sie hatten ihn mit Haß empfangen ; schon waren alle für ihn eingenommen ... Wir kommen zu spät ! sagte er und deutete auf manchen Heimkehrenden , der an ihnen vorüberging und grüßte ... Dann fragte er sie ... Es hieß : Die Jäger sind da , Herr Baron ! Nun bogen sie vom Fahrweg ab und sahen den Finkenhof hell und belebt . Der jeden Morgen frisch aufgeeiste Bach schien zu dampfen . Die Kegelbahn hatte Licht . An den wie mit Fett bestrichenen Fensterscheiben hätte man Scenen aus dem vaterländischen Rekrutenleben an die gegenüberliegende Wand gemalt erblicken können : » Fritze riecht zum ersten male Pulver « oder : » Fritze macht die erste Bekanntschaft mit blauen Bohnen « , alles im Stil von Krähwinkel ausgeführt ... Im Tanzsaal ist ' s still ; aber im Wirthshaus sitzen Menschen genug und Gesang sogar gibt es . Benno sagte : Ihren Volkstanz stampfen sie ! Den lustigen Pfaffen von Ystrup ! Und schon hörte man : He , he ! Der ist zu arm , Daß Gott erbarm ' ! He , he ! Der ist zu dick , Hat kein Geschick ! Behalte die Besinnung , wer kann , der da eintritt in diesen Dampf und Dunst von Hitze und Taback und Bier und Branntwein ! Unter einem Heiligenbild an der Seite des Flurs hängt eine Lampe , eine ewige sogar ; Fidibus von dünnen Holzspänen liegen daneben : man kann sich Pfeifen und Cigarren an ihr anzünden . Die drei Gäste thun es , um ein Antidoton zu haben gegen die Dünste , die ihrer drinnen harren . Was jedoch stärkt das Ohr , diesen Gesang zu ertragen , der mit einer Festigkeit , wie wenn man Holzblöcke in die Erde rammt , den Eintretenden entgegenbraust ? ... Jetzt ertönt das » He , he ! « plötzlich schwächer und die Pfeifen gleiten einen halben Zoll aus dem Munde . Man erkennt die Eintretenden . Eine Magd , zu gleicher Zeit an zehn Fingern zehn Biergläser in der Schwebe haltend , blinzelt um den Weg zu weisen mit den Augen dahin , wo die hochgräfliche Jägerei sitzt , hinter einen Ofen von einer so pagodenhaften Dimension , daß Onkel Levinus über die gelegentliche Aeußerung studirt haben würde , zwischen den Oefen der witoborner Heide und den alten Bauten der Indier zu Dschaggernaut fände ein urweltlicher Zusammenhang statt . Und während nun hier mit dem Oberförster , mit dem Wild- und Hegemeister , mit dem Jagdzeugmeister und einem Unterförster des letzten Grafen von Dorste-Camphausen die Vorbereitungen verabredet wurden , die zu einer großen Vertilgungsjagd in einem von Thiebold de Jonge um 80000 Thaler gekauften Walde - seufzend hatte er draußen die mangelnde Floßgelegenheit am Mühlbach erwogen - gehören sollten , zu einer Jagd , die unter den scheinbaren Auspicien des nächsten Nachbars , Grafen Münnich auf Münnichhof gehalten werden sollte ; während die Zahl der Treiber , der Hunde , die Vorräthe des Jagdgeräths besprochen und von Benno mit lebhafter Orientirung die Schauplätze seiner geheimnisvollen Jugend unterschieden wurden , der Zehnterwald von der Birkenschonung , die Knüppelheide von der borkenhagener Saustiege - während dann auch noch der Finkenmüller , der Meyer , der Moorbauer ehrerbietigst in den Kreis eintraten , verfolgen wir einen Ankömmling , der langsam daherhumpelnd noch spät von Witoborn herüberkommt ... Es ist ein kleiner Mann , nicht unkräftig gebaut . Zwischen den Schultern trägt er die Last eines Buckels und unter den Armen , in ein Tuch gewickelt , einen länglichen Gegenstand , den man an einem hervorstehenden Fiedelbogen für eine Geige halten darf ... Der weiße beulenreiche Hut ist tief über den Kopf gestülpt , den ein Pflaster am Auge entstellt ... Ein grauer Mantel , angezogen wie ein Militärmantel , schützt den Wanderer auf seinem Wege , den er nur langsam fortsetzen kann , da er heute aus den Händen des Bruder Hubertus eine schlechtere Testamentszahlung vom Kronsyndikus bekommen hat , als ihm dieser in dem beim Pfarrer Huber in Witoborn niedergelegten letzten Willen zugedacht ... Es ist Stammer , der Geiger ... Alle wissen schon sein Unglück und jeder , der ihm begegnet , lacht seines Hinkens und seines Pflasters ... Besonders gram ist ihm dabei niemand ; Müllenhoff hatte schon Recht : Dies Volk hat zu lange die Milde des Krummstabs gefühlt und liebt Zechen und wildes Aufschlagen auf den Tisch und alle Sünden , die freilich dann so viele Wächter des Himmels , wie Witoborn einst zählte , auch wieder leichter vergeben konnten . Sie fehlen wol bei keiner Procession , sie werfen sich vor jedem Altar nieder , lassen sich jeden Besuch im witoborner Münster und jeden Kuß auf einen Reliquienschrein vom Küster schriftlich bescheinigen , um damit einst vor Gottes Thron oder bei einem Anliegen um freies Brennholz aus einem geistlichen Walde auftreten zu können ; aber nirgends wird auch noch soviel wildes Naturrecht geübt , nirgends soviel Holz schon von selbst gestohlen , nirgends soviel Wild im Mondlicht in die Büsche geworfen , mit Zweigen überdeckt und bei guter Gelegenheit harmlos von einem vorüberfahrenden Heuwagen abgeholt , nirgends wird dem damals nur langsamen Vorschreiten des Zollvereins und der nahen » Grenze « soviel Vortheil abgeschmuggelt für Kattun , Zucker , Kaffee , nirgends ein Hader mit dem Gutsherrn so listig geführt ... Stammer fiedelte ihnen in alles das seine lustigen Weisen hinein oder sprach sogar über die alte und die neue Zeit in offner Rede und setzte einen Refrain drauf , eine Strophe gesprochen und eine gespielt , bis der Gensdarm kam oder der Meyer oder der Finkenmüller und die Schwänke des bösen Alten verbot , dessen lästernder Mund schon einst ein halbes Kind , Lucinde damals , aus ihrem Pavillon verbannt hatte nach dem Tode des Deichgrafen . Mancher redet den Geiger an ... Er knirscht fast mit den Zähnen vor Wuth ... Mitleid wird ihm nicht ; Alle wissen ' s doch , boshaft ist er und Bruder Hubertus » der Abtödter « ist