und bedenkst nicht , was Du damit herausforderst ? Ist nicht Dein Ungehorsam , Deine Torheit Schuld an diesem ganzen Unglück ? Hättest Du meine Befehle befolgt und gewissenhaft über die Vorgänge im Hause gewacht , so konnte Dir das Erscheinen einer Gerichtsdeputation nicht entgehen , Du hättest mich rechtzeitig in Kenttnis gesetzt und ich konnte die Sache noch im letzten Augenblick hintertreiben . Du — Du allein hast mein und meines armen Kindes Lebensglück zerstört und statt , daß Du mich fußfällig um Vergebung bittest , macht du mir noch Vorwürfe . Wahrlich , man könnte darüber lachen , wenn es nicht zu traurig wäre ! “ „ Natürlich ! “ kreischte Bertha , „ nun muß ich Schuld sein , das könnte ich mir denken . Warum bliebst Du nicht selbst im Hause , warum paßtest Du denn nicht selbst auf ? Weil Du so wenig wie ich an eine derartige Möglichkeit dachtest und weil Du dem alten Zeugen Deiner Schande , dem Heim , aus dem Wege gehen wolltest . Was kann ich dafür , daß Du eine so unsaubere Vergangenheit hast , daß Du Dich vor jedem Bekannten aus früherer Zeit beiseite drücken mußt ! “ Leuthold bäumte sich auf . „ Schweig ’ , nichtswürdiges Weib ! Willst Du mich aufs Äußerste treiben ? “ „ Ja “ fuhr Bertha immer heftiger fort , „ ja jetzt is mir Alles einerlei . Ein anderes Vergnügen erwartet mich an Deiner Seite doch nicht mehr , als das , Dir wenigstens einmal gründlich die Wahrheit zu sagen . Ich gehe fort von Dir nach Hause . Ich will mich mit meinem Vater versöhnen , so lange es noch Zeit ist . Vielleicht übergibt er mir das Geschäft , ich verstehe es zu führen und kann ’ s noch zu was bringen . Das ist jedenfalls eine bessere Aussicht , als mit Dir zu hungern . Mein alter , ehrlicher Vater hat Recht gehabt , als er mich vor Dir warnte , — weiß der Kukuk , was mich damals auf Deine Klappergestalt so erpicht machte , — es reizte meine Gutmütigkeit , Dich auszupolstern . Aber von Anfang an sahe ich ein , was ich an Dir hatte ; Gott erbarme sich — eine Masse Geist und Gelehrsamkeit , womit ich nichts anzufangen wußte , und ein vornehmes , eiskaltes Wesen , bei dem nie wohl werden konnte . Nach den ersten paar Monaten unserer Ehe gab es den Skandal mit dem Hilsborn ; der Vater wollte , ich sollte mich von Dir trennen , Du schwindeltest mir von Deinem Bruder vor , der ein Trinker sei , der Dich reich machen werde und ich glaubte Dir , überwarf mich mit meinem Alten und ging mit Dir in diese Einöde . Was hatte ich nun davon ? Mein kleines mütterliches Vermögen brockte ich während der zehn Jahre in die Wirtschaft , damit Du Deinem Bruder gegenüber den Uneigen ­ nützigen spielen konntest . Auf jedes Vergnügen ver ­ zichtete ich , Theater , Konzerte , Gesellschaft , das Alles gab ’ s ja hier nicht , und ich entbehrte es willig in der Voraussicht einer besseren Zukunft . Ich habe gehorsam und geduldig mit Dir erbgeschlichen bei dem Trunkenbold — dem Hartwich — und nun habe ich Zeit , Jugend , Geld und Alles hingeworfen für Nichts , und soll mich nicht einmal beklagen dürfen ? Und soll mich womöglich noch höflichst bedanken und sagen : Du lieber Mann , Du hast mich zwar um Alles ge ­ bracht , Du hast mir zwar vorhin gezeigt , daß Dir ’ s auch nicht darauf ankäme , mich , gelegentlich zu er ­ würgen — dennoch aber will ich so frei sein und bei Dir bleiben , damit Du doch ferner den Genuß hast , mich roh , gemein und nichtswürdig zu schimpfen und mir zu zeigen , mit welcher Hand ich die Kartoffeln in den Mund stecken muß , die wir zu essen haben werden . Nicht wahr , so soll ich sprechen ? Ja . . . “ Leuthold hatte ihr aufmerksam zugehört und im Laufe der langen Rede seine alte Ruhe wieder gewonnen . „ Das heißt mit andern Worten , Du willst mir zu meinem sonstigen Unglück die Zugabe Deiner liebenswürdigen Persönlichkeit ersparen und mir über ­ lassen , mein schweres Geschick allein zu tragen , — nun das ist immerhin anerkennenswert — und wenn Du eine Scheidung willst , so habe ich nichts mehr dawider . Nur bitte ich , daß Du den Anlaß dazu gibst — damit ich nicht meinen guten Namen bloßstellen muß . Wir haben uns anständig betragen , daß es uns die Gerichte von der Unmöglichkeit eines weiteren Zusammenlebens zu überzeugen . Scheidungsgrund gefunden oder zu Stande gebracht werden und dazu wirst Du dich bequemen müssen . “ „ So ! “ rief Bertha , „ ich soll wohl einen Skandal machen , damit die Leute mit Fingern auf mich zeigen und der Wolf im Schafskleide als Opferlamm bedauert wird ? Nein , nein — so dumm bin ich nicht . Da würde sich mein Vater auch nicht mehr mit mir aussöhnen und ich hätte dann gar nichts ! “ Leuthold ging nachdenklich im Zimmer auf und ab . „ Es war der größte Fehler meines Lebens , daß ich vor zehn Jahren auf kein anderes Mittel verfiel , mir das Reisegeld nach Triest zu verschaffen , als in ­ dem ich Dich heiratete ; ich hielt Dich für unschäd ­ licher , als Du bist . Ich habe mich zehn Jahre lang von Deiner Plumpheit und Beschränkteit peinigen lassen , denn für einen Mann , wie ich , ist ein Weib , wie Du , eine fortwährende Verlegenheit ; so etwas greift mit der Zeit die Nerven an . Jetzt aber sehe ich , daß Du auch wirklich bösartig werden kannst und nicht einmal so viel Gefühl hast , um Deinem Kinde Mutter zu sein und es zu