große Christoffel gefallen hat , der steht auf einem hohen Berge und guckt in die Welt hinein , und aus seinen Augen gucken wieder Leute hinaus , denn sein Kopf ist hohl und seine Augen sind ungeheure Schalusieladen . Er ist von eitel Kupfer , und wenn man lauter Pfennige davon schlüge , könnte fast jeder Bettler einen im Lande bekommen ; das will was sagen ! Da sind auch viele Statuen , aber sie sind alle in steinerne Bettücher gehüllt , oder unverschämt nackigt , und haben keine Augäpfel , was gegen alle Moralität und Natur ist . Wasser springt von allen Seiten , und man kann gar nicht evitieren , etwas naß zu werden . Tabak darf darinne nicht geraucht werden , auch darf man keine Stecken schneiden . Der Papa läßt dich grüßen - es trommelt schon , mein Lebetag habe ich keinen so langen Brief gesehen , du kannst daraus abnehmen , wie sehr ich dich liebe , und daß ich es gut meine . Adieu , grüße die alte Margarethe , sage ihr , ich würde ihr etwas mitbringen , und füttre den Star - der ich verbleibe bis ins Grab dein Jost von Eichenwehen Postskriptum Es ist hier auch ein großer Lärm , weil der König hierher kömmt . Den ganzen Tag werden die Straßen gefegt und Lampen geschmiedet zur Illumination vom großen Christoffel , es ist ein Gepimper in der Stadt , daß man die Uhren gar nicht hört ; wenn ich nur die Post nicht verhöre . Soeben werden Vivat von hölzernen Stangen zur Illumination vorbeigetragen und allerlei poetische Sachen in Öl getränkt , was sich sehr vortrefflich ausnehmen wird , wenn man die Lichter dahintersteckt . Auf die große Rewü freue ich mich recht , die Soldaten bekommen andre Kamaschen dazu , und an jeder Seite einen Knopf weniger , damit die Kamaschen nicht gar zu hoch kommen ; auch sollen ihre Röcke verkürzt werden und ihre Gage erhöht . Bei der Rewü da wird dir es einen rechten Staub geben , wenn sie die entsetzlich vielen Beine bewegen , und das geht alles auf einen Wink , Links um ! da siehst du zwanzigtausend Haarzöpfe , einen wie den andern - Rechts um ! da siehst du zwanzigtausend Schnurrbärte , das geht alles , als kehrte sich die Welt um . Ist das nicht schön ? Und dabei der rasende Lärm mit Trommeln und Pfeifen . Dann die Kavalerie , da ist der Mensch wie das Pferd , und das Pferd wie der Mensch , alles wie es der Herr Kommandant will . Auch werden kleine Attacken gemacht werden , Einhauen und dergleichen , aber alles zum Vergnügen , denn die Potentaten stehen alle recht bequem zum Zusehen , und wenn ein gemeiner Soldat vor Strapaz umfällt oder überritten wird , so schafft man ihn beiseite , damit es nicht ekelhaft aussieht . Gott sei Dank , liebe Klaudia , daß ich in diesem Säkulo geboren bin , wo solche erhabene Wissenschaften getrieben werden . Adieu . Godwi an Römer Werden wir uns wiederkennen , Römer , da der Wechsel die Dinge nun ergriff und in der Werkstätte des Lebens wir , andere Bilder , dastehen ? Werden wir unsre Herzen herausfinden aus diesen Falten augenblicklicher Stimmungen ? und wann werden wir ewig unveränderlich , nackt und vollkommen die schönste Vollendung unsrer Eigentümlichkeit sein ? wo kein äußeres Zeichen mehr unsre Ordnung bestimmt , sondern wir selbst ein einziges , unteilbares Zeichen für unser höchstes Dasein sind . Ich fand dich wieder in deinem zweiten Briefe , in dem dich das Leben so bunt vermummt hatte . Ich kann dich auch so und vielleicht so noch mehr lieben , obschon du die Narben vieler Abenteuer der äußern und innern romantischern Zeit deiner Jugend trägst , und mir kein Einzelner mehr erscheinst . Wie ist dir ? du Armer ! Soll ich den aufrichten , der mich nicht aufrichten konnte ? Dein Urteil war in deinem ersten Briefe weiter als dein Leben , und dein Geist richtete an der Wiege deiner Handlungen über die Sünden deiner Männlichkeit . - Ich erkühne mich nicht , über diese Zufälle auszusprechen , denn ich achte nicht die Gefahr , nein ! nur die Süßigkeit des Lebens . Man soll mich nie eines Eingriffs zeihen in das stille feierliche Weben der Liebe durch die Natur , womit sie uns dicht nebeneinander in die bunten Farbenmelodieen des Lebens verschlingt . Nie habe ich den lächelnden Ernst und die kindische Feier dieses heiligen Gewerkes mehr empfunden als jetzt . Auch mich hat die Liebe mit unendlich zarten Armen umfangen , und an das warme lebendige Herz der Natur sanft herangezogen . Ich stehe nicht mehr allein , trotzig und kühn die Welt zu beschauen , und ihren tausendfachen Schritt , und das Begehren und Hingeben ihrer glühenden Pulsschläge . Ich bin im Leben , o Freund , und wo ? In seinen unschuldigsten Blicken , in den freundlichsten Grübchen seiner Wangen , in der teilbarsten Fülle seiner Lockenflut , und in seinen zartesten Träumen . Alle meine Pläne , alle meine Hoffnungen sind freiwillig losgetrennt von mir , ich sah sie ruhig , mit wehmütigem Entzücken leise über mir hinwegschweben , wie mächtige , leichte Luftbälle , als habe sie die in uns so traurig gefangene Allgemeinheit des Lebens als ein Bild ihrer schönen verlornen Freiheit erschaffen , das sich ungetreu von dem Künstler losreißt , um sein Urbild zu suchen , als habe die sehnende Einsamkeit meiner Seele einen herrlichen Boten ihres Verlangens in den unentdeckten Himmel gesandt . Aber Freund ! es ist nur ein freudiges herzerhebendes Schauspiel geworden für meine Liebe und mich ; da ich mit ihr den fliehenden Kugeln nachsah , drückte sie mich sanft in die Arme , und mein Herz ward größer , je kleiner die entwichenen aufwärtsschwebten . Sie waren schon unkenntliche Punkte über mir , und die Welt unermeßlich groß unter mir geworden , als die Liebe zu