mit einer aus Entmuthigung und Frömmigkeit zusammengesetzten Ergebung , Alles der Fügung des höchsten Wesens anheimgestellt , dem sie sich in Demuth unterzuordnen beschloß . Was Gott zulassen , was er bestimmen würde , das sollte , so hatte sie es sich gesagt , auch ihr erwähltes Theil sein ; und wie edel und richtig von ihrem religiösen Standpunkte aus diese Entsagung auch sein mochte , war ihr dieselbe doch in ihrem Verhältnisse zu Renatus nicht förderlich gewesen , sondern nur ihm allein zu Statten gekommen . Sonst hatte sie seine Zärtlichkeit gesucht und ihm die ihrige mit unverhehlter Liebe kundgegeben ; jetzt hielt sie sich zurück , obschon das Herz ihr blutete , wenn Renatus ihre Liebesbeweise nicht forderte , nicht einmal vermißte . Sie beklagte sich nicht , wenn er ihre Gesellschaft nicht verlangte , sie ließ ihn gewähren , wenn er sich oft für mehrere Tage entfernte , sie setzte Vittoria ' s Bemühungen um ihn kein Hinderniß in den Weg . Konnte Renatus seinen Schwüren untreu werden , obschon er ' s sehen mußte , daß der Kummer ihre Wange bleichte , konnte Cäciliens beständige und oft so grundlose Fröhlichkeit ihn mehr befriedigen , ihm mehr werth sein , als ihr treues Herz , nun so hatte er sie nie geliebt , so hatte Gott es zugelassen , daß sie ihre Liebe einem Unwürdigen zugewendet hatte , und sie mußte in Demuth hinnehmen und tragen , was ihr von Gott beschieden war , auch wenn sie seine Wege nicht verstehen konnte . Das Schweigen , die Entsagung , welchen Hildegard sich überließ , täuschten den Freiherrn , denn wo die Blindheit ihnen Vortheil bringt , strengen die Wenigsten ihr Auge zum Sehen an . Er meinte , sie erkenne es jetzt bereits , daß sie nicht für einander paßten , und sie wolle es ihm erleichtern , sich von ihr loszusagen , ohne deßhalb ihr einstiges , schönes Jugendverhältniß zu verläugnen . Er wußte ihr Dank für ihre Zurückhaltung , Dank dafür , daß sie ihn seinen freien Weg und Willen haben ließ , und während er Anfangs sich davor gefürchtet hatte , ihr von seinen Planen zu sprechen , begegnete es ihm jetzt bisweilen , daß er ihr erzählte , was er zu thun , wie er sich einzurichten denke , ohne daß bei diesen Vorsätzen irgendwie von ihr die Rede gewesen wäre . Er gewann zu ihr jene unbedingte Zuversicht , welche grausam macht , und weil ihr Ehrgefühl sie hinderte , sich zu beklagen , überließ er sich bereitwillig dem Glauben , daß sie keinen Schmerz empfinde . So begann er , sich seine Unentschlossenheit und sein feiges Zuwarten zum Verdienste und als eine Maßregel milder Klugheit anzurechnen , für welche alle Theile ihn zu loben hätten , und er bestärkte sich an seinem eigenen Verhalten in der Lehre : daß man gewaltsame Schritte überall vermeiden müsse , daß man die Dinge nur gehen zu lassen brauche , damit sie in die richtige Bahn und zu einer naturgemäßen Entwicklung hingeleitet würden . Als er sich niedergelegt , hatte er sich an dem betreffenden Abende gefragt : Was werde ich mit Hildegard machen , wenn ich die Güter behalte ? - Am Morgen , da er sich erhob , stand er noch vor derselben Frage , und als sich dann im Laufe des Vormittags zur anberaumten Stunde sein Amtmann bei ihm einfand , war Renatus auch noch nicht über seine Ungewißheit hinausgekommen . Er fand es nach wie vor eben so unwürdig , sein Wort zu brechen , als grausam gegen ein Weib zu sein ; denn von seinen täglich wiederkehrenden kleinen Grausamkeiten hatte er kein Bewußtsein , und daneben sagte er sich dennoch immer wieder , daß ihm gar nichts übrig bleiben werde , als seinem Worte , seiner Ehre und seinem Gewissen zuwider zu handeln , wenn er sich nicht gegen sein eigenes Glück versündigen , wenn er nicht ein gealtertes , kränkelndes Mädchen zu seiner Gattin , zur Mutter seiner Kinder , zur Mutter eines Geschlechtes machen wolle , das mit Fug und Recht bisher auf seine schönen und kräftigen Männer und Frauen so stolz gewesen war . Jetzt , wo die Stunde der Entscheidung da war , drohte sein Glaube an die Weisheit des Abwartens wankend zu werden , und doch verließ ihn ein Selbstbewußtsein nicht , das ihn erhob : er stand auf seinem Grunde und Boden , in seiner Väter Schloß , er war hier der Herr . Die Vergangenheit dieses Hauses war die seinige , sich die Zukunft in demselben zu bewahren , stand in seiner Macht . Er hegte das volle Herrenbewußtsein , jene Ueberzeugung von der eigenen Bedeutung , welche rücksichtslose Selbsterhaltung und Selbstbefriedigung als ihr angeborenes Recht betrachtet . Er meinte seines Vaters Geist in sich zu fühlen , und er gelobte sich , in diesem Geiste auch zu handeln . Er durfte , er wollte sich von dem Boden nicht trennen , aus dem er ihm erwuchs . Nur mit Hildegard mußte er zu einem Abschlusse , einem Ende gelangen ! Er war eben von seinem Spaziergange mit Cäcilien heimgekommen , als man ihm den Amtmann meldete . Die Jahre hatten diesen wenig angefochten . Er war jetzt allerdings auch kein junger Mann mehr , aber er sah besser aus , als in früheren Zeiten , denn er war stark geworden und blickte selbstzufrieden und behaglich lächelnd um sich her . Nur aus den kleinen , grauen Augen , deren schwere Lider sich beinahe schlossen , wenn er den Mund zur Freundlichkeit verzog , schoß hier und da ein Ausdruck achtsamer Schlauheit unheimlich hervor , der sonderbar gegen das offene Wesen abstach , dessen der Amtmann sich sonst befleißigte und rühmte . Demüthig und doch nicht ohne Zuversicht trat er bei dem Freiherrn ein . Er sagte , daß er gekommen sei , die Befehle und die letztlichen Entschließungen des gnädigen Herrn zu vernehmen , und er hoffe , daß diese nicht zu