sie sie bei sich , erzählte von dem » Herrn von Buschbeck « , Hedwig ' s Geliebten , der noch diesen Abend aufs Schloß kommen müßte und mit dem Kronsyndikus von einer Jagdpartie zurückkäme . Es regnete , es stürmte . Sie versprach , Hedwig ' s Ausbleiben über Nacht sogleich bei den besorgten Aeltern ansagen zu lassen und brachte sie in eine Kammer , wo sie zur Nacht ruhen sollte . Das arglose Ding , das bis zwölf Uhr vergebens gewartet hatte , entkleidet sich , läßt , da die Gülpen noch erst gute Nacht zu sagen zurückzukommen erklärte , die Thür offen , löscht auf Befehl das Licht , weil die Gülpen von den Wunderlichkeiten des Kronsyndikus und seiner Strenge gegen Untergebene spricht , und nun stürmt die Gülpen plötzlich herein , ruft : Buschbeck ist da ! Er kommt ... Hedwig fährt auf , rafft ihre Kleider zusammen - - Genug , drei Tage hielt sich das Weib , dem seine Rache nur zu gut gelungen war , vor der Wuth des Försters , dem die Getäuschte , noch in der Nacht vom Schlosse entfliehend , sich sogleich entdeckte , verborgen ... Buschbeck würde sie ermordet haben ... sie wußte das ... Der Kronsyndikus , damals noch sein eigener Gerichtsherr , verfügte gegen den Förster , der ihn persönlich anfiel , erließ sofortige Verhaftung , dann Dienstentlassung . Lachend verzieh er der Gülpen , nannte noch später , als in der That zufällig die in aller Unschuld abwesende Deichgräfin eines Sohnes genas , diesen , den jetzigen Mönch Sebastus , seinen wahren Sohn , d.h. den Sohn seiner Einbildung , seinen Sohn im Geiste . Hedwig Stammer verfiel in ein Nervenfieber und starb . Den sogenannten Hauptmann von Buschbeck wollten die französischen Gensdarmen zwingen , Kriegsdienste zu nehmen oder die Gegend zu verlassen . Er flüchtete sich nach Kloster Himmelpfort , wo ihn der damalige würdige Guardian Henricus beschützte , vollends als er nach dem Tode Hedwig ' s in den Orden trat . Das böse Weib konnte sich nicht länger im Schlosse halten . Reich ausgestattet an Geschenken , für ihre Lebenszeit gesichert durch eine Pension , zog sie von dannen . Sie stellte sich so wahnsinnig verliebt in ihren Verlobten , daß sie alles , was sie von seinen Sachen als Andenken nur ergattern konnte , mitnahm , javanische Pfeilspitzen , chinesische Götzen , große ausgestopfte Vögel ... Die Stammers wohnten dann später in einem Pavillon des Schloßparks und hatten das Gnadenbrot vom Kronsyndikus , der seine Jugendthorheiten späterhin , wie das so geht , wenn die Kraft nachläßt , zu bereuen anfing ... Und schon einmal wurde ihm der Geiger zum Verhängniß . Dieser Taugenichts war es , der den Tod seines Sohnes Jérôme dadurch veranlaßte , daß er diesen , der zur Pflege in einem Dorfe jenseit des Gebirges beim Pfarrer Huber , der jetzt hier in Witoborn steht , die Nachricht von der nach Hamburg gerichteten Flucht eines gewissen fremdartigen , schönen Mädchens anzeigte , das damals wiederum auf Schloß Neuhof , wenn auch freilich unter andern Verhältnissen , auftauchte - Bis zur gänzlichen Vollendung seiner Erzählung gelangte der Onkel nicht , denn in diesem Augenblick kehrten die Frauen zurück ... Tief erschüttert schwiegen die Männer ... Was ihnen auf die Lippen ein ernstes Schweigen legte , war nicht blos das Entsetzen über das Vernommene , nicht blos bei Terschka der mannichfache , fast persönliche Antheil , den er an allen diesen Berichten zu nehmen schien , nicht blos bei Benno die Verbindung alles dessen , was er über Klingsohr und Lucinden wußte , und der Nachhall des grauenhaft dämonischen Wortes des Kronsyndikus : Im Geist ist doch Heinrich Klingsohr mein Sohn ! - nicht blos bei Thiebold die Rückerinnerung an jenen Morgen , wo eine so böse Uebelthäterin ermordet gefunden wurde , und an die ihm noch unbekannte Wendung , die das Testament der Ermordeten genommen hatte ( Bruder Hubertus sollte in der That das Geld angenommen , aber zu bestimmten Zwecken cedirt haben ) - das ernste feierliche Schweigen wurde noch mehr hervorgerufen durch den Gegensatz , in welchem die reine , lichtumflossene , weiblich verklärte Gegenwart der Wiedereingetretenen zu dem Unreinen stand , das durch menschliche Leidenschaft wie aus einem Schwefelpfuhle heraufbeschworen so im Leben ans Licht treten kann . Die endlich von der Tante mitgebrachte Postmappe , aus der sie schon ihre eigenen Briefe und die für Paula herausgenommen hatte , bot Gelegenheit , daß sich die Empfindungen sammelten und eine Stimmung des Friedens und wenigstens äußerlichen Behagens wiederherstellte ... Auch von Püttmeyer ' s Besuch erzählte jetzt die Tante ... Das lebhafte Interesse , das daran der Onkel nahm , wurde an einem ebenso lebhaften äußern Ausdruck dafür nur durch die weit ausgebreiteten Zeitungen und das fortgesetzte Mahl verhindert ... Auf Schloß Westerhof war man sonst , was die Zeitereignisse anlangte , immer ziemlich spät hinter ihnen zurück . Die neuen französischen Ministerien wurden gewöhnlich erst bekannt , wenn sie schon wieder abgedankt hatten . Man hielt die Zeitungen der nahe liegenden Städte , las sie aber nur von hinten her nach vorn , erst in den Familiennachrichten und dann erst in der politischen Rubrik und diese überschlug man oft auch gänzlich ... Paula durfte sogar keine Zeitung früher lesen , ehe nicht die Tante sie censirt hatte ; denn schon lange kam es vor , daß Berichte : » Aus Witoborn « oder : » Von der Witobach « über die » Seherin von Westerhof « oder über die » Dorste ' sche Erbschaftsfrage « schrieben . Seit dem Kirchenstreit war eine etwas größere Leselust eingetreten . Die Tante , Paula , Armgart , das Stift Heiligenkreuz schwärmten für den abgesetzten Kirchenfürsten . Onkel Levinus entzog sich dem gemeinsamen Geiste der Provinz um so weniger , als für ihn zwar nicht , wie bei Professor Guido Goldfinger , schon der Schöpfer in der Erschaffung der Pflanzen und Blumen das katholische Princip voraus signalisiren wollte ,