kostete . Die Abschiedsstunde hatte es ihn gelehrt . Da trat einer seiner Schreiber ein und meldete : » Herr Notar , es ist ein Herr aus Steinfeld da , der Sie zu sprechen wünscht . Er will sich nicht nennen , es sei eine Privatsache – « Er kam nicht weiter in seinem Berichte , denn der Fremde , der ihm gefolgt war , trat jetzt aus dem anstoßenden Zimmer und sagte befehlend : » Genug , es bedarf keiner weiteren Anmeldung . Ich und der Herr Notar kennen uns . « Raimar saß in sprachloser Ueberraschung da , als er Felix Ronald erkannte , aber schon in der nächsten Minute erhob er sich mit anscheinender Ruhe . » Jawohl , ich kenne den Herrn . Gehen Sie ! « Ein Wink verabschiedete den Schreiber , der den Gebieter von Steinfeld nicht persönlich kannte und sich nur über die kurze , herrische Art des Fremden wunderte . Er gehorchte und entfernte sich . » Sie haben wohl nicht erwartet , mich hier zu sehen ? « begann Ronald . » Nein ! « sagte Ernst kalt . » Aber Sie erraten vielleicht , was mich herführt ? « » Allerdings . Meine Erklärung ist heute morgen in Berlin eingetroffen , zum Abdruck für die Abendzeitungen , und Sie haben die Nachricht jetzt schon erhalten , man hat sie Ihnen vermutlich telegraphisch zugesandt . Auf Ihr persönliches Erscheinen war ich allerdings nicht gefaßt , aber da Sie hier sind – « Er deutete auf einen Stuhl . Ronald machte eine hochmütig ablehnende Bewegung . » Ich danke , wir verhandeln besser stehend miteinander . Ich gestehe , daß es mich überrascht hat , Ihren Namen als den des Verfassers von › Hexengold ‹ zu hören . Bisweilen ist mir wohl der Gedanke gekommen , aber ich verwarf ihn immer wieder , ich hielt Sie – offen gesagt – nicht für bedeutend genug zu einem solchen , nach jeder Richtung hin meisterhaft geführten Angriff . Ich mache Ihnen mein Kompliment darüber . « Er sprach mit kaltem Hohne , und in seiner Haltung lag die ganze hochmütige Ueberlegenheit eines Mannes , der seines Sieges vollkommen sicher ist , nur seine Augen redeten eine andere Sprache , es brannte eine unheimliche Glut darin . » Sind Sie nur gekommen , um mir das zu sagen ? « fragte Raimar , der seine Gelassenheit bewahrte . » Nein , aber ich hielt es für nützlich , wenn wir beide uns einmal unter vier Augen sprechen , ehe wir uns da draußen treffen vor aller Welt . Sie gestehen mir hoffentlich dies Recht zu . Wir sind ja – alte Feinde ! « » Das sind wir ! « » Also zur Sache ! Was bezwecken Sie eigentlich mit diesem Angriff ? Wollen Sie mich vielleicht stürzen ? Das wäre doch ein etwas kühnes Unterfangen . Ich rate Ihnen nicht dazu . « Ernst lehnte mit verschränkten Armen an seinem Schreibtische , das Auge fest auf seinen Gegner gerichtet , und seine Antwort klang in vernichtender Ruhe . » Ich will ein System stürzen , dessen Führer und Vertreter Sie sind , das schon so vielen zum Unglück geworden ist , wenn sie es auch noch nicht wissen , denn die Augen werden ihnen zu spät aufgehen . Ihre anscheinend so mächtigen und riesenhaften Unternehmungen , die Ihren Namen in alle Welt hinausgetragen haben , sind auf Flugsand gebaut . Die stützt und hält nur der blinde Glaube der Menge an Sie und Ihre Macht , Steine in Gold zu verwandeln , dieser Glaube , der Ihnen immer wieder neue Quellen zuführt , wenn die alten längst versiegt sind . Wankt er einmal , dann stürzt das ganze Gebäude zusammen , muß zusammenstürzen – das wissen Sie am besten ! « » Wirklich ? « fragte Ronald mit einem höhnischen Auflachen . » Wollen Sie mich belehren in Finanzangelegenheiten , Herr Notar von Heilsberg ? Wo haben Sie denn Ihre Studien darüber gemacht ? « » In Steinfeld habe ich sie gemacht , es liegt uns ja nahe genug , « sagte Raimar , ohne sich durch den herben Spott beirren zu lassen . » Es war die erste Ihrer großen Schöpfungen , und sie wird auch zuerst dem Verhängnis verfallen . Sie wollten das freilich nicht abwarten und sich mit der Aktiengesellschaft decken – das dürfte jetzt nicht mehr möglich sein . « » Sie meinen durch Ihr Pamphlet ! « rief Ronald . » Sie haben allerdings mein Steinfeld als eine Art Mördergrube geschildert , wo die größten Schandthaten verübt werden und der Bankrott vor der Thür steht ; den Beweis sind Sie natürlich schuldig geblieben . Herr Notar , Sie machen sich lächerlich mit solchen haltlosen Behauptungen ! Die Steinfelder Werke sind jedem zugänglich , dort sind Tausende von Arbeitern , Hunderte von Beamten . Sie werfen mir freilich vor , ich hätte sie blind und fühllos gemacht mit meinem › Bann ‹ . Wir leben doch nicht mehr in einer Märchenwelt ! « » Nein , wir leben in einer höchst realen Welt ; aber die Bannworte sind geblieben , sie heißen jetzt nur : Furcht und Mitschuld . Ich glaube es wohl , daß Ihre Oberbeamten schweigen , sie werden sich nicht selbst an das Messer liefern , aber all die anderen hält nur die Furcht , und jetzt ist der Bann gebrochen , jetzt werden sie reden . « » Da sie einen so vorzüglichen Anwalt finden , der ihnen die Worte in den Mund legt – vielleicht ! Solche Menschen lassen sich nur zu gern hetzen gegen den , der ihnen jahrelang Arbeit und Brot gegeben hat . Und Sie machen sich ja mit Vorliebe zum Anwalt der › Unterdrückten ‹ . Sie haben schon damals Sensation damit gemacht , bei Ihrem ersten Auftreten in dem großen Streikprozeß , nun , jetzt können Sie Ihre Rednergaben in eigener Sache verwenden . Ich werde natürlich die Klage auf