Liebe einen Jagdrock von grünem Sammet angezogen , den er auf mancher Jagd in Saint Germain getragen . Er sah ungemein gut in demselben aus , und Hildegard , die , in ihren großen Shawl gehüllt , ein kleines Tuch vorsichtig um das Haupt gebunden , oben in ihrem Zimmer an dem geöffneten Fenster stand , bemerkte das mit Vergnügen . Aber auch Cäcilie sah es . Denn als er diese an ihr Pferd geleitet hatte und ihr seine Hand hinhielt , damit sie aufsteigen und er sie in den Sattel schwingen könne , rief sie Hildegarden die fröhliche Frage zu , ob Renatus nicht sehr schön aussähe oder ob jemals eine Königin einen schöneren Pagen gehabt habe , als sie . Valerio , der bereits auf seinem kleinen Schimmel saß , hatte auch diese Frage kaum vernommen , als er aus voller Brust einige von den Strophen zu singen begann , die Beaumarchais in seinem » Figaro « dem Pagen in den Mund gelegt hat und welche , auf die Marlborough-Melodie übertragen , mit den französischen Heeren durch ganz Europa gewandert waren . Valerio sang mit seiner schönen Knabenstimme : Beau page ! dit la reine , ( Que mon coeur , mon coeur a de peine ! ) Qui vous met à la gêne ? Qui vous fait tant pleurer ? Qui vous fait tant pleurer ? Nous faut le déclarer . Madame et souveraine , Que mon coeur , mon coeur a de peine ! J ' avais une marraine , Que toujours adorai ! Er wiederholte den letzten Vers zu verschiedenen Malen , warf Cäcilien , mit welcher er auf dem besten Fuße stand , einen Kuß zu und sprengte singend davon . Inzwischen war Renatus ebenfalls aufgestiegen . Er lenkte seinen Goldfuchs nach der linken Seite der Reiterin , leitete ihr Pferd vorsichtig die etwas glatte Rampe hinunter , und während er unwillkürlich das » Que toujours adorai ! « des Knaben nachsang , grüßten er und Cäcilie noch einmal nach dem Schlosse hinauf , ehe sie Valerio folgten , der den Hof bereits verlassen hatte und lustig in das Freie hinausgeritten war . Hildegard sah ihnen lange nach . Sie vergaß es , daß die Mutter sie gewarnt hatte , sich eben heute , da sie nicht ganz wohl war , der Luft am geöffneten Fenster auszusetzen , die ihr nachtheilig werden konnte . Das fröhliche Singen des Knaben hatte sie traurig gemacht . Wie die Phantasie des jungen Freiherrn sich an den letzten Vers geheftet , hatte ihre Seele sich der immer wiederkehrenden Worte : » Que mon coeur , mon coeur a de peine ! « bemächtigt , und sie wußte sich nicht zu sagen , was ihr eben heute so große Betrübniß , so großen Kummer verursachte . Es zog ihr so schmerzlich am Herzen , es regte sich ein Gedanke in ihr , der ihr früher nicht gekommen war . Sonst hatte das Frühjahr sie erheitert , dieses Mal machte sein Herannahen sie wehmüthig . Was war denn geschehen ? Was war denn anders geworden , seit im vorigen Jahre die Sonne den Schnee hinweggeschmolzen und die Lerchen eben so gesungen hatten ? Damals war ihre Seele verwirrt gewesen durch ihre Eifersucht auf die Gräfin Eleonore ; damals hatte sie sich nach dem Bräutigam gesehnt und mit banger Zärtlichkeit die Tage und die Stunden gezählt , die bis zu seiner Heimkehr noch vergehen mußten . Jetzt war Renatus da , sie sah , sie sprach ihn täglich , sie hatte ihm das Geständniß abgenommen , daß er die Gräfin Haughton trotz ihrer verführerischen Reize nie geliebt , ja , daß er ihre Hand , die sie ihm in selbstgewissem Freimuthe angeboten , zurückgewiesen habe , und doch konnte Hildegard sich ' s nicht verbergen , daß sie in den Tagen jenes bangen und doch so zuversichtlichen Sehnens glücklicher als jetzt gewesen sei . Sie beneidete Cäcilie um ihre unausgesetzte gute Laune , um ihre gedankenlose Fröhlichkeit . Sie beneidete Renatus , der sich mit Valerio und ihrer Schwester , von dem Augenblicke ganz hingenommen , an dem bloßen Sonnenscheine erfreuen konnte . Ihr war das nicht gegeben . Der frühe Tod ihres Vaters , dessen sie sich mit allen Nebenumständen klar erinnerte , die mannigfachen Sorgen , die sie mit ihrer Mutter zeitig schon getheilt hatte , ihre heimliche Verlobung und endlich alle die Erfahrungen , welche sie während der Kriegsjahre hatte machen müssen , hatten ihr den glücklichen Leichtsinn der Jugend geraubt . Ihr Sinn war von jeher ernster als der ihres Bräutigams gewesen , und wie lieb sie ihn hatte , er kam ihr immer noch nicht fertig vor . Sie erschien , sie fühlte sich reifer als er , ihm überlegen . Als sie das einmal in einer vertraulichen Unterredung gegen den Grafen Gerhard ausgesprochen , hatte dieser ihr lächelnd erwiedert , sie könne eben nichts für ihre Berka ' sche Abstammung . Den Berka lägen die Verständigkeit und die Energie so gewiß im Blute , wie den Arten der Leichtsinn und der Wankelmuth , und sie sei eben deßhalb wie ausersehen , mit ihren großen Eigenschaften den Schwächen seines Neffen zu Hülfe zu kommen . Ihr werde naturgemäß die Herrschaft im Hause und in der Ehe zufallen , und sie solle bei Zeiten darauf denken , sich des Einflusses zu bemächtigen , welchen sie auf einen Charakter wie den ihres Bräutigams , zu dessen eigenem Heile , nothwendig erlangen müsse . Sie war sich bewußt , diesen Rathschlägen mit all ihrer Kraft gefolgt zu sein , aber sie erntete davon die Früchte nicht , die sie erhofft hatte . Renatus , wie leichtgesinnt er sich auch gab , hatte das feinste Gefühl für jede ihrer Absichten und war nichts weniger als gewillt , ihr irgend einen Einfluß auf seine Maßnahmen und Entschließungen einzuräumen . Sie hatte es nach den ersten vierzehn Tagen völlig aufgeben müssen , seiner Geschäftsverhältnisse gegen ihn zu erwähnen . Spottend und dann