. Der Bischof aber rannte diese Vernunft mit gewaltsamen Worten zu Boden . › Thomas am Erlöschen ? ‹ schrie er : › Bei meiner Bischofsmütze , drei Lebensgeister hat der Zähe , um deiner Majestät zu schaden ! Thomas ein Friedebringer ? Den Krieg bringt er dir nach Engelland ! Überall auf seinen Wegen tumultuierten die Sachsen und griffen zu ihren Äxten ! Ich habe es von Augenzeugen ! ‹ Das schien mir schon damals unmöglich , wie ich die geschwächten Sachsen kannte . Aber ich hörte kaum auf die kollernden Worte des Bischofs , denn alle meine Sinne waren auf meinen König geheftet , dessen Innerstes zu sieden begann . Er hatte die Berichtigungen des verständigen Klerikers in der Betäubung seines Zornes nicht vernommen . Jetzt kam die lodernde Flamme zum Ausbruch . Herr Heinrich , von dem Aufruhr oder der Demut des Primas gleicherweise empört , sprang in sinnlosem Zorne vom Sitz empor und stieß seinen Becher so hart von sich , daß er weit über die Tafel rollte , den Wein in roten Strömen auf das Linnen vergießend , wie Blut in den Schnee . › Ich habe ihm verboten meinen Boden zu betreten ! ‹ schrie der König mit bebender Stimme : › Ich weiß , er verbirgt in seinem Busen und Gewande auch einen päpstlichen Bannbrief gegen mich , seinen König . Er hat mir ihn selbst gezeigt , der Böse ! ‹ Jetzt schlug er verzweifelnd die Fäuste gegeneinander und wehklagte : › Ich habe ihn gekleidet und geschmückt , wie eine Geliebte . Er hat wie ein schmeichelndes Hündlein das Brot aus meiner Hand gegessen und mich mit Füßen , zerreißt mein Haus und zerstört mein Reich . ‹ Er blickte irr über die verstummte Tafelrunde und schleuderte seinen Rittern die beschimpfenden Worte zu : › Ich mäste Knechte ! Sie zehren am Mark meiner Länder und strecken die Fuße aus unter meinem vollen Tisch ; aber keiner dieser Fresser und Schwelger ist Mannes genug , mir einen Verräter vom Halse zu schaffen ! ‹ Während der Herr mit rollenden Augen auf und nieder schritt und sich keiner mit der Rede an ihn wagte , hatte sich die Mehrzahl der Königsgäste erhoben und umringte den Bischof , diesen mit Fragen und Vorwürfen bestürmend . Hinter dem Stuhle des Königs stehen geblieben , sah ich am untern Ende der plötzlich gelichteten Tafel viere zusammensitzen , die sich Blicke zornigen Einverständnisses zuwarfen und im Flüstertone , als hielten sie geheimen Rat , aufgeregte Worte tauschten . Ihre Namen , Herr , sind Euch bekannt denn die Legende hat sie in alle vier Winde gerufen , sie sind Unseligsten aller Lebenden und jedes Christenkind in Engelland bekreuzt sich vor ihnen . Das ist zum ersten Herr Wilhelm Tracy , der Spötter , dann Herr Richard aus der Bretagne , Herr Rinald , der Schöne , ein Liebling der Weiber , und letztens Herr Hug , der Einsilbige . Ich stand zu ferne um ihre Worte zu verstehen , aber ihre Gebärden sprachen deutlich genug . Noch seh ich , wie Herr Hug sich die Lippe benagte , wie Herr Rinald seine weichen Langhaare um die Finger schlang und zerriß , während Herrn Richard der Zorn dunkelrot in die Stirne stieg und der witzige Mund des Herrn Wilhelm Tracy , der sonst voller Gelächter war , sich zum bittersten Hohne verzog . Dann schienen sie eins geworden und verschwanden zusammen durch eine Hintertüre . Ich wandte mich nach dem Fenster und sah die viere im Schloßhofe ungeduldig auf ihre Rosse harren und sie dann hastig besteigen . Als ich am Abend dieses schlimmen Christtages in der Kammer meines Herrn erschien , um seinen Jagdbefehl für morgen zu holen , fand ich ihn , wie den Zornmütigen zu geschehen pflegt , stumm und niedergeschlagen , so daß ich es wagen durfte , meinem geängstigten Herzen Luft zu machen . › Zu Mittag nach Eurer scharfschneidigen Tischrede ‹ , begann ich , › sind vier Eurer Gäste ‹ , und ich nannte sie , › spornstreichs verritten , ich meine nach der Küste . – Hätten sie aus Euern entrüsteten Worten einen Wunsch oder einen Befehl herausgehört ... o Herr ! Was dann ? Wenn sie Eure Rede in Eure Tat verwandelten – es wäre nicht Euer Wille . ‹ Er starrte mich an , mühsam seine Gedanken zusammenknüpfend , und antwortete nicht . › Bei der glückseligen Krippe ‹ , warnte ich flehentlich , › das ist kein Geringes ! Alle Heiligen und Engel wollen Euch behüten , daß Ihr Euch keinen Märtyrer auf die Seele ladet . ‹ Jetzt begriff er mich plötzlich und packte mich an der Schulter . › Wann sind sie verritten ? ‹ fragte er , obwohl ich es ihm eben gesagt hatte . › Warum mahnst du nicht zu guter Zeit , krächzender Rabe ? ‹ – › Noch ist es nicht zu spät ! ‹ versetzte ich unerschrocken . › Betrachtet die von Mitternacht heranziehenden Schneewolken ! Sicherlich tobt die See und sie haben Gegenwind . ‹ › So sattle meinen Berber ‹ , befahl er , › er überholt den Sturm . Erreiche die viere und bring sie mir zu rück . Du ereilst sie mir – ich will es ! ‹ › Herr ‹ , sagte ich , › sie werden mich nicht hören ; denn Ihr habt ihre Ehre aufs Blut gereizt . Besser , ich reite einen andern Weg , erreiche die Küste , wo der Meeresarm am dünnsten nach , presse dort das schnellste Schiff , wem es gehöre , gelange nach Canterbury vor den vier von Euerm Zorne Gejagten und schaffe Herrn Thomas in Euerm Namen Sicherheit . Das ist deine Sache ! ‹ drohte er . › Wisse eines : ich will nicht , daß dem Primas ein Leides geschehe ! Wird ein Haar dieses ehrwürdigen Hauptes gekrümmt , so büßest du dafür und baumelst mir am nächsten Galgen ! ‹ Es hätte