letzten male gepirscht werden sollte , eröffnete dem ganzen Jagd- und Waldhutpersonal glänzende Aussichten auf Schlag- und Holzvermessungstrinkgelder . Bedauern , daß im Zehnterforst die Hirsche zum letzten male junge Tannenkeime knuspern sollten , war eine hier unbekannte Sentimentalität . Nur der Meyer äußerte von der künftigen Bestimmung dieses Forstes zu Eisenbahnschwellen einige fromme Seufzer , die an Müllenhoff ' s Predigten erinnerten , der die Locomotive darzustellen pflegte wie die vom Teufel entführte Braut der Hölle , voran Satan mit einer Peitsche aus lichterlohem Kometenfeuer , hintenauf hockend Drachen und Ungethüme der Unterwelt und in den Waggons fahrend Juden und Judengenossen , Gottesläugner , Consistorialräthe , Offiziere und Gensdarmen , alles was zum Leben des neunzehnten Jahrhunderts gehöre ... Ja auch Benno seufzte : Der Zehnterwald ! Kein Holz hatt ' ich so lieb , wie das ! Stellen gab ' s da , die für ' s Edelwild ein Paradies waren ! Büsche an kleinen Wassern , wie gemacht für die Brunst , einsam wie Mutterschoos ! Brauchte da ein Jäger wol aufs Blatten zu schießen ? fiel als leiser Wehmuthsaccord vom Hegemeister ein ... Nein , sagte der Oberförster , wischte sich aber nur das » neu angefahrene « Bier aus dem greisen Barte , keine Thräne , der ganze Forst gab schon einen Ton von sich , auf den die Rehe von allen Weltgegenden hereinkamen ! Den Ton des Schweigens ! sagte Benno für sich und horchte auf die Terschka ' sche lebhaftere Seitendebatte , wo man vom Düsternbrook sprach , als von einem Gehölz , wo seit Menschengedenken kein Hund » ein Wild stellte « . Das führte denn auf das heute von Allen Erlebte ... Man legte sich freilich die Rücksichten auf , die der An- und Abstand geboten ... Man lächelte nur , munkelte , stopfte sich » mit Verlaub « eine neue Pfeife und wartete auf den , der die meiste Courage hätte , um mit der Rede durchzubrechen ... Des Küfers Stephan Lengenich entsannen sich alle von vor Jahren ... Auch Löb Seligmann war jedem bekannt . Der hatte den Küfer zurückgehalten , als dieser seine » Entlastung « feierlich vollzogen ... Dann war Löb auf den Schrei der Lisabeth und die Störung durch den Geiger und den Mönch , wahrscheinlich auf Schloß Neuhof zurück verschwunden , wo ihn schon der Präsident von Wittekind zu schätzen begann ... Das nun war der Augenblick , wo man die Geige Stammer ' s hörte und vor dem grellen Lachen , mit dem sein Eintreten empfangen wurde , sein eigen Wort nicht verstand ... Nach dem , was Onkel Levinus über die alten Dinge von Schloß Neuhof erzählt hatte , mußten die drei Herren vom Schloß wol angenehm überrascht und begierig sein , sich diesen Geiger näher anzuschauen ... Schon wurde seine Charakteristik gegeben ... Er ist im Kirchenbann ... Ein alter Kerl von fast sechzig Jahren schon ... Putzig ist ' s , wenn er allein spielt ! Immer erzählt er dazwischen eine Lüge , wie Eulenspiegel ... Oder auch manchmal eine Wahrheit ! sagte der Oberförster und betrachtete wie mit einer Auffoderung , den Geiger näher zu rufen , Herrn von Terschka ... Terschka gab den Ausschlag , daß man sich allerdings eine solche Erscheinung nicht entgehen lassen sollte ... Benno erneuerte gern eine Bekanntschaft aus seiner frühesten Jugend ... Und so war denn Thiebold schon aus , ihn zu holen ... Umringt von denen , die sich nicht zu Dionysius Schneid und zum Spiele hielten , erschien der heute so übel zugerichtete , langhaarige Buckelige ... Trüb beschienen ihn die wenigen Oellampen , deren Lichtstrahlen vollends ermatteten durch den Qualm der Pfeifen und Cigarren ... Der Dunst des Ofens zwang die drei Herren vom Schloß , von diesem mit ihren Schemeln abzurücken ... Der Finkenwirth bediente allseitig und entfernte von den Honoratioren die Nachdrängenden . Er that das wie mit Kammerherrenanstand ... Stammer schlenderte näher und grüßte trotzig ... Seine kohlschwarzen Augen lachten verschmitzt die vornehmen Frager an . Seine dünnen Beine verneigten sich fast wie mit einem frauenzimmerlichen Knix ... Dann legte er beide langen Arme , die die Geige und den Fiedelbogen hielten , auf den Rücken , als wollt ' er sagen : Nun , was soll ' s ? Terschka , der hier das Wort führte , sagte nicht ohne Würde , aber in seinem fremdartigen Dialekt : Ei Sie ! Ei Sie ! Sie haben halt das Unglück , hör ' ich , dem Herrn Pfarrer nicht zu gefallen ! Ich gefalle mir selbst nicht ! Sehen Sie nur ! Der liebe Gott hat mich nicht richtig wachsen lassen ! ... Das war mit einem Herumdrehen des Rückens die Antwort ... Sie haben , fuhr Terschka nach dem Lachen fort , hör ' ich , sehr ein großes Talent ! Auf der Geige könnte der Paganini von Ihnen lernen , sagt man ! Ich würde an Ihrer Statt mein Publikum nicht groß genug haben können ; selbst der Herr Pfarrer dürfte mir nicht fehlen , wenn ich einmal eine gute Sonate spielte ... Man murmelte und lächelte auch ihm ... Stammer ' s Gedanken weilten zwar jetzt mehr bei dem Kloster Himmelpfort , als bei Sanct-Libori , doch stellte er sich demüthig ... Schließen Sie Frieden mit Herrn Müllenhoff , fuhr Terschka , seiner Stellung eingedenk , fort . Er meint es gewiß gut mit euch allen ! Auf Ordnung und gute Sitte muß halt auch die neue Herrschaft sehen ! Ein Jünglings- und ein Jungfrauenbund ist gar so übel nicht und schließt die Freude keineswegs aus . Daß die Musik an sich Gott wohlgefällig ist , zeigt euch Sonntags jede Messe ! ... Ihr aber , Stammer , sollt ja zur Geige allerlei Schnurren vortragen können ! Nun , wenn Ihr in Euere Lügen ein paar Körner Wahrheit einmischen wollt , soll ' s uns noch einmal so lieb sein ! Trinkt und fangt dann mit einem Gespaß an ! Benno und Thiebold mußten dieser