doch die Geschichte , vorzugsweise die der alten Hindus , ihm entschiedene Tendenzen zum römischen Glauben verrieth . Oft schon hatte er mit dem Bruder Hubertus über den Glauben der Chinesen gesprochen und sah überall die Anknüpfungspunkte der Missionäre verfehlt . Er konnte oft auf einige Monate ganz die Chemie , leider auch die Oekonomie vergessen , nur um die Dreieinigkeit nicht in den Glauben des Confucius hineinzutragen , sondern sie » ganz evident « aus ihm heraus zu entwickeln . Eine Reise nach Aethiopien , zunächst um daselbst dem wirklichen Vorhandensein des bekanntlich nur im englischen Wappen und in der Bibel vorkommenden fabelhaften Einhorns nachzuforschen , dann aber auch um sich über alles zu orientiren , was mit dem Cultus der » schwarzen Madonna « bis zum Völkervater Ham zurück zusammenhing , wäre ihm schon bei geringerer Liebe zur Bequemlichkeit eine seiner bedeutendsten Lebensaufgaben gewesen ... Den Ghibellinen gegenüber sagte auch er , wie hier alle : » Religion muß apart sein ! « d.h. in keine Verbindung und Abhängigkeit mit der sonst verbürgten politischen Loyalität treten . Der Erörterungen über das Neueste in diesen Streitigkeiten gab es genug ... Terschka schwieg dazu ... Er sah in seine Briefe , die zahlreich waren ... Einen schien er darunter zu vermissen . Er betrachtete die Poststempel und fragte : Ist das die ganze heutige Post ? Armgart fiel ihm in die Rede und begann mit einer plötzlich aufleuchtenden , für die Stimmung des kleinen Kreises fast unpassenden Lebendigkeit und jetzt auch zu Benno gewandt , dessen schmerzlich fragende Blicke sie anfangs gemieden hatte : Wann soll die Jagd sein ? Ich gehe mit ! Nicht auf Münnichhof zu den Transparenten , nein ! Ich schieße mit den Männern um die Wette ! Lassen Sie mir den Pancraz als Leibschütz , Herr von Asselyn ! Armgart ! lautete der einstimmige Verweis aus des Onkels , der Tante und Paula ' s Munde ... Alle blickten dabei von ihren Briefen und Zeitungen auf ... Warum denn nicht ? fuhr Armgart mit glühendem Antlitz fort . Kann ich nicht schießen ? Ich hab ' s vom Heydebreck gelernt ! Soetbeer und Pancraz können bezeugen , daß ich vor Weihnachten auf dem Wege zum Stift im Niederholz ihnen begegnete , dem Pancraz die Flinte aus der Hand nahm und einen Hasen traf , der unfehlbar mir über den Weg gelaufen wäre ! Ich wollte kein Unglück haben ... Die Männer mußten auflachen über diese eigene Art , dem Schicksal seine bösen Vorbedeutungen mit Gewalt zu vereiteln ... Die Tante sah nur kurz vom Brief einer guten Freundin auf und bemerkte : Deshalb entdeck ' ich auch in deinem Zimmer immer die meisten Spinngewebe ! Du denkst , Spinnen bon espoir . Ich aber denke , jedes Unglück , das sich nur durch Wildheit und Unordentlichkeit abwenden läßt , muß man getrost ertragen ! Auch dieses Streiflicht auf Armgart ' s nicht eben besonders pünktliche Natur blieb nicht ohne ein Lächeln der Männer . Nur , daß sie hätten hinzufügen mögen : Aber laß uns doch über dich lachen , du süßer Narr ! Gerade dein Koboldsgeist ist ' s ja , der andern so himmlischer Abkunft erscheint ! Rumore , wie du willst , verschleppe Bücher und Nähtereien und Federn und Dintenfässer ; gerade darin liegt uns ja dein bestrickender Reiz ! ... Armgart faßte jedoch dies Lächeln nicht so . Düster blinzelte sie die Reihe herum und musterte , wer sich zu lachen erlaubt hätte ... Vorwurfsvoll blickte sie besonders auf Thiebold , dem sie sogar laut sagte : Das amusirt Sie wol ? ... Benno ' s Blick hielt sie nicht aus ... An Terschka huschte ihr Auge noch scheuer vorüber ... Benno sah das ganze seit Wochen so befremdliche Wesen und staunte ... Inzwischen sprach die Tante von den Ombres chinoises und jetzt mit der größten Schonung . Sie rühmte die Philosopheme Püttmeyer ' s ebenso , wie sie sie heute früh verworfen hatte ... Sie kam darauf durch ihre Lectüre ... Ich lese da eben einen Brief von der guten Angelika Müller aus Paris ! schaltete sie ein . Was ist die in neuen Verhältnissen ! ... Die Fulds sehen die Minister und die berühmtesten Namen bei sich ... Ei , Herr von Terschka , Madame Fuld läßt sich Ihnen empfehlen ... Und ob Sie nicht im nächsten Sommer wieder auf ihrer Villa erschienen ? ... Die neue Erweiterung des Gartens , des Pavillons , würde ganz nach Ihren Ideen gebaut werden , schreibt Angelika ... Und wann Sie denn nach Wien reisten ? ließe Madame Fuld fragen ... Ei , ei , Herr von Terschka , welches Interesse von einer so jungen und gewiß höchst liebenswürdigen Frau ! Armgart fixirte Terschka aufs lebhafteste , als er dies Lob der Frau Bettina Fuld bestätigte ... Paula mußte ihre Hand auf Armgart ' s Scheitel legen , wie gleichsam um ihre stürmenden Gedanken zu beruhigen ... Jede Lücke des nicht im wohlthuenden Zusammenhange bleibenden Gesprächs gehörte natürlich wieder Thiebold ... Mit seiner immer lebendigen Theilnahme , mit seiner Empfänglichkeit für alles und jedes füllte er sie ... Die Tante überhäufte ihn mit Thee , Zwieback , kalten Fleischspeisen und einem » Herr von Jonge « nach dem andern . Er war eben der Liebling ihres Herzens . Als endlich die Rede fiel , daß die Männer wirklich noch auf den Finkenhof gehen und mit dem gräflichen Jagdpersonal die versprochene Rücksprache nehmen wollten , und Benno und Thiebold erklärten , sie würden von dort auf einem kürzern Wege zu Fuß nach Witoborn zurückkehren , protestirte die Tante mit Beseitigung aller ihrer noch unbeendigten Lectüre entschieden und behauptete , eine solche Gefahr vor Schneeverwehungen nimmermehr zuzugeben ... Die jungen Männer versicherten , daß der Schnee fröre und ihnen diese Wanderung den größten Genuß gewähren , ja Bedürfniß sein würde . Auf die immer und immer wiederholten Einwendungen der Tante wurde zuletzt Armgart ausfallend und fand es sonderbar , Männern ihren Willen zu nehmen