Zimmer , und ließ nicht eher ab , bis er die Ursache ihrer Bestürzung erfahren . Sie erlaubte es endlich meiner Tante , dem Marquis ihr Gelübde zu entdecken . Dieser suchte sich ungeachtet seines heftigen Schreckens zu fassen , und bat sie , sich zu beruhigen ; sie ließ aber nicht eher mit Tränen und Bitten nach , bis er ihr versprach , sie durch keine Gegenvorstellung , und keine heimliche Veranstaltung an der Ausführung ihres Gelübdes zu verhindern . Nun erfolgte eine Szene von zärtlichen Vorwürfen , von Liebe , Großmut und Aufopferung , die man sich wohl leicht vorstellen kann . Die Nacht war unterdessen beinahe verstrichen , die Marquise fühlte sich sehr ermüdet , und bat meine Tante sie nach ihrem Zimmer zu begleiten , weil sie trotz ihrer Müdigkeit nicht würde schlafen können , und sie ihr noch einiges sagen wollte . Ihr Gemahl führte sie die Treppe hinauf , ein Gitter verschloß einen ziemlich langen Gang , an dessen Ende das Schlafzimmer der Dame lag . Der Marquis zog an der Klingel , die Kammerfrau trat aus dem Zimmer , um zu öffnen , er wollte eben wieder die Treppe hinuntergehen , als die Marquise ausrief : Ach seht ! seht hin ! was kömmt da für ein englisch schönes Kind . Man sah hin durch das Gitter , wo sie hinzeigte , sah aber nichts als die Kammerfrau , die mit einem Licht in der Hand den Gang herunterkam , und die Gittertür aufschloß . - Was hast du da für ein schönes Kind ? fragte sie sie hastig . Die Kammerfrau sah sie an , ohne zu antworten . O seht doch das Engelskind ! rief die Marquise wieder , tat einige Schritte vorwärts , und beugte sich freundlich , wie zu einem Kinde herab . Entsetzen und Erstaunen bemeisterte sich der Anwesenden , denn sie sahen kein Kind . Die Marquise ging mit offnen Armen noch einige Schritte , als wollte sie etwas umfassen , wankte , und sank mit einem lauten Schrei nieder . Sie ward zu Bette gebracht . Als sie wieder zu sich selbst kam , fragte sie , ängstlich die Antwort erwartend , ob denn die andern nicht das Kind am Fuße des Bettes stehen sähen ? Da man nun an der Stelle , die sie bezeichnete , nicht das geringste wahrnahm , und sie am Achselzucken und am bedauernden Zureden der andern merkte , daß man sie für krank hielt , und als ob ihr nicht geglaubt würde , daß sie wirklich das sähe , was sie zu sehen vorgab , beschrieb sie mit der größten Genauigkeit und ganz gelassen die Gestalt des Kindes , das sie zu ihren Füßen an das Bett gelehnt stehen sah . Es schien ihr in einem Alter von drei Jahren , trug ein leichtes weißes Gewand , Arme und Füße waren nackt , um den Leib hatte es einen blauen Gürtel von hellglänzendem Zeuge , dessen Enden hinter ihm niederflatterten . Das Köpfchen sei mit himmlischen blonden Locken , wie mit den zartesten Strahlen umgeben , das mit den kindlichen Wangen , dem frischen Munde und den lachenden blauen Augen wie ein wundersüßes Engelsköpfchen aussehe . Das ganze Figürchen umschwebe hinreißende Anmut ; kurz , sie beschrieb es so umständlich , daß man gar nicht mehr zweifeln durfte , sie sähe es in der Tat vor sich ; da sie es aber anfangs hätte umarmen wollen , wäre es zurückgewichen , daher sei ihr Schreck und die Ohnmacht gekommen , denn es hätte sie überzeugt , daß sie eine Erscheinung sehe . Ihre Freunde durften keinen Widerspruch wagen , aus Besorgnis sie aufzubringen , und man geriet in große Verlegenheit . Der Arzt wurde herbeigeholt , er fand sie in heftiger Wallung , sonst aber keine Spur von irgendeiner Krankheit . Er verordnete vorzüglich Ruhe . Sie wollte versuchen zu schlafen , rief aber in dem Augenblick : O seht doch , wie es sich freundlich gegen mich neigt , und nun geht es , das liebe Gesichtchen immer zu mir gewendet , zurück . Seht , dort setzt es sich im Winkel nieder , es winkt mir mit den Händchen , ich solle schlafen ! - Man bat sie , die Augen zu verschließen , damit sie Ruhe fände . Die Bettvorhänge wurden niedergelassen , und nachdem sie etwas Kühlendes getrunken hatte , schlief sie ein . Bei ihrem Erwachen , nachdem sie einige Stunden ruhig geschlafen hatte und es unterdessen völlig Tag geworden war , hoffte man , ihre Erscheinung würde verschwunden sein ; aber zum Erstaunen blieb diese , wie in der Nacht . Kaum erwachte sie , so zog sie die Vorhänge zurück und sah auch sogleich das Kind mit muntern freundlichen Gebärden auf sich zukommen . Sie unterhielt sich nun auf die vertraulichste und liebreichste Weise mit ihm , und versicherte , es gäbe ihr durch sehr ausdrucksvolle Mienen verständliche Antwort . Sie gebot ihm , sich vom Bett zu entfernen ; es ging zurück ; drauf winkte sie ihm wieder , und es kam näher ; dann gebot sie ihm , ihr etwas zu reichen , da machte es , wie sie versicherte , eine Gebärde mit Kopf und Schultern , als wollte es ihr zu verstehen geben , dies sei über seine Macht . Sie stand auf , ging im Zimmer herum , das Kind lief beständig vor ihr her , immer rückwärts , das Gesicht zu ihr gewendet . Man war in der schrecklichsten Besorgnis wegen dieser bleibenden Erscheinung ; man hielt es für eine völlige Zerrüttung der Sinne und der Gesundheit ; und man drang einigemal in sie , sich den Händen eines Arztes zu übergeben . Sie war aber nicht zu bewegen Arznei zu nehmen , weil sie sich so wohl fühlte , als sie seit lange nicht gewohnt war . In der Tat blühte sie zum Erstaunen aller Bekannten , in kurzer Zeit , ordentlich neu auf . Sie