ausgesprochen , die Geister Marc Aurels , des Großen Kurfürsten und des Philosophen Leibnitz erscheinen zu sehen . Und sie erschienen . Wie man dabei verfuhr , darüber berichte ich an anderer Stelle . Nur dies noch . Dem Könige war gestattet worden , Fragen an die Abgeschiedenen zu richten ; er machte den Versuch , aber umsonst . Es gelang ihm nicht , auch nur einen Laut über die bebenden Lippen zu bringen . Dagegen vernahm er nun seinerseits von den heraufbeschworenen Geistern strenge Worte , drohende Strafreden und die Ermahnung , auf den Pfad der Tugend zurückzukehren . Er rief mit banger Stimme nach seinen Freunden ; er bat inständig , den Zauber zu lösen und ihn von seiner Todesangst zu befreien . Nach einigem Zögern trat Bischofswerder in das Kabinett und führte den zum Tod Erschöpften nach seinem Wagen . Er verlangte zur Lichtenau zurückgebracht zu werden , ein Wunsch , dem nicht nachgegeben wurde . So kehrte er noch während derselben Nacht nach Potsdam zurück . Das war , wie schon angedeutet , mutmaßlich Anfang der neunziger Jahre . Bestimmte Zeitangaben fehlen . Von jenem Abend an stand das Belvedere fünfzig Jahre lang leer . Es war , als wär ' es an dieser Stelle nur aus der Erde gewachsen , um als Rokokoschaubühne für eine Geisterkomödie , hinterher aber um als Wahrzeichen dafür zu dienen , daß das alles einmal wirklich war . Durch ein halbes Jahrhundert hin waren die Plätze wie verfehmt . Marmorpalais , Belvedere , Marquardt , das Eckardtsteinsche Haus , auch andre noch ; man mied sie , man nannte sie kaum . Erst Friedrich Wilhelm IV. , innerlich freier , machte einen Versuch , den Bann der neunziger Jahre zu durchbrechen . Das Marmorpalais sah wieder Gondeln an seiner Treppe ; die Miniaturbüste der Lichtenau . ein Chef d ' oeuvre , wurde an altem Platze aufgestellt ; was einst Abneigung erweckt hatte , weckte wieder Interesse . Auch das Belvedere schien wieder zu Ehren kommen zu sollen . Von seinem Balkone aus sah der heitere König , dessen eigene sittliche Integrität ihm die Milde , auch nach dieser Seite hin , zum Bedürfnis machte , in Dämmerstunden , beim Teegeplauder , das Spreetal hinunter , freute sich der Segelkähne , die kamen und gingen , der langen Züge , die rasselnd , dampfend vorübersausten , der dunklen Flächen des Grunewaldes hier , der Jungfernheide dort , endlich des roten Spandauer Turms , der die Zickzackfestungswerke drüben am westlichen Horizont hoch überragte . Das waren die Wiederbelebungsversuche für das Charlottenburger Belvedere . Aber sie kamen und gingen wie bloße Träume . Bald schlief der Bau mit seinen drei Rokokogenien weiter . Er schläft noch . Etwas Unheimliches ist drumher , das nicht abzutun ist . Was ist es ? Ist es , weil es ein Spukhaus war , weil Gespenster hier umgingen ? Nein , denn man spielte hier nur Gespenst . Aber fast scheint es , als ob ein doppeltes Grauen eben daraus erwuchs , daß die Geister , die hier auftraten , nur ein Schein , eine Lüge waren . Potsdam und Umgebung Die Havelschwäne Die Havelschwäne Da geht ' s an ein Picken , An ein Schlürfen , an ein Hacken ; Sie stürzen einander über die Nacken , Schieben sich , drängen sich , reißen sich , Jagen sich , ängsten sich , beißen sich , Und das all ' um ein Stückchen Brot . Lilis Park Die Havel , um es noch einmal zu sagen , ist ein aparter Fluß ; man könnte ihn seiner Form nach den norddeutschen oder den Flachlands-Neckar nennen . Er beschreibt einen Halbkreis , kommt von Norden und geht schließlich wieder gen Norden , und wer sich aus Kindertagen jener primitiven Schaukeln entsinnt , die aus einem Strick zwischen zwei Äpfelbäumen bestanden , der hat die geschwungene Linie vor sich , in der sich die Havel auf unseren Karten präsentiert . Das Blau ihres Wassers und ihre zahllosen Buchten ( sie ist tatsächlich eine Aneinanderreihung von Seen ) machen sie in ihrer Art zu einem Unikum . Das Stückchen Erde , das sie umspannt , eben unser Havelland , ist , wie ich in den voraufgehenden Kapiteln gezeigt habe , die Stätte ältester Kultur in diesen Landen . Hier entstanden , hart am Ufer des Flusses hin , die alten Bistümer Brandenburg und Havelberg . Und wie die älteste Kultur hier geboren wurde , so auch die neueste . Von Potsdam aus wurde Preußen aufgebaut , von Sanssouci aus durchleuchtet . Die Havel darf sich einreihen in die Zahl deutscher Kulturströme . Aber nicht von ihren Großtaten gedenke ich heute zu erzählen , nur von einer ihrer Zierden , von den Schwänen . Die Schwäne sind auf dem ganzen Mittellauf der Havel zu Hause . Die zahlreichen großen Wasserbecken , die sich hier finden : der Tegler See , der Wannsee , der Schwielow , die Schlänitz , die Wublitz , sind ihre Lieblingsplätze . Ihre Gesamtzahl beträgt zweitausend . In früheren Jahren war es nicht möglich , diese hohe Zahl zu erreichen . Während der Franzosenzeit waren sie , als ein bequemes Jagdobjekt , zu Hunderten getötet worden ; später wurden die großstädtischen Eiersammler ihrer Vermehrung gefährlich . Erst die Festsetzung strenger Strafen machte diesem Übelstande ein Ende . Seitdem ist ihre Zahl in einem steten Wachsen begriffen . Wie mächtige weiße Blumen blühen sie über die blaue Fläche hin ; ein Bild stolzer Freiheit . Ein Bild der Freiheit . Und doch stehen sie unter Kontrolle , in Sommertagen zu der Menschen , in Wintertagen zu ihrem eigenen Besten . Im Sommer werden sie eingefangen , um gerupft , im Winter , um gefüttert zu werden . So bringt der Hofstaat oder vielleicht der Fiskus , dem sie zugehören , seine sommerliche Untat durch winterliche Guttat wieder in Balance . Auf die Prozedur des Einfangens kommen wir weiterhin zurück . Die zweitausend Schwäne zerfallen in Schwäne der Ober-