was mögen Sie für Begriffe vom Wert der Schmucksteine haben ! « Er stippte verächtlich mit dem Finger gegen das auf dem Tische liegende Etui . – » Das Ding ist keine achtzig Thaler wert ... Ihr Götter , achtzig Thaler für die Badereise der Gräfin Trachenberg ! « » Das Stück ist bereits einmal taxiert worden , « versetzte sie , ihre Fassung tapfer genug behauptend . » Ich weiß , daß der Erlös für den Zweck nicht ausreichen wird . Eben darum habe ich « – sie stockte plötzlich , während eine heiße Röte ihr zartes Gesicht überflog . Sie hatte sich hinreißen lassen , weiter zu gehen , als ihr die Klugheit gebot . » Nun ? « fragte der Hofmarschall – er bog sich vor und sah ihr mit boshaftem Lächeln unter das Gesicht . » Ich habe einen Gegenstand beigefügt , den Ulrike nicht unter vierzig Thalern verkaufen wird , « sagte sie nach einem tiefen Atemholen mit leiserer , bei weitem nicht mehr so zuversichtlicher Stimme , als vorher . » Ei , was für merkwürdige Hilfsquellen stehen Ihnen zur Verfügung , gnädige Frau ? ... Ist es dieser Gegenstand ? « – Er zeigte nach der Seidepapierumhüllung , auf die sie unwillkürlich die Hand gelegt hatte . » Es ist ein Bild , wie ich vermute – « » Ja . « » Eine Arbeit Ihrer eigenen Hände ? « » Ich habe es gemalt . « – Sie preßte die verschränkten Hände auf die Brust , als fehle ihr der Atem . Wie ein Blitz flog die Terrasse des Rudisdorfer Schlosses an ihrem geistigen Auge vorüber , und sie sah das von Mutterhand verächtlich hinausgeschleuderte Pflanzenbuch auf den Steinfliesen liegen . » Und das Bild wollen Sie nun verkaufen ? « » Ich habe es vorhin schon gesagt . « – Sie sah nicht auf . Sie wußte , daß sie in ein funkelndes Auge voll grausamen Triumphes blicken würde , so langsam lauernd war die Frage gestellt worden – es war das empörende Spiel zwischen Katze und Maus . » Sie haben bereits einen Liebhaber dazu , wie ich denke – irgend einen guten , reichen Freund und Mäcen , der in Rudisdorf verkehrt und pflichtschuldigst dergleichen – Kunstwerke bezahlt ? « – Jetzt war sie Herr ihrer furchtbaren inneren Aufregung geworden – die Ruhe , die ein rascher , fester Entschluß gibt , kam über sie . » Diese Art von Erwerb , die der Bettelei gleicht wie ein Ei dem anderen , habe ich selbstverständlich verschmäht und meine Arbeiten lieber an den Kunsthändler verkauft , « sagte sie vollkommen gelassen . Der Hofmarschall fuhr empor , als sei er gestochen worden . » Das heißt mit anderen Worten , Sie haben sich vor Ihrer Verheiratung das Brot durch Ihrer Hände Arbeit verdient ? « » Zum Teil , ja ! ... Ich weiß , daß ich mich durch dieses Bekenntnis vollends in Ihre Hände gebe , weiß , daß ich mir die Stellung hier im Hause noch unerträglicher mache , aber ich will das weit lieber auf mich nehmen , als die Last der Verheimlichung , welche die Seele verdirbt . Ich will und darf hier nicht fortsetzen , was ich , um die Mama nicht aufzuregen , in Rudisdorf immer und immer wieder gethan habe . « » Tausend noch einmal , da hat mir ja Raoul einen kostbaren Ersatz für mein stolzes , vornehmes Kind , meine Valerie , in das Haus gebracht ! « rief der Hofmarschall bitter auflachend , während er sich in den Stuhl zurückwarf . Der Hofprediger war aufgesprungen und griff nach der Hand der jungen Dame ; aber sie wich mit abwehrend ausgestreckten Armen vor ihm in die Tiefe des Zimmer zurück . » Sie wüten gegen sich selbst , gnädige Frau , « rief er fast demütig bittend . » Geben Sei zu , daß Sie jetzt in der höchsten Aufregung , in einer Art von Trotz Dinge aussagen , die , ruhig betrachtet , sich ganz anders verhalten ! « » Nein , Herr Hofprediger , das gebe ich nicht zu – es wäre gegen die Wahrheit . Ich wiederhole es ganz ausdrücklich : diese meine Hände haben bereits Geld verdient , haben um den Erwerb gearbeitet ! ... In diesem Augenblicke , wo ich den Eindruck sehe , den mein Geständnis gemacht hat , atme ich auf . « – Ein bitteres Lächeln flog über ihr reizendes Gesicht . » Ich weiß , daß dem scharfen Blicke des Herrn Hofmarschalls nichts verborgen bleibt – er hätte früher oder später den wahren Sachverhalt doch erfahren ; dann wäre mir lebenslänglich ein Vorwurf aus meinem Schweigen gemacht worden , und ich hätte mir den Anschein gegeben , als schäme ich mich meiner Vergangenheit – Gott soll mich behüten ! ... Wäre es Ihnen in der That lieber , zu hören , daß ich vor meiner Verheiratung von Almosen gelebt hätte ? « wandte sie sich an den Hofmarschall . » Sie verachten die adlige Hand , die arbeitet , weil ihr keine ererbten Revenüen zu Gebote stehen ? Wie sollen dann die anderen Stände Respekt vor dem Geburtsadel haben , wenn er selbst meint , sein Wappen dürfe nur auf einem goldenen Hintergrunde liegen ? Zertrümmert er mit diesem Tanz um das goldene Kalb nicht selbst die Idee , die ihn über die anderen Stände erhebt ? ... Gott sei Dank , unser Jahrhundert zeigt uns Standesgenossen genug , die zu adlig denken , um sich der ausübenden Kunst zu schämen ! « » Kunst ! « lachte der Hofmarschall abermals auf – » Kunst , die Kleckserei , die der Zeichenlehrer im Stift den hochgeborenen Fräuleins nach ein und derselben Schablone eintrichtert und « – er hatte dabei das Bild ergriffen und schlug das Seidenpapier zurück – das letzte Wort ging unter in einer Art von Zischlaut – war es Schrecken oder Beschämung , die dem Manne eine Flamme nach