Fingerchen schob . » Das ist ein stark Stück , das ! « sagte Onkel , die Hände reibend . Albertine , auf die aller Augen theils boshaft neugierig , theils mitleidig theilnehmend gerichtet waren , sprang auf , umarmte ihren Gatten weinend , und sagte unter Schluchzen : » Dein edles Zutrauen , mein Louis , reißt mich hin ; du erhebst mich über mich selbst ! Wie ehrst du mich ! Vergieb den Kampf in meinem Innern ! Ich habe gesiegt ; ja , ich hoffe , ich habe gesiegt ! « Kein Auge blieb trocken . Selbst Lauretten entwischte ein unwillkürliches : » recht brav ! « Doch wollte Ulmenhorst das Wort Drama nachtönen gehört haben . » Trage diesen Ring zum Zeichen dieser Stunde , meine gute , edle Albertine ! Mein Glaube an dich hat mich nicht getäuscht . - Doch , ich eile zum Schluß meiner Erzäh lung ! « » Mein neuer Aufenthalt war an sich viel reizender und gab meinen Beobachtungen reichen Stoff . Doch fehlte mir ein verwandtes Herz ; wenn ich es mit einem Worte sagen soll , eine Deutsche Natur , nach der ich mich nun schon mit aller Kraft sehnte . Der geringste unserer Landsleute interessirte mich deshalb innigst ; ich habe Denkarten unter ihnen getroffen , die den gebildetsten Ständen Ehre machen würden ; auch bemerkte ich mit Vergnügen , daß ihre Gradheit , ihre ehrliche Treuherzigkeit , ihr Fleiß von den Landesbewohnern auszeichnend bemerkt wurden . Einst kam ich von einem Spaziergange zu Hause ; da hieß es : ein junger , schöner Knabe habe nach mir gefragt ; er sei , um meiner zu warten , in die nahe Kirche eingetreten . Wer konnte hier nach mir fragen ! Nach einer halben Stunde erschien wirklich ein sauber gekleideter Knabe in Bediententracht , in dem ich , beim ersten Anklang seiner Sprache , Adelaiden erkannte . « » Nun , nun , den Braten merkt ' ich ! « sprach der Onkel . Alle andere schwiegen betroffen . » Um Gotteswillen ! « rief das Mädchen , » denken Sie nicht unrecht von mir ! Stoßen Sie mich nicht aus ! Ich bin eine Waise , bin emigrirt , und würde hülflos ohne ihren Schutz umher irren müssen ! « - Ich stand versteinert , und auf Ehre kann ich bezeugen , daß ich nichts weniger , als erfreut war . Sie bemerkte es , und erzählte mir schnell , daß bald nach meiner Abreise ihr armer Vater angeklagt , in ' s Gefängniß geschleppt und schnell guillotinirt worden sei , weil er durch seine Theilnahme an den Preußen verdächtig geworden wär . Ihr habe ein ähnliches Schicksal gedroht ; sie habe sich daher diese Kleidung zu verschaffen gewußt und sei mit einer Dame hierher gekommen . Jetzt wolle sie mein Bedienter seyn ; sie habe von einer Auswechselung der Gefangenen gehört ; sie müsse nun doch fort und wolle bei mir und Albertinen leben . « » Sie ist dir ganz nahe , Albertine ! Wirst du sie , willst du sie aufnehmen ? Dein Bruder , der Treffliche , der mich aufzusuchen reisete , führt sie dir zu ! « » Erstehen wir das große Himmelbette des Grafen von Gleichen , « sagte der Onkel lachend . » Das giebt eben so eine Geschichte . Auf meine Ehre ! « Albertinens Gemüth hatte sich aber nun einmal einen Schwung gegeben ; sie blieb sich gleich und sagte edelmüthig : sie solle ihr willkommen seyn ! Doch schien ihr der Ausweg nicht mißfällig , als ihre kluge Freundin Euler sagte : daß die Vorsehung wohl vielleicht ihrer Einsamkeit eine Gefährtin in Adelaiden bestimmt habe . - Alle , auch Lindenhain , stimmte diesem Gedanken von Herzen bei , außer Laurette , die sich höhnisch lächelnd auf die Lippen biß . Jede Erwartung führt etwas Bängliches mit sich . Es ist Albertinen nicht zu verdenken , wenn sie diese Nacht wenig schlief und sich ihrer nur zu geschäftigen Phantasie überließ . Doch konnte sie weder in ihres Gatten , noch in des wackern französischen Mädchens Betragen etwas Sträfliches ergrübeln ; und da sie denn nichts eingebüßt zu haben hoffte , erschien sie sich in ihrer eigenen Größe um so wohlgefälliger . Ganz frühe schon weckte sie ihren Louis , ihm das Geheimniß der ausgebliebenen Briefe abzufragen ; denn sie hatte einen dunklen Argwohn gefaßt , Adelaide könne sie unterschlagen haben . Ungern gestand ihr Louis , ihre eigene Schwägerin , ihres Bruders Frau , habe das Falsum begangen , sie los zu werden und sie mit ihrem Bruder zu entzweien . Sie hatte gehofft , Albertine werde als eine unabhängige Wittwe recht viel dumme Streiche machen und in Noth und Verwirrung gerathen . Die Briefe waren jederzeit unter der brüderlichen Addresse gekommen ; da hatte Frau Louise stets schlau gewußt , sie auf die Seite zu bringen , indem sie das Briefgeschäft in der nächsten Stadt durch ihre Boten besorgen ließ ; und was vermag nicht ein listiges Weib , das seines Gatten unumschränktes Vertrauen usurpirt ! eines Gatten , dessen Seele , rein von Betrug , am wenigsten die Schlange ahnet , die er an seinem Herzen erwärmt . Drei und zwanzigstes Kapitel Die durchwachte und durchphantasierte Nacht gab unserer Freundin ein etwas kränkliches Ansehen , welches ihren Gatten um so mehr in Verlegenheit setzte , da der guten Albertine wahrscheinlich heute ein kampfvoller Tag , Adelaidens Ankunft , bevorstand . Albertine gestand , daß ihr Herz , sie wisse nicht bestimmt , weshalb , heute unruhiger , als noch sonst je klopfe . » Ist sie sehr schön ? « fragte sie beim Frühstück , nachdem sie eine Zeit lang in Gedanken gesessen hatte . - » Mehr , als schön ; sie ist hübsch ! « sagte Lindenhain . » Die Schönheit , in so fern sie auf Regeln beruht , ist oft kalt . Hübsche Weiber gefallen immer . Du , meine