seinem Schaden sein würden . Die Herren von Arten hätten ja treue Dienste immer zu würdigen verstanden , und so werde denn ja auch der jetzige Freiherr wohl das Gleiche an ihm thun . Renatus hatte den Amtmann seine Anrede ruhig vollenden lassen . Dann nöthigte er ihn , sich zu setzen , und ohne ihm irgend eine Anerkennung auszusprechen oder ihn zu einer Hoffnung zu ermuthigen , blieb er selber , den Arm auf die Lehne seines hohen Schreibtisches gestützt , vor dem Sitzenden stehen , so daß er auf ihn herniedersah . Er genoß in diesem Augenblicke das Bewußtsein seiner Herrschaft , er wollte sie den Amtmann auch empfinden lassen , und erst nach längerem Schweigen sagte er mit jener nur auf das eigene Interesse gerichteten Weise , in welcher die Fürsten gegen ihre Unterthanen , die Besitzenden gegen die Nichtbesitzenden in der Regel Meister sind , und welche sie oft sogar verhindert , sich die Zeit zu nehmen , dem Angeredeten auch nur die Ehre seiner Namensnennung zu gewähren : Ich höre aus Ihren Worten , daß Sie die Ansichten kennen , welche mein Bevollmächtigter , der Kaufmann Tremann , in Bezug auf diese Güter hegt , und ich lasse es vorläufig dahingestellt sein , in wie weit er mit denselben Recht hat . Ich war bei meiner Ankunft allerdings der Meinung , daß ich hier durchgreifende Veränderungen machen müßte , indeß ich mag nichts übereilen , und da , wie Sie richtig bemerken , wir in unserem Hause es nicht lieben , unsere Beamten und Diener oft zu wechseln , so wäre ich in gewissem Sinne nicht abgeneigt , auch mit Ihnen einen neuen Versuch , einen neuen Contract zu machen , obschon ich mich während meines langen Aufenthaltes im Auslande davon überzeugte , daß Ihnen in der That , darin hat Herr Tremann Recht , die Kenntniß der Fortschritte mangelt , welche man in der rationellen Bewirthschaftung und Verwerthung großer Güter in den letzten Jahrzehenden überall gemacht hat . Er hielt inne , nahm eine Feder zur Hand , prüfte auf dem Nagel des Daumens ihre Spitze , legte sie dann wieder fort und streifte mit dem Auge über den Amtmann hin , der , die Hände über dem Leibe gefaltet , andächtig und unbeweglich , als ob er vor der Kanzel säße , die Aussprüche des jungen Freiherrn , von dessen landwirthschaftlichen Kenntnissen er hinwiederum auch seine besondere Meinung hegte , über sich ergehen ließ . Er fand es weder nöthig noch zweckmäßig , ihm eine Antwort zu geben , ehe eine solche unvermeidlich war , und Renatus sah sich dadurch also gezwungen , seiner ersten Rede die Bemerkung hinzuzufügen , daß große Verbesserungen auf den Gütern , wie er sich überzeugt habe , unerläßlich wären , und den Amtmann daran zu erinnern , wie derselbe es ihm für möglich erklärt habe , die Ameliorationen ohne alle Hülfe von auswärts , aus den eigenen Mitteln zu bewerkstelligen . Aber auch hierauf antwortete der Amtmann nur mit einer stummen Kopfneigung , und der Freiherr mußte also auf ' s Neue zu sprechen beginnen . Da Sie wußten , sagte er , daß ich heute die Entscheidung treffen muß , werden Sie Sich die Verhältnisse wohl durchdacht haben . Erklären Sie Sich also nach Ihrem besten Wissen und Gewissen darüber , ob und wie Sie es für möglich erachten , daß wir , ohne zu neuen Geldaufnahmen unsere Zuflucht zu nehmen und ohne eines der Güter abzutrennen , - er vermied das Wort verkaufen geflissentlich , - die Wirthschaft weiter führen und den Schaden ersetzen können , den die Kriege uns gethan haben . Man hat mir , ich verhehle Ihnen das nicht , nicht nur gegen Ihre Einsicht und Ihre Kenntnisse , sondern auch gegen Ihre Person Mißtrauen eingeflößt , aber ich gestehe Ihnen mit Vergnügen ein , daß ich glaube , man habe Ihnen Unrecht gethan . Ich habe nichts , gar nichts wider Sie , im Gegentheil ! Die Frau Baronin hat mir Ihre gefällige Dienstfertigkeit gerühmt . Sie können also zuversichtlich sprechen und der billigsten Beurtheilung , der genauesten Erwägung des Für und Wider Sich versichert halten . Ohne eine zwingende Nothwendigkeit entferne ich Sie nicht ! Renatus war äußerst wohl mit sich und mit dieser Rede zufrieden ; sie war eben so bestimmt , wie er meinte , als menschlich und gerecht gewesen , und der Amtmann hatte sie auch mit der tiefsten Ergebenheit vernommen . Er hatte nur zu verschiedenen Malen gewichtig mit dem Kopfe genickt ; dann wieder hatte er gelächelt , wie einer , dem das Gehörte nicht unerwartet kommt , und sich zur Antwort und zum Ueberlegen bedächtig Zeit lassend , sagte er endlich : Gnädiger Herr , ich habe mich nicht herangedrängt , Ihnen meine Meinung zu sagen ; ich habe gedacht , Sie sollten Sich nur , wie Sie das ja auch gethan haben , hier zu Lande umsehen , denn die Verantwortung , die Unsereiner auf sich nimmt , ist gar zu groß . Nun Sie hier Bescheid wissen und , wie das in der Ordnung ist , überall selber herumgehört haben , was von mir geglaubt und gehalten wird , nun sind Sie doch wenigstens so weit in Ihrem Zutrauen zu mir gekommen , daß Sie meine Stimme zu vernehmen wünschen . Gerade heraus also , gnädiger Herr , es sind die Spekulanten , den Steinert und den Tremann an der Spitze , die ihre Augen auf die Güter hier geworfen haben , das ist das ganze Elend ! Sonst hat es noch keine Noth , wenn man nur erst wieder gelassen an die Arbeit gehen kann . Verschuldet sind die Güter , schwer verschuldet , das ist wahr ; wer verlangt denn aber , daß man morgen oder übermorgen die Schulden abbezahlt ? Wer verlangt das anders , als die Spekulanten , die am liebsten Alles zu Geld und alles Geld in der Welt flüssig machen möchten , damit es , wie