des Obersteigers anfuhren . Als der letzte seiner Cameraden verschwunden war , kehrte sich der junge Bergmann grollend ab . „ Feiglinge sind sie doch allesammt ! “ murmelte er ingrimmig . „ Das ist nicht vom Flecke zu bringen , mit seiner Unentschlossenheit und Furchtsamkeit . Sie wissen so gut wie ich , daß wir grade jetzt die Zeit benutzen müssen , und doch wollen sie nicht vorwärts , weil sie allein bleiben , weil die Anderen nicht hinter ihnen stehen . Ein Glück , daß wir gerade Berkow gegen uns haben und keinen Anderen . Wär ’ s ein tüchtiger Mann , der ihnen zu rechter Zeit die Zähne wiese und zu rechter Zeit gute Worte gäbe , sie brächten es nicht zu Stande . “ „ Meinst Du denn , er wird das nicht auch thun ? “ fragte Lorenz etwas mißtrauisch . „ Nein ! Er ist feig , wie alle Tyrannen ! Er prahlt und peinigt nur , so lange er obenauf ist , und wenn es an seine Haut oder seinen Geldsack geht , kriecht er zum Kreuze . Er hat sich so gründlich verhaßt gemacht und wird sie so in ’ s Aeußerste hineinhetzen , daß zuletzt Keiner zurückbleibt , und dann ist ’ s gut , dann haben wir ihn in der Hand . “ „ Und der junge Herr ? Glaubst Du , daß er sich gar nicht einmischt , wenn die Sache losgeht ? “ Ein Ausdruck unverstellten Hohnes schwebte um Ulrich ’ s Mund , als er verächtlich entgegnete : „ Der zählt nicht ! Der läuft beim ersten Lärm , den es giebt , in die Stadt zurück , um sich in Sicherheit zu bringen . Wenn wir mit dem zu thun hätten , wären wir freilich schneller fertig ; er sagt zu Allem Ja , wenn man ihm droht , ihn nicht ausschlafen zu lassen . Der Vater wird uns doch mehr zu schaffen machen . “ „ Er will das Hebewerk besichtigen , “ meinte Lorenz nachdenkend . „ Ob er auch in die Schachte geht ? “ Ulrich lachte bitter auf . „ Was fällt Dir ein ! Unsereins muß freilich täglich da unten sein Leben riskiren ; dazu sind wir gut genug – aber der Herr Chef bleibt im sicheren Fahrschacht . Ich wollte , ich hätte ihn einmal so allein neben mir , Auge in Auge , er sollte mir das Zittern lernen , das wir unten so oft durchmachen müssen . “ Blick und Ton des jungen Mannes waren so wild , so erfüllt von tiefstem Hasse , daß sein viel gemäßigterer Gefährte es vorzog , zu schweigen und damit für den Augenblick wenigstens dies Gespräch zu beendigen . Es trat eine längere Pause ein ; Hartmann war zum Fenster getreten und blickte ungeduldig hinaus , als er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter fühlte und Lorenz dicht neben sich stehen sah . „ Ich wollte Dich etwas fragen , Ulrich , “ begann er stockend . „ Nun , Du wirst es mir ja auch sagen , wenn ich Dich darum bitte . – Wie stehst Du mit der Martha ? “ Es vergingen einige Secunden , ehe Ulrich antwortete . „ Ich mit Martha ! Mußt Du das wissen ? “ Der junge Bergmann sah zu Boden . „ Du weißt es ja , ich bin dem Mädchen schon so lange nachgegangen , sie hat mich immer noch nicht gewollt , weil sie – wohl einen Anderen wollte . Nun freilich , verdenken kann ich ’ s ihr nicht ! “ sein Blick glitt mit einer Art von schmerzlicher Bewunderung an seinem Freunde nieder , „ und wenn es wirklich wahr ist , daß Du mir im Wege stehst , dann muß ich mir die Sache wohl aus dem Kopfe schlagen . Also sage mir gerade heraus , seid Ihr einig ? “ „ Nein , Karl ! “ sagte Ulrich dumpf . „ Wir sind nicht einig , und wir werden ’ s auch nicht , das wissen wir jetzt beide . Ich stehe Dir nicht mehr im Wege bei dem Mädchen , und wenn Du Dein Glück noch einmal versuchen willst , ich glaube , jetzt nimmt sie Dich . “ Ein Freudenblitz schoß über die Züge des jungen Mannes hin , als er sich tief aufathmend emporrichtete . „ Meinst Du das wirklich ? Nun freilich , wenn Du es sagst , muß es ja wohl wahr sein , und dann will ich ’ s auch versuchen , gleich heut Abend . “ Ulrich runzelte finster die Stirn . „ Heut Abend ? Denkst Du denn gar nicht daran , daß wir heut Abend eine Besprechung haben , und daß Du dahin gehörst und nicht auf die Freierschaft ? Aber Du bist auch nicht besser als die Anderen . Jetzt , wo wir hinein wollen in den Kampf , gehen Dir Deine Liebesgeschichten im Kopfe herum , jetzt , wo Jeder froh sein sollte , der nicht Frau und Kind hat , denkst Du an ’ s Heirathen ! Es ist nicht auszuhalten mit Euch Allen ! “ „ Nun , ich werde doch immer bei der Martha anfragen dürfen , “ vertheidigte sich Lorenz gekränkt . „ Und wenn sie auch wirklich Ja sagt , so ist ’ s noch immer eine gute Weile bis zur Heirath . Freilich , Du weißt nicht , wie so Einem zu Muthe ist , der was Liebes hat , das er nicht bekommen kann , wie sich einem das Herz umkehrt , wenn man sehen muß , daß ein Anderer da ist , Tag für Tag mit ihr zusammen , der nur nach dem zu greifen braucht , wofür man sein Leben lassen möchte , und doch nicht danach greift ; Du – “ „ Hör ’ auf , Karl ! “ unterbrach ihn Ulrich mit zuckenden Lippen , indem er die geballte Hand so heftig niederfallen ließ ,