zweier Herren Schnuphase und Klingelpeter getroffenen gottseligen Bestimmungen für den Fall ihres Todes wieder aufzuheben ... Terschka war über die Ermordung der sogenannten Frau Hauptmann von Buschbeck unterrichtet und lauschte mit der größten Spannung ... Diese außerordentliche Zärtlichkeit einer Person , fuhr der Onkel fort , die nicht einen , nein mehrerlei Teufel im Leibe gehabt haben muß , diese auffallende Anhänglichkeit an den Mönch Hubertus ist eine Folge der Eitelkeit , da sich Brigitta von Gülpen durchaus als die Frau Hauptmann von Buschbeck geberden wollte ... Als Hauptmann war der holländische Lieutenant Buschbeck verabschiedet worden ; er war nicht von Adel , auch nicht etwa schimpflich entlassen ; aus eigenem Antrieb hatte er und leider vor Erreichung seines höhern Pensionsgrades seinen Abschied genommen . Man sagt , weil ein dunkler Schleier gehoben wurde , der auf seiner Vergangenheit ruhen soll ... Ich kenn ' ihn nicht ... Man spricht ja wol von ihm , es wäre ein Scharfrichterssohn ? ... Auf diese Frage , die der Onkel an sein eigenes Gedächtniß richtete , wurde Terschka ' s Auge das des Falken ... Diesem Fremdling , der in einer erwerbslosen Zeit , müde des damals nur noch einträglichen Kriegsdienstes , hingehalten mit seiner nur geringen Pension , die einfache Stelle eines Försters annahm , schenkte die damalige Wirthschaftsführerin des Freiherrn , Fräulein Brigitta , ihr Herz . Sie war feurigen , lebhaften Sinnes , häßlich dabei wie eine Fledermaus . Der Fremdling konnte sich ihrer Zudringlichkeit nicht erwehren ; der Kronsyndikus that nie etwas umsonst und wünschte auf diese Art von einer Person befreit zu sein , die ihm über den Kopf wuchs . Der Abenteurer mag aus Willensschwäche und verblendet von glänzendern Anerbietungen , zugleich berauscht von der Wildheit des damaligen neuhofer Lebens , Zugeständnisse gemacht haben , die er später bereute . Seinen spätern Aeußerungen zufolge will er niemals ein Weib geliebt haben , als nur einmal eine Tochter eines seiner Waldhüter , ein allerdings auffallend schönes Kind , Hedwig Stammer hieß sie , schlank , hochgewachsen , die Schwester dieses Buckeligen , den er heute mishandelt hat ... Nach einer Pause des Erstaunens über diese Zusammenhänge fuhr der Onkel fort : Hedwig Stammer wurde im stillen seine Liebe und bald entdeckte diesen Treubruch , wie sie es nannte , die Megäre auf dem Schlosse . Sie ersann eine Rache , zu teuflisch um sie nur nachzudenken , wenn nicht die Umstände Begünstigungen zur wirklichen Ausführung des Unglaublichen gegeben hätten . Die Leidenschaften des Kronsyndikus kannten keine Grenzen . Keine Tugend war ihm heilig . Kein Weib , dem er irgend sich glaubte nahen zu können , ließ er ohne Anfechtung . Dabei begünstigte ihn sogar das Glück , ohnehin sein Reichthum und , wie das in solchen Fällen geht , die Courage . Ihm schien ein Widerstand unmöglich und so vermessen war seine Menschenverachtung , daß er sich an die Unschuldigsten wagte , ja durch Umtriebe aller Art es oft dahin zu bringen wußte , daß diese plötzlich in irgendeiner Weise wirklich von seinem Willen abhängig wurden . Hätte der Mann auf einem Throne gesessen , er würde den größten Tyrannen beizuzählen sein ... Ein Blick auf die Nebenthüren und ein Lauschen nach einem fernen Geräusch drückte die Furcht des Onkels aus , die Frauen möchten zurückkommen ... Dem fast übersiedenden Wasser im silbernen Kessel sprangen Benno und Thiebold zugleich bei durch Mildern der Flamme ... Ich will es kurz fassen ! fuhr der Onkel sich eilend fort . Der Kronsyndikus hatte sein Auge auf die Frau des Deichgrafen Klingsohr geworfen . Die Vertraute seiner Lüste , die Gülpen , unterstützte seine Hoffnungen , weil ihn Unmöglichkeiten unerträglich im Umgang machten . Mit Verachtung zurückgewiesen , entbrannte er in nur noch wilderer Glut . Da entdeckte die Gülpen die Neigung ihres sogenannten Verlobten und schmiedete einen Höllenplan . Durch verstellte Handschriften machte sie die Deichgräfin , wie sie hieß , zur Correspondentin des Kronsyndikus . Die Eitelkeit des Frevlers war einer völligen Sinnlosigkeit fähig . Taumelnd in seinen Hoffnungen , die ihm leider nur selten fehlschlugen , glaubte er der Versicherung der Gülpen , die Deichgräfin warte nur eine Reise ihres Mannes ab , um ihn zu erhören . Dann würde sie selbst einmal aufs Schloß kommen . In einer Nacht , wo kein Stern am Himmel stand , der Kronsyndikus gegen Mitternacht von einem Gelage heimkehrte , wisperte ihm das Scheusal zu : Die Deichgräfin ist da ! Sie bleibt auf die Nacht bei mir zum Besuch , das Wetter ist zu schlecht - Wo ? ruft der Trunkene und folgt in rasender Begier dem Weibe , das ihn an ihrer knöchernen Hand im Dunkeln geleitet . Plötzlich ist ihr Licht erloschen , alles ringsum finster . In einer engen , dunklen Kammer trifft er eine schlanke , sich eben entkleidende Gestalt , wirft sich auf sie - und erst wenige Minuten später , als es zu spät war , erkennen zwei Menschen ihren grauenhaften Irrthum ... Die Männer saßen erstarrt ... Es bedurfte von Seiten des Onkels kaum einer Erklärung , welche Rache hier ein weiblicher Bösewicht vollzogen hatte , der denn auch das Leben durch die Schlinge eines Mörders verlassen sollte ... Dennoch erklärte der Onkel das Vorgefallene ausführlicher : Brigitte von Gülpen hatte Hedwig Stammer , die sie tödlich haßte , allmählich an sich gelockt und sicher zu machen gewußt ... In ihrer Waldwohnung suchte sie sie öfters auf , erklärte , die Untreue des Hauptmanns bräche ihr zwar das Herz , doch wolle sie sein Glück nicht hindern ... Sie befahl nur dem Mädchen , die Besuche , die sie ihr , um ihren guten Willen zu zeigen , machte , dem » Herrn von Buschbeck « zu verschweigen ... Sie versprach eine glänzende Ausstattung , die Unterstützung des Kronsyndikus und lockte das arme Kind immer mehr und mehr an sich ... Eines Abends , da sie es so veranstaltet hatte , daß Hedwig einen Auftrag im Schlosse auszurichten hatte , behielt