wird morgen ein Raub der Flammen . Er kitzelte sich , um zu lachen . Wie er sah , daß Fabel einige Thränen bey dieser Nachricht vergoß , gab ein Stück von der Wurzel der Alten , und ging naserümpfend von dannen . Die Schwestern hießen der Fabel mit zorniger Stimme Taranteln suchen , ohngeachtet sie noch Öl vorräthig hatten , und Fabel eilte fort . Sie that , als öffne sie das Thor , warf es ungestüm wieder zu , und schlich sich leise nach dem Hintergrunde der Höhle , wo eine Leiter herunter hing . Sie kletterte schnell hinauf , und kam bald vor eine Fallthür , die sich in Arkturs Gemach öffnete . Der König saß umringt von seinen Räthen , als Fabel erschien . Die nördliche Krone zierte sein Haupt . Die Lilie hielt er mit der Linken , die Wage in der Rechten . Der Adler und Löwe saßen zu seinen Füßen . Monarch , sagte die Fabel , indem sie sich ehrfurchtsvoll vor ihm neigte ; Heil deinem festgegründeten Throne ! frohe Bothschaft deinem verwundeten Herzen ! baldige Rückkehr der Weisheit ! Ewiges Erwachen dem Frieden ! Ruhe der rastlosen Liebe ! Verklärung des Herzens ! Leben dem Alterthum und Gestalt der Zukunft ! Der König berührte ihre offene Stirn mit der Lilie : Was du bittest , sey dir gewährt . - Dreymal werde ich bitten , wenn ich zum viertenmale komme , so ist die Liebe vor der Thür . Jetzt gieb mir die Leyer . - Eridanus ! bringe sie her , rief der König . Rauschend strömte Eridanus von der Decke , und Fabel zog die Leyer aus seinen blinkenden Fluten . Fabel that einige weißagende Griffe ; der König ließ ihr den Becher reichen , aus dem sie nippte und mit vielen Danksagungen hinweg eilte . Sie glitt in reizenden Bogenschwüngen über das Eismeer , indem sie fröliche Musik aus den Saiten lockte . Das Eis gab unter ihren Tritten die herrlichsten Töne von sich . Der Felsen der Trauer hielt sie für Stimmen seiner suchenden rückkehrenden Kinder , und antwortete in einem tausendfachen Echo . Fabel hatte bald das Gestade erreicht . Sie begegnete ihrer Mutter , die abgezehrt und bleich aussah , schlank und ernst geworden war , und in edlen Zügen die Spuren eines hoffnungslosen Grams , und rührender Treue verrieth . Was ist aus dir geworden , liebe Mutter ? sagte Fabel , du scheinst mir gänzlich verändert ; ohne inneres Anzeichen hätt ' ich dich nicht erkannt . Ich hoffte mich an deiner Brust einmal wieder zu erquicken ; ich habe lange nach dir geschmachtet . Ginnistan liebkoste sie zärtlich , und sah heiter und freundlich aus . Ich dachte es gleich , sagte sie , daß dich der Schreiber nicht würde gefangen haben . Dein Anblick erfrischt mich . Es geht mir schlimm und knapp genug , aber ich tröste mich bald . Vielleicht habe ich einen Augenblick Ruhe . Eros ist in der Nähe , und wenn er dich sieht , und du ihm vorplauderst , verweilt er vielleicht einige Zeit . Indeß kannst du dich an meine Brust legen ; ich will dir geben , was ich habe . Sie nahm die Kleine auf den Schooß , reichte ihr die Brust , und fuhr fort , indem sie lächelnd auf die Kleine hinunter sah , die es sich gut schmecken ließ . Ich bin selbst Ursach , daß Eros so wild und unbeständig geworden ist . Aber mich reut es dennoch nicht , denn jene Stunden , die ich in seinen Armen zubrachte , haben mich zur Unsterblichen gemacht . Ich glaubte unter seinen feurigen Liebkosungen zu zerschmelzen . Wie ein himmlischer Räuber schien er mich grausam vernichten und stolz über sein bebendes Opfer triumphiren zu wollen . Wir erwachten spät aus dem verbotenen Rausche , in einem sonderbar vertauschten Zustande . Lange silberweiße Flügel bedeckten seine weißen Schultern , und die reitzende Fülle und Biegung seiner Gestalt . Die Kraft , die ihn so plötzlich aus einem Knaben zum Jünglinge quellend getrieben , schien sich ganz in die glänzenden Schwingen gezogen zu haben , und er war wieder zum Knaben geworden . Die stille Glut seines Gesichts war in das tändelnde Feuer eines Irrlichts , der heilige Ernst in verstellte Schalkheit , die bedeutende Ruhe in kindische Unstätigkeit , der edle Anstand in drollige Beweglichkeit verwandelt . Ich fühlte mich von einer ernsthaften Leidenschaft unwiderstehlich zu dem muthwilligen Knaben gezogen , und empfand schmerzlich seinen lächelnden Hohn , und seine Gleichgültigkeit gegen meine rührendsten Bitten . Ich sah meine Gestalt verändert . Meine sorglose Heiterkeit war verschwunden , und hatte einer traurigen Bekümmerniß , einer zärtlichen Schüchternheit Platz gemacht . Ich hät [ tte ] mich mit Eros vor allen Augen verbergen mögen . Ich hatte nicht das Herz in seine beleidigenden Augen zu sehn , und fühlte mich entsetzlich beschämt und erniedrigt . Ich hatte keinen andern Gedanken , als ihn , und hätte mein Leben hingegeben , um ihn von seinen Unarten zu befreyen . Ich mußte ihn anbeten , so tief er auch alle meine Empfindungen kränkte . Seit der Zeit , wo er sich aufmachte und mir entfloh , so rührend ich auch mit den heißesten Thränen ihn beschwor , bey mir zu bleiben , bin ich ihm überall gefolgt . Er scheint es ordentlich darauf anzulegen , mich zu necken . Kaum habe ich ihn erreicht , so fliegt er tückisch weiter . Sein Bogen richtet überall Verwüstungen an . Ich habe nichts zu thun , als die Unglücklichen zu trösten , und habe doch selbst Trost nöthig . Ihre Stimmen , die mich rufen , zeigen mir seinen Weg , und ihre wehmüthigen Klagen , wenn ich sie wieder verlassen muß , gehen mir tief zu Herzen . Der Schreiber verfolgt uns mit entsetzlicher Wuth , und rächt sich an den armen Getroffenen . Die Frucht jener geheimnißvollen Nacht , waren eine zahlreiche Menge