Lag es an ihrer eigenthümlichen Schwankung zwischen den Bewerbungen Benno ' s und Thiebold ' s ? ... Sie regte schon seit lange jeden Abend die Phantasie ihrer Freundin auf . Auch heute durch Klagen über des Domherrn Ausbleiben ... über Thiebold ' s Fragen , die sie andeutete ... über Benno , » der sich so sicher dünkte « ... und endlich stockte sie ... Paula fragte befremdet : Du hast heute etwas - ? ! O könntest du doch für mich in die Zukunft sehen ! rief Armgart wie aus tiefster Seele heraus ... Laß das ! Laß das ! erwiderte Paula schmerzerfüllt . Armgart hob ihre Augen bittend auf ... Das Weiße darin blitzte wie Email , wie feuchtes Silber ... Paula wandte sich , als unterläge sie schon diesem Glanz und Schimmer und Armgart ' s Bitten ... Laß uns beten ! sagte sie ... beten gegen Versuchung ! Paula ! - hauchte Armgart . Morgen mußt du mir sagen - ich frage dich - Nimmermehr ! rief Paula . Ich verbiete dir alles ! ... Und wie wild erregt von einer Furcht , die sie plötzlich in allen ihren Geistern vor sich selbst ergriff , fuhr Paula fort : Ihr seid so grausam gegen mich ! Ihr tödtet mich noch ! Paula ! bat Armgart ... Ich kann ja so nicht fortleben ! sprach Paula zitternd vor Aufregung . Laßt mich doch sein , wie ihr alle seid ! Jesus Maria ! Es sprengt mir noch das Herz ! Geht das so fort , muß ich wünschen , jenes Mädchen kehrt zurück , das allein gehindert hat , daß ich im Traume sprach ! Wenn sie kam , wich jede Kraft von mir ! Ich will ja nur sein , wie alle andern Menschen sind ... Armgart wußte , daß Lucinde gemeint war , jene Lucinde , in deren unmittelbarer Nähe Paula mit der Zeit ganz von ihrer Ekstase zurückkam , doch mit großem damit verbundenen physischen Schmerz , den auch Armgart damals an der Maximinuskapelle selbst empfunden haben wollte , als sie Lucinden nach den Beschreibungen Paula ' s sofort erkannte ... Beide Mädchen standen lange schweigend und in Wehmuth verloren ... Ob sich ihnen wol vergegenwärtigte , daß Paula genesen konnte , wie alle Aerzte sagten , durch - die Liebe ? Ob sie wol ahnten , daß Bonaventura auch da von sich sagte , was er , zwischen Lucinde und Paula in der Mitte der Versuchungen stehend , am Abend jener Beichte verzweifelnd ausrief : Ein Priester bist du ! Ein Mensch ohne Leben ! Ohne männliches Zeugniß für deinen Schöpfer ! ... Das alles lag nur dunkel in ihnen . In allen jungen Mädchenherzen , ehe das Los über sie geworfen ist , zittert nur ein schmerzlichsüßes Ahnen von ihrem zukünftigen Geschick . Bald leiser , bald stürmischer meldet sich die Sehnsucht , die Pforte der Zukunft geöffnet zu sehen . Oft ist es wol plötzlich ein jugendlichschöner Gott , der aus düsterm Nebel heraus , wildfremd , wie das herrlichste Ebenbild der Mannesschöne , mit riesiger Umarmung die Harrende umfängt ; oft liegt aber auch nur ein ödes , trauervolles Einerlei auf ihrem unbestimmten Innern und alles , was ihr wird und was sie beginnt , ist ihr wie Ohnmacht und todte Dämmerung . Da rief der Wächter wieder die Stunde ... Schlaf wohl ! hauchte Paula und drückte Armgart an ihr Herz ... Armgart wollte anfangs gehen ... Aber , zur Thür des Vorgemachs angekommen , blieb sie stehen , fuhr sich mit der Hand über die Stirn und rief : Paula ! Paula ! Was hast du ? sprach diese , sie wieder näherziehend ... Ein » Du mußt - mir - ! « preßte sich von Armgart ' s Brust ... Ich begreife dich nicht - Was muß ich ? Armgart zog einen Brief aus der Brust und sagte : Paula ! Diesen Brief - an Terschka - den hab ' ich aus der Mappe - zurückbehalten ... Ich gebe ihn nicht eher ab , als bis du ihn gelesen hast ! Armgart ! rief Paula und zitterte ... Sie ergriff vorwurfsvollen Blicks den aus der Residenz des Kirchenfürsten gekommenen Brief und fragte : Von wem ist er ? Von meiner Mutter ! ... Was hat Terschka - mit meiner Mutter ! Sie lieben sich ! Paula , Paula ! Das ist mein Tod ! Armgart ! sagte Paula beruhigend ... Nur Ein Ziel meines Lebens hab ' ich ! fuhr Armgart in zitternder Erregung fort . Meine Aeltern auszusöhnen ! Sonst will ich nichts ! Wüßtest du nur , wie ich neulich in Witoborn war ! Ich war bei Hedemann ! Ich ließ mir eine Stunde lang vom Vater erzählen ! Ich lieb ' ihn mehr , als meine Mutter - nein , ich liebe auch meine Mutter - mein Gelübde hat der Himmel und ich will es vollziehen und wär ' s durch meinen Tod ... Armgart faltete die Hände und hielt sie empor zu einem Crucifix , das an der Wand hing ... Warum soll - aber Terschka nur - nicht deiner Mutter schreiben und sie - an ihn ? fragte Paula , entsetzt über den fanatischen Ausdruck der Gefühle Armgart ' s ... Wie , entgegnete Armgart ; dieser lebhafte Briefwechsel ? Diese Begeisterung , wenn er von ihr spricht ? Neulich seine schnelle Reise , um die Gräfin zu begrüßen ? Nur ein Vorwand war es , um die Mutter zu sehen ! O , schon im Hüneneck sah ich an der Eile , mit der er die Zimmer bestellte , wie er sie liebt ! Und sie , sie - sie könnte - ! Dieser Brief ist von ihr - Paula , du , du sollst ihn lesen ! Paula verwies Armgart ihr Ansinnen mit Unwillen ; denn sie wußte wol , was Armgart meinte ... Sie wußte , daß der Brief nicht erbrochen zu werden brauchte ; sie wußte ,