» die Nacht ist heut gar so schwül und finster ! « Sie öffnete das Kutschenfenster , und er sah bei dem matten Schimmer einer Laterne , an der sie vorüberflogen , daß sie ernsthaft und in Gedanken versunken war . Sie fuhren lange durch eine Menge enger und finsterer Gäßchen , endlich rief Marie dem Kutscher zu , und sie hielten vor einem abgelegenen , kleinen Hause . Sie sprang schnell aus dem Wagen und in das Haus hinein . Ein Mädchen , das in Mariens Diensten zu sein schien , empfing sie an der Haustür . » Er ist mein , er ist mein ! « rief Marie kaum hörbar , aber aus Herzensgrunde , dem Mädchen im Vorübergehen zu und schlüpfte in ein Zimmer . Das Mädchen führte den Grafen mit prüfenden Blicken über ein kleines Treppchen zu einer andern Tür . » Warum « , sagte sie , » sind Sie gestern abend nicht schon zu uns gekommen , da Sie vorbeiritten und so freundlich heraufgrüßten ? Ich sollte wohl nichts sagen , aber seit acht Tagen spricht und träumt die arme Marie von nichts als von Ihnen , und wenn es lange gedauert hätte , wäre sie gewiß bald gestorben . « Friedrich wollte fragen , aber sie schob die Tür hinter ihm zu und war verschwunden . Er trat in eine fortlaufende Reihe schöner , geschmackvoller Zimmer . Ein prächtiges Ruhebett stand im Hintergrunde , der Fußboden war mit reichen Teppichen geschmückt , eine alabasterne Lampe erleuchtete das Ganze nur dämmernd . In dem letzten Zimmer sah er die niedliche Zigeunerin vor einem großen Wandspiegel stehen und ihre Haare flüchtig in Ordnung bringen . Als sie ihn in dem vordern Zimmer erblickte , kam sie sogleich herbeigesprungen und stürzte mit einer Hingebung in seine Arme , die keine Verstellung mit ihren gemeinen Künsten jemals erreicht . Der erstaunte Friedrich riß in diesem Augenblicke seinen Mantel und die Larve von sich . Wie vom Blitze berührt , sprang Marie bei diesem Anblicke auf , stürzte mit einem lauten Schrei auf das Ruhebett und drückte ihr mit beiden Händen bedecktes Gesicht tief in die Kissen . » Was ist das ! « sagte Friedrich , » sind deine Freunde Gespenster geworden ? Warum hast du mich geliebt , eh du mich kanntest , und fürchtest dich nun vor mir ? « Marie blieb in ihrer Stellung und ließ die eine Hand , die er gefaßt hatte , matt in der seinigen ; sie schien ganz vernichtet . Mit noch immer verstecktem Gesichte sagte sie leise und gepreßt : » Er war auf dem Balle - dieselbe Gestalt - dieselbe Maske . « - » Du hast dich in mir geirrt « , sagte Friedrich , und setzte sich neben sie auf das Bett , » viel schwerer und furchtbarer irrst du dich am Leben , leichtsinniges Mädchen ! Wie der schwarze Ritter heute auf dem Balle , tritt überall ein freier , wilder Gast ungeladen in das Fest . Er ist so lustig aufgeschmückt und ein rüstiger Tänzer , aber seine Augen sind leer und hohl , und seine Hände totenkalt , und du mußt sterben , wenn er dich in die Arme nimmt , denn dein Buhle ist der Teufel . « - Marie , seltsam erschüttert von diesen Worten , die sie nur halb vernahm , richtete sich auf . Er hob sie auf seinen Schoß , wo sie still sitzen blieb , während er sprach . Ihre Augen und Mienen kamen ihm in diesem Augenblicke wieder so unschuldig und kindisch vor , wie ehemals . » Was ist aus dir geworden , arme Marie ! « fuhr er gerührt fort . » Als ich das erstemal auf die schöne grüne Waldeswiese hinunterkam , wo dein stilles Jägerhaus stand , wie du fröhlich auf dem Rehe saßest und sangst - der Himmel war so heiter , der Wald stand frisch und rauschte im Winde , von allen Bergen bliesen die Jäger auf ihren Hörnern - das war eine schöne Zeit ! - Ich habe einmal an einem kalten , stürmischen Herbsttage ein Frauenzimmer draußen im Felde sitzen gesehen , die war verrückt geworden , weil sie ihr Liebhaber , der sich lange mit ihr herumgeherzt , verlassen hatte . Er hatte ihr versprochen , noch an demselben Tage wiederzukommen . Sie ging nun seit vielen Jahren alle Tage auf das Feld und sah immerfort auf die Landstraße hinaus . Sie hatte noch immer das Kleid an , das sie damals getragen hatte , das war schon zerrissen und seitdem ganz altmodisch geworden . Sie zupfte immer an dem Ärmel und sang ein altes Lied zum Rasendwerden . « - Marie stand bei diesen Worten schnell auf und ging an den Tisch . Friedrich sah auf einmal Blut über ihre Hand hervorrinnen . Alles dieses geschah in einem Augenblicke . » Was hast du vor ? « rief Friedrich , der unterdes herbeigesprungen war . » Was soll mir das Leben ! « antwortete sie mit verhaltener , trostloser Stimme . Er sah , daß sie sich mit einem Federmesser gerade am gefährlichsten Flecke unterhalb der Hand verwundet hatte . » Pfui « , sagte Friedrich , » wie bist du seitdem unbändig geworden ! « Das Mädchen wurde blaß , als sie das Blut erblickte , das häufig über den weißen Arm floß . Er zog sie an das Bett hin und riß schnell ein Band aus ihren Haaren . Sie kniete vor ihm hin und ließ sich gutwillig von ihm das Blut stillen und die Wunde verbinden . Das heftige Mädchen war währenddessen ruhiger geworden . Sie lehnte den Kopf an seine Kniee und brach in einen Strom von Tränen aus . Da wurden sie durch Mariens Kammermädchen unterbrochen , die plötzlich in die Stube stürzte und mit Verwirrung vorbrachte , daß soeben der Herr auf dem Wege hierher sei . » O Gott ! « rief Marie sich aufraffend , » wie