und Schirm der Arbeit bei ihnen allein schon genugsam anstoßen . Es käme nur ... auf Etwas an ... Dankmar regte mit diesen zögernd gesprochenen Worten die Unruhe des Handwerkers nur noch mehr auf . Worauf ? sagte er . Sie sehen , wie ich vor Sehnsucht zittere , dem Volke ein treues Herz zu erhalten ! Dankmar war von der bebenden Stimme , mit der diese Worte gesprochen wurden , gerührt und bot Louis Armand die Hand . Edler , lieber Fremdling ! sagte er . Wie warm fühlen Sie für die gute Sache des Jahrhunderts ! O mein Herr , rief Louis , ich höre Sie schon viel lieber von unsern Pflichten sprechen , als meinen verlornen Egon von unsern Rechten . Geben Sie ihn nicht auf , Louis ! antwortete Dankmar , angenehm erregt von der traulichen Art , wie Egon am Arme seines Bruders sich stützte und unter den hohen Lindenbäumen vor ihnen schritt . Ich verspreche mir viel von dem Plane , diesen jungen Fürsten in unsre Kammer zu bringen . Er hat das Alter . Und über die Möglichkeit , ihn irgendwo in der Wahl durchzusetzen , hab ' ich schon nachgedacht . Die Tribüne ist ein sonderbarer Ort ! Menschen , die nie eine Meinung hatten , haben auf der Tribüne eine Meinung bekommen . Wie man in der Physik das Gewicht der Stoffe nicht auf der Wagschale absolut , sondern nach einer Vergleichung mit andern Werthbestimmungen specifisch ermittelt , so wird Egon über seine Gesinnung sich erst klar werden den Gesinnungen Andrer gegenüber . Und wie wenig wol auch zu erwarten steht , daß ihn unsre Radikalen für sich gewinnen , so dürfte es doch ebenso lange währen , bis sich Egon in der ihm völlig fremden , zu Allem schmiegsam ergebenen Kanzleigesinnung des Beamtenthums zurecht fände . Erst auf der Tribüne wird sich sein wahrer Werth sichtbar ausscheiden . Haben Sie schon über die Möglichkeit einer Wahl nachgedacht ? fragte Louis Armand . Ich erwarte , sagte Dankmar , in diesen Tagen einen Deputirten , dem es gelungen ist , dreimal gewählt zu werden . Es ist ein einfacher Landwirth , aber ein vielgerühmter Politikus , Namens Justus . Extreme Richtungen können ihn nicht gehoben haben , und so glaub ' ich fast gewiß zu sein , daß es nur seiner Empfehlung bedarf , um da , wo er die Wahl ablehnt , Jeden , den er als Ersatzmann vorschlägt , durchzubringen . Unter diesen Erörterungen hatten sich Louis und Dankmar wieder den beiden Vorausschreitenden genähert und theilten die angenehme Überraschung , die ihnen jetzt die freundliche Aussicht bot . Welch ein gefälliges Gemälde ! ... Sie hatten alle vier jene Terrasse erstiegen , deren Rückwand dichte gestutzte Bosquets , Grotten und Lauben bildeten , deren Vorderseite ein Gitter , über das hinweg man unten einen Wiesengrund , über diesen hinaus aber den Fluß , Wald und Berge sah . Alle Wege des Schloßparks sammelten sich auf diesem künstlich aufgedämmten , aber von der Natur überholten Berge . Zur Linken führte eine verschlossene Thür auf eine Verlängerung der Terrasse bis unmittelbar an die Fenster des Schlosses , dessen Stil älteren Zeiten angehörte . Diese mit Orangerie geschmückte Verlängerung , die dem Publikum geschlossen war , blieb der einzige kleine Raum , den sich der Hof für seine eigene Erholung vorbehielt . Sonst war Schloß und Park Solitüde allen Besuchern zugänglich und auch heute ging es auf dieser Terrasse lebhaft genug her . Kinder spielten im Kieselsande . Müßige Soldaten mit ihren Mädchen saßen in den Grotten . Manche Gruppe feinerer Gesellschaft lehnte sich an die eiserne Balüstrade und genoß das anmuthige hier ausgebreitete Landschaftsbild . Egon fühlte sich vom Steigen ermüdet und suchte eine Ruhebank . Man fand sie breit genug auch für seine drei Begleiter . Sie nahmen neben Egon Platz und theilten sich die Punkte mit , die Jedem an der Landschaft lieblich schienen . Louis hörte sogleich mit großer Freude , daß der links , diesseit und jenseit des Flusses liegende Wald der Schauplatz sonntäglicher Freuden des Volks war . Er trennte sich schon im Geist von der Gesellschaft , die hier neben ihm saß , und genoß die für den nächsten Sonntag gehoffte Fröhlichkeit unter jenen Tannen und jungen Eichen , auf einer Wiese , wo er in der Ferne Schaukeln und Kletterstangen unterscheiden konnte . Es sah Fränzchen ' s zierliche Gestalt über den Rasen hüpfen , bewunderte schon die kleinen Erfindungen ihres Geschmackes , die sie an ihrer Sonntagstoilette zum Vorschein bringen würde und betrübte sich nur über die von Siegbert ausgesprochene Vermuthung , daß dies schöne Wetter nicht mehr lange halten würde . Siegbert fing von den Wolken an , Louis wollte sich aber auch auf ihre Bildung verstehen . Siegbert zeigte auf einige Nebelschleier im Westen , die gerade über einem weiß aus dem Grünen hervorschimmernden und in der Sonne blitzenden Meierhof hingen und wollte eben jene kleinen Lämmerchen am Himmel Wölfe in Schafskleidern nennen , als seine Hand von zwei lieben jubelnden Kindern gehalten wurde . Es waren Paulowna und Rurik Wäsämskoi . Siegbert und Dankmar blickten erstaunt , wo die Kinder herkamen . Das rathet einmal ! riefen sie und klatschten jubelnd in die Hände . Von einer vernünftigen Erzählung war da keine Rede . Rurik zog Siegberten von der Bank auf und wollte ihm schon eine große kostbare von ihm entdeckte Blume zeigen , Paulowna verlangte , daß er mit ihr zu den Rehen ging . Er sollte Brot kaufen ; am Eingang des Schloßgartens säße eine Frau mit weißem Brote . Dabei zogen sie und zerrten ihn und wollten von schöner Aussicht und der Terrasse nichts wissen . Indem grüßte Dankmar sehr artig und Siegbert , der sich gelegentlich einmal umsehen konnte , wurde eben glühendroth . Egon fand ein junges Mädchen , dem ein Gruß von Siegbert galt , sehr anziehend . Sie war klein , aber außerordentlich zierlich . Ein Bedienter trug ihr Sonnenschirmchen . Sie selbst