ist siebzehn . Alexander von Humboldt : Zwei große Ölbilder von Steuben und einem Ungenannten , vielleicht Wach oder Krüger ; eine Porträtbüste von Rauch ; ein Reliefporträt von Friedrich Tieck . Wilhelm von Humboldt : Eine Büste von Thorwaldsen ; ein Relief von Martin Klauer in Rom ; ein Kreideporträt von Franz Krüger . Frau von Humboldt : Ein Ölporträt von Schick ; eine Marmorbüste von Thorwaldsen , ein Kreideporträt von Wilhelm Wach . Karoline von Humboldt : Ölbild von Schick . Adelheid von Humboldt : Ölbild von Schick ; Marmorstatue ( als Psyche ) von Rauch . Gabriele von Humboldt : Ölbild von Schick . Gustav und Luise von Humboldt : Zwei Büsten von Rauch . Therese von Bülow : Büste von Rauch . Außer den fünf Zimmern , die alle diese Kunstschätze von Meisterhand enthalten , befinden sich im obern Stockwerk noch einige andere Räume , die nicht eigentlich zu den Sehenswürdigkeiten des Schlosses gehören , aber , unter dem Einfluß des Kontrastes , bei jedem , der zu ihrem Besuch zugelassen wird , ein lebhaftes Interesse wecken werden . Hier in den Zimmern , die nach außen hin nichts zu bedeuten , nichts zu repräsentieren haben , hängen die ersten Anfänge kurbrandenburgischer Malerkunst , wie ebensoviele grob getuschte Bilderbogen an Wand und Pfeiler , und zwingen selbst dem preußenstolzesten Herzen ein mitleidiges Lächeln ab . Sinn und Seele noch tief erfüllt vom Anblick idealer Schönheit , die in hundert Gestalten , und doch immer als dieselbe eine , eben erst zu uns sprach , werden wir , angesichts dieser blauroten Soldateska , irre an allem , was uns bis dahin als Aufgabe einer neuen Zeit , als Ziel einer neuen Richtung gegolten hat , und verlegen treten wir seitwärts , um des Anblicks von Dreimaster und Bortenrock nach Möglichkeit überhoben zu sein . Mit Unrecht . Nicht die Richtung ist es , die uns verdrießt , nur das niedrige Kunstmaß innerhalb derselben . Ein Modell der Rauchschen Friedrichsstatue , eine Menzelsche Hochkirchschlacht würden uns auch vielleicht frappiert , aber doch noch im Augenblicke der Überraschung , durch ihren Eindruck auf unser Gemüt , uns ihre Ebenbürtigkeit bewiesen haben . Wir verlassen nun das Haus und seine bildgeschmückten Zimmerreihen , um der vielleicht eigentümlichsten und fesselndsten Stätte dieser an Besonderem und Abweichendem so reichen Besitzung zuzuschreiten – der Begräbnisstätte . Der Geschmack der Humboldtschen Familie , vielleicht auch ein höheres noch als das , hat es verschmäht , in langen Reihen eichener Särge den Tod gleichsam überdauern und die Asche der Erde vorenthalten zu wollen . Des Fortlebens im Geiste sicher , durfte ihr Wahlspruch sein » Erde zur Erde « . Kein Mausoleum , keine Kirchenkrypta nimmt hier die irdischen Überreste auf ; ein Hain von Edeltannen friedigt die Begräbnisstätte ein und in märkisch-tegelschem Sande ruhen die Mitglieder einer Familie , die , wie kaum eine zweite , diesen Sand zu Ruhm und Ansehen gebracht hat . Zwei Wege führen vom Schloß aus zu diesem inmitten eines Hügelabhangs gelegenen Friedhof hin . Wir wählen die Lindenallee , die geradlinig durch den Park läuft und zuletzt in leiser Biegung zum Tannenwäldchen hinansteigt . Unmerklich haben uns die Bäume des Weges bergan geführt , und ehe uns noch die Frage gekommen , ob und wo wir den Friedhof finden werden , stehen wir bereits inmitten seiner Einfriedigung , von dicht und wandartig sich erhebenden Tannen nach allen vier Seiten hin überragt . Das Ganze berührt uns mit jenem stillen Zauber , den wir empfinden , wenn wir plötzlich aus dem Dunkel des Waldes auf eine Waldwiese treten , über die abwechselnd die Schatten und Lichter des Himmels ziehen . Die Bergwand , die den Platz gegen Norden und Osten hin umlehnt , schützt ihn gegen den Wind und schafft eine selten unterbrochene Stille . Die Form des Ganzen ist ein Oblong , etwa dreißig bis vierzig Schritte lang und halb so breit . Der ganze Raum teilt sich in zwei Hälften , in eine Gartenanlage und in den eigentlichen Friedhof . Dieser besteht aus einem eingegitterten Viereck , an dessen äußerstem Ende sich eine dreißig Fuß hohe Granitsäule auf Quaderstufen erhebt . Von dem ionischen Kapitäl der Säule blickt die Marmorstatue der » Hoffnung « auf die Gräber herab . Blumenbeete schließen das Eisengitter ein . Die Zahl der Gräber , wenn ich richtig gezählt , beläuft sich auf zwölf , und wenig Raum ist gelassen für neu hinzukommende . Die Grabsteine , die sich der Säule zunächst befinden , darunter die Wilhelms von Humboldt , seiner Gemahlin und der ältesten Tochter Karoline , haben keine Inschriften , sondern Name , Geburts- und Todesjahr der Heimgegangenen sind in die Quadern des Postaments eingegraben . Die mehr am andern Ende des Gitters gelegenen Hügel aber weisen kleine Marmortäfelchen auf , die einfach den Namen und die Daten tragen und in ihrer Schlichtheit an die Stäbchen erinnern , die der Gärtner dort in die Erde steckt , wo er um die Herbstzeit ein Samenkorn für den Frühling eingelegt hat . Alle Gräber sind mit Efeu dicht überwachsen ; nur eines , der Gittertür und dem Beschauer zunächst , entbehrt noch des frischen , dunkelgrünen Kleides . Fahl gewordene Tannenreiser bedecken die Stätte , aber auf den Reisern liegen Lorbeer- und Eichenkränze und verraten leicht , wer unter ihnen schläft . Wenn ich den Eindruck bezeichnen soll , mit dem ich von dieser Begräbnisstätte schied , so war es der , einer entschiedenen Vornehmheit begegnet zu sein . Ein Lächeln spricht aus allem und das resignierte Bekenntnis : wir wissen nicht , was kommen wird , und müssen ' s – erwarten . Deutungsreich blickt die Gestalt der Hoffnung auf die Gräber hernieder . Im Herzen dessen , der diesen Friedhof schuf , war eine unbestimmte Hoffnung lebendig , aber kein bestimmter siegesgewisser Glaube . Ein Geist der Liebe und Humanität schwebt über dem Ganzen , aber nirgends eine Hindeutung auf das Kreuz , nirgends der Ausdruck eines unerschütterlichen Vertrauens .