und sprach : » Ist mir ' s doch wie ein bedeutsamer Traum , daß du aus meiner verunglückten Ritterfahrt so froh hervorgehst ; begegnest du mir vielleicht noch oft ? Wie kommst du hieher ? Du bist in der kurzen Zeit recht gewachsen ? « - Anton antwortete mit der Bitte , seinem Vater nichts zu sagen , er habe sich vom Lande heimlich in die Stadt geschlichen , um sich einmal bei der Ratskellerwirtin , die ihm sehr gnädig , satt zu essen , und da sei er nach Tische im trojanischen Rosse zur Ruhe übergegangen , zugleich dankte er , daß sie ihn erweckt hätten , er müsse noch sechs Meilen bis zum Dorfe zurückgehen . Berthold schenkte ihm etwas auf den Weg und Anton eilte fort . » Wir geben das Reiten auf , nicht wahr ? « fragte Fingerling . » Nein « , antwortete Berthold , » ich habe gefühlt , daß ich recht dazu geschickt bin , denn die Besonnenheit hat mich keinen Augenblick verlassen ; aber dieses Vorfalls werde ich oft noch gedenken müssen . « Schon am andern Morgen hatte Fingerling alles zum Reiten auf dem Vorwerke eingerichtet . Der ehrliche alte Meier war sehr verwundert und erfreut über die Seltsamkeit des Herrn , wußte aber in allem gut zu raten , da er in seiner Jugend ein wackerer Reitersknecht gewesen war , und auch die künstlichen Aufzäumungen und Zügelbewegungen , samt der richtigen Anwendung des Sporns , wie es die Rennpferde verlangen , wohl verstand und sich darüber mitteilen konnte . Als nun der Bürgermeister zuerst an der Leine im Kreise ritt , da meinte er sich unwiderstehlich nach einer Seite niedergezogen , aber er blieb dennoch mutig sitzen . Als er abgestiegen , fand er sich in allen Gliedern seltsam zerschlagen , aber er ließ sich nichts merken , weder vor dem Freunde , noch vor der Mutter . Besonders unbequem war es ihm in den nächsten Tagen , wo er heimlich anfing , zu zweifeln , ob er zu solchen Beschwerden sich gewöhnen werde . Aber der Meier machte ihm mit seinem Lobe immer frische Lust , er rühmte seinen guten Anstand , er werde sicher ein guter Reiter werden . Bald war er seinem Gefährten Fingerling überlegen , auch waren ihm bald die geduldigen Ackerpferde zu gering , die Rennbahn zu enge . Es wurden ein Paar schöne Rennpferde von einem verarmten Ritter gegen einige Stücke Tuch eingetauscht und nun beschlossen , durch ein feierliches Vorbeireiten das Schelten der Mutter zu besänftigen . Demnach tat ihr Fingerling kund , daß an einem Sonntage ein fremder Ritter , der sehr viel kaufe , bei ihnen eintreffe , sie möchte ihm ein Mahl bereiten lassen . Das war alles geordnet und Frau Hildegard nur allein darum ärgerlich , daß ihr Sohn so lange ausbleibe , da sah sie einen stattlichen Rittermann , in voller Rüstung auf hohem Roß über den Markt traben und ging ihm feierlich an die Türe entgegen . Der Ritter ließ sein Pferd kunstreich traversieren , daß sie heimlich den Übermut des Menschengeschlechts bejammerte , auf glattem Pflaster so brotlose Künste zu machen , dann stieg er ab , - sie blickt ihm in den offnen Helm , sie stockt in ihrem Gruß , - es ist ihr lieber Sohn , der Bürgermeister , der ihr um den Hals fällt . Nun erst erschrak sie über seine Kühnheit , fürchtete , er würde ihr in allen Dingen ausschrammen , nachdem er solche gefährliche Kunst heimlich erlernt habe , und suchte ihn mit Scheltworten und Tränen