alle verschlungenen Pfade , die an die große berühmte Terrasse führten , und auch die , welche erst die noch geöffneten Treibhäuser und einen kleinen See mit Schwänen , eine Volière mit anmuthigem Gevögel , das eine ausgestopfte Eule umschwirrte , eine andere Umzäunung sehen ließ , in welcher einige Rehe hausten , die mit ihren sanften weiblichen Augen durch die Gittersprossen lugten ... Man entschied sich dafür , den kürzesten Weg zu wählen . Nach einer der Anmuth des Gartens gespendeten Anerkennung und einigen Vergleichen , die Egon und Louis mit Versailles , besonders aber dem natürlicheren und parkähnlich gepflegten St.-Cloud zogen , kam das Gespräch auf den Hof , die Politik , den Geheimbund zurück und Egon ergriff die Gelegenheit , sich über seine künftige Stellung zu der Gesellschaft und zu diesem Staate selbst , in dem er einen so glänzenden Namen führte , auszusprechen . Dankmar ' s Verzweiflung an allem Gegebenen schien er , sich auf Louis im Gehen stützend und in dem gekieselten Sande seine noch etwas müden Füße nachziehend , nicht zu theilen . Ich werde nicht ganz zurückgezogen leben ! sagte Egon . Die große Sorge um meine ruinirten Besitzungen hat mir einstweilen ihr Pächter , dein amerikanischer Landwirth Ackermann , abgenommen . Ich will sehen , wie lange ich mich mit den Hoffnungen auf eine mögliche Wiederherstellung dieser traurigen Verwüstung beruhigen kann . Inzwischen soll mein Hauswesen vereinfacht werden . Es sind zu viel Menschen um mich . Wozu zwei Diener , die da hinter uns schleichen und aufpassen , daß doch Einer von uns ja sein Taschentuch verlieren möchte , nur um sich durch dessen geräuschvolles Aufheben nothwendig zu machen ? Wozu die vielen Frauen in meinem Hause ? Den alten Haushofmeister pensionirt man . Ich habe acht Pferde und kann mich mit vier begnügen . Mein Mittagstisch war heute überladen . In allen diesen Dingen hab ' ich die einfache Ordnung der Natur kennen gelernt und Louis wird mir beistehen , sie auch hier innerhalb der Grenzen , in denen ich nun einmal leben muß , einzuführen . Dann will ich suchen Bekanntschaften zu machen , die mir von Nutzen sein müssen , sonst vermeid ' ich sie , denn sie kosten nur Zeit . Und zuletzt - hab ' ich einen Lieblingsplan , den ich aus Paris mitbrachte ... Egon sah Louis an , der beifällig nickte . Die Andern hörten gespannt . Auch ich will einen Verein stiften , sagte Egon . Aber keinen geheimen , lieber Wildungen , und keinen , der sich auf das Wandelbarste im Menschen , auf die Gesinnung stützt . Ich denke an einen Verein zum wechselseitigen Schutze der Arbeit . Ich habe nicht umsonst mein Stemmeisen und den Hobel geführt . Ich kenne die Bedürfnisse der Arbeit , ich achte den Handwerker und fühle mit ihm . Es muß viel , viel geschehen , um ihn besser zu stellen , als dies bisher der Fall war . Aber höher noch , als der Arbeiter , steht mir die Arbeit selbst . Die wird nicht genug geehrt , die nicht heilig genug gesprochen . Und was anders kann uns von unserm Elend wahrhaft erlösen als die Arbeit ? Die Arbeit , bester Dankmar , die in ihre Rechte , in ihre Würde eingesetzt , und das hohle Treiben der Leidenschaften hört auf . Ich bin streng , ich habe die Theorie nicht der Menschenrechte , sondern der Menschenpflichten . Alles will mit der Geburt Ansprüche erworben haben auf ein Utopien von Glück und Freiheit . Niemand lehrt , daß uns die Geburt darauf anwies , das Recht , ein Mensch zu sein , durch die Arbeit zu verdienen . Ist diese Lehre erst allgemein , dann wird auch die Gelegenheit , die uns wurde , geboren zu werden , als eine Quelle des Glückes und der Freude erkannt werden . Freilich fühl ' ich , daß ich mit dieser Lehre allein stehen würde , wenn ich nicht versuchte , mit ihr in die großen Debatten unserer Zeit mit einzugreifen . Schriftliche Darstellung gelingt mir nicht , die mündliche müßte eine Tribüne haben . Ich glaube , daß ich , von einem Gegenstande gedrängt , ein Redner sein könnte . Ein übervolles Herz ist ja das erste Bedürfniß eines Redners , und ich glaube , ein solches übervolles , zum Sprechen drängendes Herz besitze ich - Die Tribüne ist da , sagte Dankmar , als Egon stockte . Laß ' dich in eine unserer deutschen Kammern wählen ! In die hiesige ! Daß ich noch mehr in der Welt Gegenstand des Spottes würde ? bemerkte Egon zögernd . Der Gegenstand des Spottes ? wiederholte Siegbert und begriff diese Zaghaftigkeit nicht . Die Welt kennt meine Geschichte , sagte Egon . Ich bin auf manche Bosheit gerüstet , die mir die Gesellschaft in den Weg legen wird . Siegbert lehnte eine solche Besorgniß gänzlich ab . Man kenne , sagte er , des Prinzen abenteuerlichen Lebenslauf und fände ihn allgemein so interessant , daß man ihn nur mit der größten Aufmerksamkeit begrüßen würde . O , sagte Egon , da haben Sie doch die exclusive Gesellschaft noch nicht weg . Ich habe ein Attentat gegen die Aristokratie der Geburt begangen . Schon längst nennt man mich vielleicht einen Communisten . Ich fühle vollkommen das Lächerliche , das meine Vergangenheit vor der Blasirtheit dieser Stände haben wird .... Nein , sagte Siegbert mit großer Wärme , Das muß ich unbedingt bestreiten . Ich bewege mich in dieser Sphäre und kann wohl sagen , die Zeiten haben sich auch hier gewaltig geändert . Es ist ein Drang auch im Adel entstanden , seine Nothwendigkeit durch ein ideelles Eingreifen in die Zeit zu beweisen . Er hat sich längst entschlossen , die Sprache der Zeit zu reden und die Besten im Adel stellen sich , unabhängig von den Thronen , zwischen Fürst und Volk als die Vertreter nicht blos des Dauer-Berechtigten , sondern des nothwendig umzugestaltenden Alten .