Sarge hinblickte . Lassen Sie dieses - sagt ' er darauf - dem Fürsten übergeben , und man wird mir meine Bitte nicht abschlagen . Der Arzt gab nun den Leuten ein Zeichen , sich zu entfernen , und eilte , den Fürsten zu benachrichtigen . Jetzt befragte uns Herr Stephani auf das genaueste : was man nach Rosamundens Tode mit ihr vorgenommen habe , und wir mußten ihm alle Versuche , sie ins Leben zurückzurufen , auf das Umständlichste beschreiben . Er gestand , daß alles Mögliche geschehen sey . Doch - setzte er hinzu - es glückte damals nicht ; wer steht euch dafür , daß es auch jetzt nicht glückt ? - Fort mit den Rosen ! - rief er , und warf sie heftig zur Seite - Weg mit dem Sarge ! Was soll sie darin ? Niemand weiß , ob sie todt ist ! Bei diesen Worten hatte er die Schnüre zerrissen , und den Körper herausgehoben . Er trug ihn ohne unsere Hülfe ins Bett , und wiederholte alle schon gemachten Versuche . Es war Nacht darüber geworden , und er hieß uns zur Ruhe gehen . Morgen - sagte er - wiederholen wir , was wir heute gethan , und ich nehme noch einen Arzt mit zu Hülfe . Der Diener und die Mädchen wollten ihn bereden , auch einige Ruhe zu geniessen ; aber er versicherte , daß das verlorne Mühe , und er fest entschlossen sey , nicht von der Stelle zu weichen . So mußten wir dann gehen ; beredeten uns aber im Nebenzimmer , abwechselnd zu wachen , und sahen ihn noch , die ganze Nacht , jene fruchtlosen Versuche wiederholen . Am Morgen fanden wir ihn endlich zu den Füssen des Leichnams liegen , und glaubten er schliefe . Als wir aber näher hinzu traten , sprang er plötzlich auf , und blickte wild und mißtrauisch um sich her . Gleich darauf befahl er den Leuten , einen andern Arzt , den er ihnen nannte , herbei zu holen . Sie wagten es nicht , ihm zu widersprechen ; konnten aber ihre Hoffnungslosigkeit nicht bergen . Der Arzt kam , und der ganze Tag wurde nun mit Wiederholung der schon gemachten Versuche , und mehrerer andern hingebracht . Sie waren abermals fruchtlos , und Herr Stephani erklärte endlich : daß er sich dem Begräbnisse nicht mehr widersetzen , sobald nämlich Rosamunde am folgenden Tage geöffnet , und ihr Herz ihm übergeben seyn werde . Dieses geschah wirklich , und nun sah er wieder stillschweigend alle nöthigen Vorkehrungen machen . Wir zitterten dennoch vor dem Begräbnisse ; aber zu unserm Erstaunen sahen wir ihn schweigend dem Zuge folgen , und eine Fassung behaupten , welche uns Allen unmöglich wurde . Alle Rosenbüsche Rosamundens sind auf ihr Grab gepflanzt , und statt eines Leichensteins ist sie mit einem Rosenwalde bedeckt . Sie liegt dicht neben ihrer Schwester , wie sie es ausdrücklich verlangt hat . Herzliebste Mutter ! wie mag einem wohl seyn , wenn man so eben gestorben ist ? - Steigt der Geist dann gleich in die reinen hohen Lüfte , oder verweilt man noch an der Erde , wo man so viele geliebten Menschen im Kummer und schweren Sorgen zurückläßt ? - Schwebt Rosamunde noch um ihre Rosen ? - Ich sah diese Frage in Herrn Stephani ' s Auge ; aber er folgte still , da wir vom Grabe zurückkehrten . Nur als von Rosamundens Bilde gesprochen wurde , erklärte er mit Heftigkeit : daß er es als sein Eigenthum zurücknehme , und bei der geringsten Schwierigkeit jede dafür verlangte Summe bezahlen werde . Es ist ihm aber auf Befehl des Fürsten unentgeldlich ausgeliefert , und die übrige sehr ansehnliche Verlassenschaft theils unter Rosamundens Leute getheilt , theils ihren in Deutschland noch lebenden Eltern übermacht worden . Ungeachtet Herrn Stephani ' s äusserlicher Ruhe fürchten wir dennoch , ihn allein zu lassen . Aber ausser mir und Fränzchen will er Niemanden um sich dulden . Er spricht selten ; aber dann immer mit einer sonderbaren Heftigkeit , welche man , während er schweigt , gar nicht erwarten sollte . Der Arzt sagt : er müsse reisen ; aber ist nicht im Stande , ihn zu bereden . Nur wenn er Rosamundens Gemälde betrachtet , wird er heiterer , und gestern hat er angefangen , es in einen grossen Blumenkranz zu fassen . Fränzchen und ich trugen herbei , was wir nur konnten . Da lächelte er und ordnete die Blumen so schön , daß sie dadurch noch tausendmal schöner wurden . Sie sind nun schon untermalt , und nimmermehr hätt ' ich geglaubt , daß sich Blumen so täuschend darstellen liessen . Herzliebste Mutter ! Sie weiß , daß ich ihr Alles sage , und so will ich ihr auch Etwas nicht verhelen , was mich in diesen Tagen beunruhigt hat . Wenn ich es mir selbst läugnen wollte , so würd ' ich es doch wissen , daß , als ich Rosamunde so todt in meinen Armen hielt , das Herz mir vor Schmerz fast brechen wollte , und ich willig mein Leben für das ihrige hingegeben hätte . Aber jetzt nun , da ich sehe , daß Alles von diesem Tode spricht , und Niemand mehr an das Bild in der Kirche denkt , herzliebste Mutter ! ach Gott ! ich kann es mir auch nicht läugnen , daß mich das freut . Wo hätt ' ich bleiben , wohin mich verbergen sollen ? wäre nicht alle Aufmerksamkeit auf Rosamunde gerichtet worden . So freuest du dich also doch wohl über ihren Tod - dacht ' ich dann , und wurde von einer unbeschreiblichen Angst überfallen . Aber , herzliebste Mutter ! ich betheure es ihr vor dem allwissenden Gott ! daß ich mich nicht über Rosamundens Tod freue . Frage sie doch den Herrn Pfarrer : woher es kommt , daß ich das weiß , und doch unruhig bin ? Gretchen an ihre