das Lächeln gleich zu Eis gefriert ? Kannst Du mit Freuden in solchen Armen ruhen ? Nein , dieses Mädchen ist zur Gattin , zur Mutter nicht geschaffen ! Ich müßte irre werden an Gott und an der Natur , wenn diesem selbstsüchtigen Herzen die Wonne der Mutterliebe jemals blühen könnte ! Vittoria hatte es oft erfahren , daß ihre wilde Beredtsamkeit ihre Wirkung auf den Stiefsohn nicht verfehlte . Wider ihr Erwarten aber blieb er ihr die Antwort schuldig . Das war gegen ihre Absicht , denn die Liebe , welche sie wirklich für Renatus hegte , und das Bewußtsein , daß sie mit ihrer Zukunft zum größten Theile auf seinen guten Willen angewiesen sei , machten sie in der Regel in ihren Aeußerungen vorsichtig . Sie würde sich auch nicht unterfangen haben , Hildegard mit solcher Entschiedenheit anzugreifen , ohne die Ueberzeugung , daß sie den geheimsten Gedanken des Freiherrn mit ihren Aussprüchen begegne , und sie irrte darin nicht , wenngleich er es nicht für angemessen fand , ihr dies einzuräumen . Nur Eines hatte Vittoria übersehen , daß nämlich in Renatus seit seinem Aufenthalte in der Heimath und in seinem Schlosse sich ein neues Element entfaltete : er begann sich als Oberhaupt einer Familie zu empfinden . An die Unterordnung unter ein solches als an gute , adelige Zucht und Sitte von früh auf streng gewöhnt , gefiel er sich darin , jetzt für sich in Anspruch zu nehmen , was er früher hatte leisten müssen , und die Lage , in welcher die Frauen sich ihm gegenüber befanden , erleichterte ihm die ersten Schritte auf dem Wege zur Herrschsucht , den er , in dem besten Glauben an ihre Nothwendigkeit , betrat . Er hatte am Tage seiner Ankunft den Bruch mit Hildegard beabsichtigt . Er dachte auch jetzt noch an denselben . Aber die Vorstellung , daß er diesen Schritt später so gut wie jetzt ausführen könne , daß es nur von ihm abhänge , in welcher Weise er sein Schicksal gestalten wolle , und vor Allem die ungewohnte Nachgiebigkeit , der er begegnete , wohin immer er sich wendete , schmeichelten ihm mehr , als er es ahnte . Er täuschte sich darüber keinen Augenblick , daß Hildegard ihm mehr als gleichgültig sei , ja , daß sie ihm mißfalle ; und doch konnte er in ihrer Nähe nie vergessen , was der Abbé ihm über die demüthige und hingebende Frauenliebe ausgesprochen hatte , doch mußte er , wie oft und verführerisch ihm Eleonorens Bild eben hier in der Zurückgezogenheit erschien , sich eingestehen , daß eine stolze gewaltsame Natur , wie sie , ihn auf die Länge nicht zu beglücken fähig gewesen sein würde . Denn es ging ihm wie allen den Männern , die in einem unklaren , aber darum nicht weniger richtigen Bewußtsein ihrer eigenen Schwäche vor jeder starken Frauenseele Scheu tragen . Sie sehen die Kraft als einen Fehler in den Frauen an , weil sie ihnen selber mangelt , und eben deßhalb schweben sie beständig in der doppelten Gefahr , von der Berechnung der Frauen absichtlich durch eine zur Schau getragene sogenannte unterwürfige Weiblichkeit getäuscht , oder von der wirklichen Unbedeutendheit gefesselt und beherrscht zu werden . Selbst die Mißhelligkeiten und kleinen Händel , auf welche Renatus fast an jedem Tage , so sehr man sie ihm zu verbergen strebte , zwischen den einander jetzt mit erhöhter Genauigkeit beobachtenden Frauen stieß , dünkten ihn bald nicht mehr so unerträglich , als in den ersten Tagen und Wochen , denn sie gaben ihm die Gelegenheit , sich täglich der Herrschaft bewußt zu werden , welche er über die Personen ausübte , die er als seine Familie hielt und ansah . Und weil es ihm wider sein Vermuthen und des Grafen Voraussetzungen leicht genug gelungen war , durch sein bloßes Dazwischentreten ein schicklicheres Leben und Beisammensein in seinem Schlosse herzustellen , war er bald überzeugt , daß seine Berather , daß Tremann und Graf Gerhard , der Eine aus Unkenntniß der landwirthschaftlichen Verhältnisse , der Andere , weil ihm bei dem beginnenden Alter die Kraft und Leichtlebigkeit der Jugend nicht mehr zu Gebote ständen , ihm auch von seinen Vermögensverhältnissen ein zu düster gefärbtes und eben darum kein völlig richtiges Bild entworfen hätten . Er beschloß also , künftig nur seinen eigenen Augen zu vertrauen und sich bei der Ordnung seiner Angelegenheiten vor allen Dingen von dem Sachverhalte selbst zu überzeugen , ehe er sich auf irgend welche eingehende Besprechungen mit seinen Beamten einließ oder sich gar in Verhandlungen mit Dritten weiter vorwärts wagte . Drittes Capitel Der Winter neigte sich stark zu Ende . Die Tage wurden schon wieder hell . Am Mittage , wenn die Sonne hoch stand , war die Luft leicht und warm , der Himmel dunkelblau , und der Schnee , der den Boden noch bedeckte , wenngleich er von den Dächern und Bäumen weggeschmolzen war , funkelte so hell , daß man sich belebt fühlte , als ob man im Hochgebirge wäre . Auch die lichtfreudige Lerche wirbelte sich schon wieder in gerader Linie aus ihrer Scholle zum Firmament empor und ließ aus ihrer kleinen Kehle ihre jubelnde Frühlingsverkündigung vorzeitig über die Erde hinweg erschallen . Um , wie er es nannte , nach dem Seinigen zu sehen , hatte Renatus sich gewöhnt , an jedem Mittage auszureiten . Hildegard , die man um ihrer zarten Gesundheit willen das Reiten stets vermeiden lassen , hatte ihn zum Fahren überreden wollen , um ihn begleiten zu können ; indeß er hatte das Reiten für bequemer und seinem Zwecke entsprechender erklärt und Anfangs nur Valerio , bald aber auch Cäcilie mit sich genommen , deren lebensvoller Körper sich immer nach starker , durchgreifender Bewegung sehnte . Eines Tages , als man um die festgesetzte Stunde auch wieder die Pferde für die Reiter auf die Rampe geführt hatte , kam der Freiherr mit Valerio und Cäcilien eben aus dem Schlosse heraus . Er hatte dem Sonnenschein zu