hatte eine Art Negligéüberwurf an , ein leichtes nankinggelbes Zeug mit einem großen herabfallenden Kragen von gleichem Stoffe . Wenn der Rock vorn aufschlug , sah man ein weißes Unterkleid mit einem goldnen Gürtel . Die schwarzen eng an die rundgewölbte Stirn gestrichenen Haare waren von einem sehr kleinen durchbrochenen , goldgelben italienischen Strohhut bedeckt . Tändelnd hatte das junge Mädchen ein Taschentuch in der Hand und schlug damit in die Luft , wie mit einer Reitgerte . Es war eine Bewegung , die die größte innere Ungeduld verrieth . Mit einer sehr gefälligen , fast vertraulichen Miene grüßte sie Dankmarn . Es war , als wollte sie ein laut hervorbrechendes Lachen unterdrücken , als sie so stolz , so graziös vorüberschwebte . Sie warf auch mit einer leichten Bewegung ihr gesticktes Battisttuch so , daß ein Zipfel in den Mund kam und sie auf ihm ihre Erregung gleichsam ausbeißen konnte . Dieser kindische Einfall , verbunden mit dem entschiedenen , fast herausfordernden Wesen , das in der übrigen Art des Mädchens lag , verräth uns , daß es wirklich Olga Wäsämskoi war , die vor der Ruhebank dahinschwebte und mit einem Bedienten sogleich verschwand . Paulowna und Rurik erzählten , daß die Mutter von dieser Fahrt gar nichts wisse . Daß sie die » Tante « von Harder in Tempelheide hätten besuchen sollen und daß Olga dem neuen Kutscher , der sehr gut und rasch fahren könne , geboten hätte : Rechts um , nach Solitüde ! ... Dankmar verzog die Lippen und hatte alle kleinen Teufel des Spottes und der Ironie in seinen Mienen , während Siegbert in die größte Verlegenheit gerieth und schon ahnen konnte , welche schlimme Scene diese eigenmächtige Idee Olga ' s bei ihrer Mutter zur Folge haben würde . Wer ist denn von Euch der Prinz Egon ? fragte Paulowna mit ungezwungener Dreistigkeit . Der bin ich , mein kleiner Engel ! sagte Egon und wollte sie auf den Schoos nehmen . Und wer bist du denn ? fragte er . Geh ! sagte Rurik und riß die Schwester wieder zu sich heran . Oho ! Das nenn ' ich einen sittsamen Bruder , sagte Egon lachend und wollte aufstehen , um Paulowna zu haschen . Diese zog sich aber zurück und sagte mehr stolz als naiv : Mein Vater war auch ein Prinz . Daran zweifl ' ich gar nicht , antwortete Egon lachend . Welche Länder gehörten ihm denn ? Siegbert fühlte die ganze Pein dieser unerwarteten Begegnung . Wie gern hätte er die Kinder entfernt ! Aber Rurik stellte sich keck vor seine Schwester und meinte : Er hieß Wäsämskoi ! Aber Onkel Rudhard sagt , daß du schlimm bist . Und wir mögen dich gar nicht . Damit rannte aber Rurik , in einiger Entfernung über seine gelungene Impertinenz laut spottend , davon ... Paulowna flog ihm nach und Siegbert sah wohl ein , daß er Olga ihr ganzes Abenteuer verderben würde , wenn er nun nicht sogleich aufstünde , ihr nacheilte und den ganzen Ausbruch ihres Jubels über dieses kühne Beginnen entgegen nähme . Er sprang geduldig den Kindern nach und holte am Fuße der Terrasse Olga ein , die dort , von den Andern ungesehen , schon auf ihn gewartet hatte und ihn , wie er so verblüfft und verlegen herunterkam , mit einem Spott und Frohlocken empfing , das zwar unendlich lieblich und bezaubernd war , ihn aber in nicht geringe Verlegenheit setzte . Inzwischen konnte sich aber Egon von seinem Erstaunen über den Namen Wäsämskoi und Rudhard kaum erholen . Dankmar ergriff daher das Wort , bat ihn , sich wieder zu setzen und gab ihm mit kurzen Worten eine Erläuterung . Dreizehntes Capitel Der König und die Königin Mein verehrter Freund , sagte Dankmar ; du siehst , wie viel sich während deiner Krankheit um dich her neu begeben hat . Jede Stunde bringt dir eine neue Aufklärung . Helene d ' Azimont , das Bild , Rafflard , Ackermann , der Thurm , alles Das tritt wie aus einem Nebelbilde wieder vor deine gestärkten Sinne . So wisse denn auch , daß von den Ufern des Schwarzen Meeres die verwitwete Schwester der Gräfin d ' Azimont hier angekommen ist mit ihren drei Kindern , diesen beiden vorlauten kleinen Schwätzern da und jener älteren Olga , der mein Bruder , der bei der Fürstin die ästhetischen Honneurs macht , sogleich wie ein treues Windspiel nachgesprungen ist . Aber Rudhard ? Rudhard ? rief Egon und drängte um Aufklärung über diesen ihm theuern Namen , den er in Lyon einst selbst geführt hatte . Daß Rudhard in die Familie Osteggen eingetreten war , schien dir nicht unbekannt ? sagte Dankmar . Nein ! Er hatte Helenen und ihre Schwester Adele erzogen . Sie kamen durch die Heirath mit dem Fürsten Wäsämskoi nach Odessa . Helene heirathete den Attaché Grafen d ' Azimont und ist mit ihrer Familie gespannt . Der Fürst Wäsämskoi starb . Das weiß ich . Rudhard begleitete die Familie , um die Kinder besser auszubilden , hieher . Rudhard hier ! Wir fürchteten Alle den zu lebhaften Eindruck , den diese Entdeckung auf dich machen würde - Um so mehr , als Ihr Alle Rudhard ' s Urtheil über mich kennt ! Aus dem Munde dieser Kinder hab ' ich ' s ja vernommen ! Egon blickte voll Betrübniß . Ich kann nicht läugnen , suchte Dankmar die Wahrheit zu mildern , daß Rudhard streng über dich urtheilt , und unter der Stellung , in welcher du dich zu einer ihm theuern Familie befindest , doppelt leidet . Die Gräfin und die Fürstin sind so verfeindet , daß sie sich noch bis zur Stunde vermieden haben . Rudhard , ein etwas trockener Pedant , ist unglücklich , daß er dem Zuge seines Herzens nicht folgen kann , wie er möchte . Denn was ich ihm auch von deiner Liebe zu ihm , von deiner Dankbarkeit , von deiner Verehrung vor seinen Grundsätzen