wir allerdings wie ein paar getreue Kameraden in Gemeinschaft auf uns genommen haben , Spielerei ? ... Fritz Weber ist ein braver , prächtiger Mensch , dem ich zeitlebens dankbar sein werde . Ich habe ihm deshalb auch versprochen , « – ein leichter Zug von Schelmerei kam und verschwand rasch auf ihrem schönen Gesicht – » seine Hochzeit in Person mitzufeiern , und wenn ich übers Meer her kommen müßte . In zwei Jahren wird er so gestellt sein , daß er die treue Braut aus seiner ehemaligen Garnison Magdeburg heimholen kann . « Die Züge des Gutsherrn hellten sich auf , als gehe ein Leuchten durch seine Seele . » Und übers Meer würden Sie dann kommen ? – Will denn Fräulein Erzieherin ihr Glück drüben versuchen ? « Sie zuckte die Achseln . » Vielleicht ! « sagte sie kurz obenhin und fuhr mit den schlanken Fingern über die Sichelklinge , als gelte es , einen Fleck wegzuwischen . » Lassen Sie das ! « wehrte er ihr gereizt . » Sie werden sich verletzen ! – Werfen Sie doch das Ding da fort ! – Sie brauchen es nicht mehr , so wenig wie Ihre Dame die Blumenmalerei ! « Das Mädchen ließ die Rechte mit der Sichel sinken ; es fiel ihr aber nicht ein , das Gerät auf die Erde zu werfen . » Ich werde so lange arbeiten und auf meinem Posten bleiben , bis ein Ersatz für mich da ist , « entgegnete sie ernst gelassen . » Und weshalb › meine Dame ‹ auf eine Kunst verzichten soll , die sie liebt , das verstehe ich nicht . « » Ei , sagten Sie denn nicht , daß sie über das Meer gehen würde ? Nun sehen Sie , das ist der direkte Weg ins Schlaraffenland , zu dem erträumten Diamantenprinzen ! « Sie verzog geringschätzend die Lippen . » Was doch solch ein reicher Mann für eine hohe Meinung von der Macht des Besitzes hat , « sagte sie bitter . Er lachte . » Wäre sie etwa falsch , diese Meinung ? Gott bewahre ! Sie bestätigt sich alle Tage ! – Geben Sie einen Diamantenregen über Kopf und Schultern , einen Palast in volkreicher Großstadt und ein märchenhaftes Sommerhaus inmitten reicher Pflanzungen , und solch ein begehrliches Erzieherinnenpersönchen wird den Spender all dieser Herrlichkeiten hinreißend finden , und wäre er schwarz und roh wie der Teufel selbst ... Glauben Sie das nicht ? « » Mein Gott , ja – wenn Sie es sagen ! « antwortete sie ebenso leichthin , wie er gesprochen . » Die eine , die ich meine , hat ja auch ihren Sparren . Ist es nicht grenzenlos vermessen , daß sie sich auch erlaubt , Neigungen und Vorurteile zu haben , ganz wie Sie ? Ich weiß , daß sie den Vorzug des Reichtums genau auf dieselbe Stufe stellt , wohin Sie die verhaßten Erzieherinnen verweisen – tief unter ihre Wünsche . « Die tiefste Gereiztheit sprach aus dieser scharfen Antwort ; aber er schien es nicht zu fühlen . » Ach , lassen Sie sich doch so etwas nicht weismachen ! « lachte er . » Sie sind ein kluges Mädchen , an Geist für mich eine Art Wunderkind Ihrer Kreise ; aber das innerste Wesen Ihrer Gebieterin ist Ihnen doch ein Buch mit sieben Siegeln geblieben . – Sie belügt Sie ! Darum fort mit ihr nach dem ersehnten Eldorado ! Ich wünsche ihr von ganzem Heizen fröhliches Gelingen ! Mag sie doch nach ihrer Weise glücklich werden , wenn sie nur – ihren Schatten zurückläßt ! ... Sie gehen nicht mit – nein ? – Sie bleiben im Hirschwinkel ? « sagte er nach einem tiefen Atemholen fast bittend . Aber das ließ sie unberührt . » Hier bleiben ? – Um vielleicht auf mein Schicksal zu warten ? « fragte sie unbeschreiblich herb und spöttisch zurück . » Es würde wohl rascher kommen , Sie wegzuholen , als Sie denken , « versetzte er in seltsam stockender Redeweise – klang es doch , als klopfe ein ungestümes Herz in diesen unsicheren Tönen . Er trat ihr plötzlich näher , aber da wich sie erschreckt , mit tiefverfinstertem Gesicht zurück und erhob wie in unwillkürlicher Notwehr die Rechte – die Eichelklinge blitzte zwischen ihnen auf . » Ich werde Ihnen wohl dieses abscheuliche Spielzeug wegnehmen müssen ! « zürnte er und griff mit einer raschen Bewegung zu ... Es geschah mit Gedankenschnelle , aber wie es geschehen , mußten wohl beide nicht – er fuhr zurück , und das Mädchen stieß einen Schrei aus und schleuderte die Sichel weit von sich . » Trag ' ich die Schuld ? « stammelte sie entsetzt . » Und wenn ? War es nicht recht so ? « fragte er , während er sein Taschentuch hervorholte und es um die verletzte Hand wickelte . » Strafe muß sein ! – Daß doch solch ein dummer Teufel nie gewitzigt wird ! « – Er verzog den Mund zu einem flüchtigen Lächeln des Spottes , das die schönen , festen Zähne sehen ließ . – » Ich wußte schon am ersten Tage – da auf der Brücke bei der Schneidemühle , wo ich so köstliche Antworten bekam – daß die Disteln in Thüringen abscheulich stechen , und nun bin ich doch wieder so einfältig gewesen , ihnen ins Gehege zu laufen . « – Er verbeugte sich ironisch tief . – » So , nun sind wir quitt , schöne Prüde ! Ich habe meinen Teil dahin ! « Sie antwortete nicht . In sich zusammengesunken hatte sie dagestanden und die Augen in unbeschreiblichem Schrecken auf das weiße Taschentuch geheftet , durch welches jetzt mit Blitzesschnelle große , rote Flecken drangen . Und nun , bei diesem Anblick , flog sie wie gejagt durch den Garten und verschwand im Himbeergebüsch . Trotz seiner tiefen Verstimmung mußte er lachen . Diese tapfere Heldin , die