von Caraiskakis und Geurgios mit den verschworenen Griechen das Haus verlassen hatte , das ihnen zum Hauptschlupfwinkel diente , weil es ziemlich unbemerkt lag mitten in dem Griechenquartier und mehrere Ausgänge hatte . Da alle Hände gebraucht wurden für die Ausführung ihrer Beschlüsse , blieb die Bewachung des Hauses und des Sclaven Nursah einem alten Griechen überlassen . Doch Nursah hatte sich müde geweint , er lag auf den Matten und schlief . Caraiskakis selbst hatte die Thür des Gemaches von Außen verschlossen . Aber kaum war eine Viertelstunde vergangen und kein Geräusch mehr im Hause zu hören , so richtete der schwarze Knabe sich von seinem Lager empor , schlich auf den Zehen an die Thür und die Jalousieen und horchte hinaus . Da Alles ruhig blieb , öffnete er behend und leise die Letzteren und blickte hinaus . Das Gemach lag eine Treppe hoch und das Fenster war von einem Vorsprung des Hauses beschattet . Mit der Schnelligkeit einer Katze hatte Nursah die leichten Decken , die sein Lager bildeten , zerrissen und aneinander geknüpft und befestigte sie an den Jalousieen . Dann ließ er sich an ihnen hinab gleiten und gelangte glücklich in Hof und Garten , dessen Mauer er überstieg . In dem Gäßchen angelangt , das die Mauer begränzte , blieb er einige Augenblicke stehen , um einen Entschluß zu fassen . Er wußte , daß Eile Noth that , wollte er seinen Herrn retten , denn er hatte bei der Rückkehr der beiden Caraiskakis an der Thür gelauscht und , obschon er das Neugriechische nur sehr mangelhaft verstand , doch erfahren , daß Jener zum Tode verurtheilt war und am nächsten Morgen erschossen werden sollte . Ebenso wußte er , daß Gregor einen Versuch zu seiner Rettung machen wollte , indem er die Magazine in Brand setzte . Schon als nach der Verhaftung des Arztes der junge Mohr zu dem Freunde seines Herrn geflohen war , hatte er ganz bestimmt erklärt , daß er sich lieber selbst opfern und ein offenes Geständniß über die Art und Weise , wie er in Silistria den Spion gemacht , ablegen wollte , ehe er seinen Herrn in Gefahr ließe . Caraiskakis hatte ihn zwar durch die Versicherung beruhigt , daß eine solche nicht vorliege und der Arzt höchstens eine kurze Haft zu bestehen habe , da ihm Nichts erwiesen werden könne , aber er hatte es doch seitdem für nöthig gehalten , den Knaben nicht mehr aus dem Hause und auch dort unter Aufsicht zu lassen . Das erregte Mißtrauen hatte den Mohren jedoch wachsam gemacht und einige Worte des Bruders beim Abschied hatten seine Aufmerksamkeit erhöht . So gelang es ihm , die Wahrheit zu entdecken . Im Augenblick stand auch sein Entschluß fest , daß er sich nicht auf die Mittel der Griechen verlassen könne , sondern koste es sein Leben , selbst Alles aufbieten wollte , den Herrn , den er mit einer seltsamen Hingebung liebte , zu befreien , zu retten . Jetzt stand er , um diesen Entschluß auszuführen , von seinen Hütern befreit , in der Straße , aber zugleich auch fiel die Schwierigkeit seines Unternehmens ihm auf die Seele . Er wußte , daß nur wenige Stunden noch zwischen jetzt und dem Tode lagen , und kannte nicht ein Mal die Namen der Richter seines Herrn , an die er sich zu wenden hatte . Ebenso fiel ihm die Unmöglichkeit bei , jetzt in der Nacht bis zu einem der Befehlshaber zu gelangen , wenn dies für den armen schwarzen Knaben überhaupt möglich war . Er gedachte , wie wenig man sich überhaupt um ein Menschenleben kümmerte . Der Name des Capitains fiel ihm bei , der ihr Reisegefährte gewesen auf dem Wege durch den Balkan nach Silistria . Er war ein gutmüthiger lustiger Mann und hatte oft mit dem jungen Mohren launig geradebrecht . Aber wo ihn finden unter den Tausenden ? - war er überhaupt noch in Silistria ? - wie ihn suchen , da er nicht einmal der fremden Sprachen dieser Krieger mächtig war ? Er war hastig immer vorwärts geschritten und so in die belebteren Stadttheile gekommen , wo die Schenkhäuser und Restaurants noch immer geöffnet waren und Ab- und Zugehenden Erholung von den Beschwerden und dem Lärmen des Tages boten . Trostlos sah der Knabe sich um und dann hinauf zu den Sternen . Er wußte ein großes Geheimniß , das vielleicht Hunderten das Leben retten konnte und wollte es verkaufen für das eines Einzigen , aber wem konnte er es bieten ? Der Himmel selbst schien ihm Antwort zu geben auf sein Flehen . Indem er an dem Tschardak des » Restaurant des officiers « vorüberschlich , hörte er eine bekannte Stimme - - ein Mann mit einem Diener , der ein Pack trug , kam die Stufen herunter , er hörte , wie er diesem den Auftrag gab , die Packete nach her Karawanserai zu tragen und die Maulthiere fertig zu halten für den Aufbruch mit dem ersten Sonnenstrahl . Der Mann war Paswan , der Kiradschia . Mit einem Freudenrufe sprang der Knabe auf ihn zu - er verstand seine und der Fremden Sprache , er konnte helfen . Nursah faßte seine Hand , seine Worte überstürzten sich anfangs so , daß der Händler ihn nicht zu verstehen vermochte , bis er ihn in den Lichtstrahl aus einem der offenen Fenster zog und erkannte . » Armer Bursche , « sagte er mitleidig , » das traurige Schicksal Deines Herrn hat Dich wahrscheinlich auf die Straße geworfen und ohne Nahrung und Obdach gelassen . Du kannst mich begleiten , bis sich etwas Besseres für Dich finden wird . Heute Abend noch hörte ich vom Capitain Depuis , dem Franken , daß er morgen erschossen wird . « » Der Capitano ? - Wo ist er ? - wo verließest Du ihn ? « » Vor wenig Augenblicken dort im Kaffeehause . So lustig er sonst ist , so sehr geht ihm das