schon nachmittags um drei Uhr an Ort und Stelle befand , ohne daß die Berliner etwas davon ahnten . Nachmittags um zwei Uhr fing die Anordnung zur Feldbataille an . Es wurden zwei Schlachtordnungen formiert ; die erste hatte auf ihrem rechten Flügel die Bürger von Berlin , auf dem linken Flügel standen die Cöllnischen , zum Hinterhalt waren die übrigen Berliner aufgestellt . In der Mitte hielt der Kurfürst mit einem kleinen Teile seiner Trabanten ; auf der einen Seite hatten sie die Festung und den Graben , auf dem linken Flügel die Spree , hinter sich aber den Wald . Die Berlin-Cöllner nun , welche so gut postiert waren , glaubten schon den Sieg in den Händen zu haben und triumphierten laut , forderten dabei immer die Spandower auf , herauszukommen . Die Spandower hingegen erkannten ihre Schwäche und das Unvorteilhafte ihrer Lage , doch munterten sie sich einander auf und erwarteten nur die Zeit , von der sie glaubten , daß ihr angeordneter Hinterhalt angekommen sein könnte . Sie zogen nun getrost , in kleinere Haufen geteilt , dem Feinde entgegen und der Streit begann . Man hielt sich wacker hüben und drüben . Der Sieg schien nicht zu wissen , wohin er sich neigen solle . Dennoch würden die Spandower schließlich überwunden worden sein , wenn nicht Gottfried Schönicke mit seinen leichten Truppen angekommen wäre . Dieser kam plötzlich von der Haselhorst den Berlinern in den Rücken , der Hinterhalt derselben war bald in die Flucht geschlagen und nun ging es über die Hauptarmee los . Diese sah ihre Gefahr , hielt sich mit Erbitterung noch eine Weile , aber die » Staakenschen « unter Gottfried Schönicke gaben auch hier den Ausschlag und trieben endlich die vereinte Berlin-Cöllnische Armee in die Flucht . Der Streit war so heftig geworden , daß selbst das Pferd des Kurfürsten von einem Spieße getroffen wurde . Die Nacht brach herein und der Kurfürst ließ nun durch Herolde das Ende des Streites ausrufen . Dies war ein Glück ; die Erbitterung war groß und ohne diesen Abbruch des Gefechts würde Blut geflossen sein . Die Berliner zogen sich darauf durch den Wald , die Jungfernheide , nach Berlin zurück und die Spandower hatten die Freude , daß ihnen der Kurfürst sagte : Kinder , ihr habt euch brav geschlagen ! Das Belvedere im Schloßgarten zu Charlottenburg Das Belvedere im Schloßgarten zu Charlottenburg Verschlossene Fenster , Nichts ein noch aus , Nur Spinnen und Gespenster Sind hier zu Haus . Es regnet . Auf den Plüschbänken des Charlottenburger Omnibus sitzt ein halbes Dutzend fröstelnde Gestalten , gleichgültig oder verstimmt , jeder einen abtröpfelnden Alpakka in Händen . Keiner spricht . Ein Dunst , wie wenn Wäsche trocknet , nebelt um uns her , und ein Kautschukmantel neben mir ist nicht angetan , die klimatischen Verhältnisse zu bessern . Es regnet , und am Ende mit Recht . Schreiben wir doch den 19. November ! Wer mag da Sonnenschein fordern , wenn es ihn lüstet , den Charlottenburger Schloßgarten zu besuchen . Was von den Menschen gilt , gilt auch von den Tagen ; man muß sie nehmen , wie sie sind . Das ist das » Knie « . Seine Rundung ist heute völlig reizlos . Das » türkische Zelt « sieht noch untürkischer aus als gewöhnlich , und bei Morellis hocken drei Sperlinge auf dem schräg gestellten Gartentisch , ziehen die Köpfe ein und schütteln die Federn . Nur die grüne Kuppel des Schlosses hat gewonnen ; sie sieht blau aus , frischer als sonst . An den leeren Gewehrpfosten vorüber , tret ' ich an das halboffene Parkgitter ; der Türhüter schüttelt den Kopf . An solchem Tage Besuch ! Er scheint die Frage ergründen zu wollen , ob ich Untat gegen mich oder gegen andere sinne . Ein Unglücklicher oder ... » Ich möchte nach dem Belvedere . Erst durch die Orangerie , dann grad ' aus ; nicht wahr ? « So Lokalkenntnis und Unbefangenheit heuchelnd , schreite ich an dem Bediensteten vorüber , der sich schließlich , seinem Mienenspiele nach , damit beruhigt : Freitag ist Besuchstag . Asternbeete , Balsaminen ; dann vorüber an den Kübeln des Gewächshauses ; noch ein Fliesengang und die Breite des eigentlichen Parkes liegt vor mir . An der Rückseite des einen Schloßflügels hin stehen die Büsten römischer Kaiser , Nero , Titus , Trajan ; mir zunächst Tiberius . An seiner Nase hängt ein Regentropfen , fällt ab und erneut sich wieder . Es sieht so gemütlich , so einfach-menschlich aus , daß man glauben könnte , seine » Wiederhersteller « hätten recht . Weithin sichtbar laufen die Gänge des Schloßgartens bis zum Flusse nieder , parallel mit ihnen ein Wasserbecken , halb Graben , halb Teich . Die Alleen sind kahl . Nur einzelne Bäume , die windgeschützter standen , halten noch das je nach der Art in allen Herbstesfarben spielende Laub fest ; die Eiche goldbraun , die Birke orangefarben , der Ahorn gelb ; aber die meisten Blätter fielen ab und liegen an tieferen Stellen zusammengeweht , oder schwimmen auf dem Wasser , das uns bis in die Mitte des Parks begleitet . Hier biegt das Wasser ( der Teichgraben ) plötzlich rechtwinklig ab und durchschneidet den Weg . Eine Brücke führt darüber hin und unterhält den Verkehr zwischen den beiden Ufern . Diesseits stand ein Alter und harkte das Laub zusammen . » Ist dies die Brücke mit der Klingel ? « » Ja . Aber es kommt keiner mehr . « » Ich weiß , Papa . Die alten Moosköpfe sind tot . « Er nickte und harkte weiter . In der Tat befand ich mich an der vielgenannten » Klingelbrücke « , einer ehemaligen Besuchsstation des Gartens , die viele Jahre hindurch neben dem Mausoleum ihren Platz behauptet hatte . Der ernsten Erhebung gab man hier ein heitres Nachspiel . Alles drängte herzu ; wurde dann die Klingel gezogen , so erschienen langsam und