» Die Langeweile , von der du sprichst , Ruth , kann doch nur da vorkommen , wo ein Ehepaar keine andere Beschäftigung hat , als nur sich zu leben , das heißt , wo der Mann keine Stellung und kein Amt besitzt , als etwa seine Renten einzuziehen und seine Zinsen zu berechnen , und die Frau ihrem Hause nicht vorzustehen braucht , weil sie sich Leute genug halten kann , nur Toilettensorgen hat und Bälle und Gesellschaften besucht . Wenn aber der Mann ein Amt bekleidet , die Frau wirklich Hausfrau ist , das heißt ihrem Haushalt vorsteht , teilnimmt an der Wirtschaft , für Mann und Kinder sorgt , da sind die wenigen Stunden , die sie zusammen verleben , für den müdegearbeiteten Mann Erholungsstunden , und ich glaube nicht , daß die Langeweile einkehren wird . « Bergen nickte ihm zu , aber Ruth bemerkte nachlässig , an solch bürgerliche Verhältnisse habe sie nicht gedacht . » Ja , ich denke mir es wenigstens so « , meinte Eberhardt , ihre Bemerkung überhörend , » und wenn ich verheiratet sein werde und , müde und bestaubt vom Dienste , in mein behagliches Heim komme , wo meine Frau mich empfängt , so bin ich überzeugt , daß ich nie Langeweile verspüren werde . « Ruth machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand , als wollte sie sagen : » Hör auf ! hör auf ! « und der Baron mischte sich in das Gespräch : » Nun ist ' s genug des Disputierens . Ihr sprecht wie Blinde von der Farbe . In der Ehe kommt alles mögliche vor , auch Langeweile . Bergen nimmt es förmlich übel , daß man an die Möglichkeit denkt , Hanna könnte sich mit ihm langweilen . Wilhelm rollte eine wahre Idylle vor unseren Augen auf – man sieht ihn schon von einem anstrengenden Marsch sich auf das Sofa strecken , und die allerliebste Frau bringt ihm eine Tasse Kaffee – nur Grete sagt nichts . Was meinst du denn dazu , kleine Weisheit ? « Ich saß stillselig dabei , präsentierte wirklich in Gedanken Eberhardt eine Tasse Kaffee und wischte ihm den Staub von der Stirn . Oh , was für ein reizendes Bild hatte er da hingezaubert ! » Was ich dazu sage ? Ich denke , wenn sich ein Paar Menschen recht liebhaben , dann ist alles wunderschön , sogar die Langeweile ! « Ein freudiger Blick Eberhardts lohnte mir , der Baron und Hanna lachten , nur Frau v. Bendeleben und die schöne Witwe schienen längst an etwas anderes zu denken . Ruth erhob sich , erklärte , sie sei angegriffen , und zog sich zurück , nachdem sie nochmals Eberhardt freundlich zugelächelt hatte , als er ihr die dargereichte Hand küßte . Mich hatten die einfachen Worte Eberhardts so glücklich gemacht , daß ich am anderen Tage ohne Neid mit ansah , wie Gräfin Satewski mein Pferd bestieg , um mit dem Brautpaar und Eberhardt bei der ungewöhnlich milden Luft einen Spazierritt zu machen . Es war kein drittes Damenpferd im Stall , und da die schöne Frau durchaus Luft schöpfen wollte und den Vorschlag des Barons , zu fahren , mit Achselzucken ablehnte , so wußte man keinen anderen Rat , als mich pro forma zu ersuchen , Frau v. Bendeleben Gesellschaft zu leisten , während die anderen ausritten . Ich sah , wie Eberhardt ihr die Hand bot , wie sie das Füßchen hineinsetzte und sich dann mit der Grazie einer vollendeten Reiterin in den Sattel schwang . Meine hübsche Suleika bäumte sich hoch auf , so energisch ergriff die kleine Hand den Zügel . Sie ritten nebeneinander , Bergen und Hanna waren schon voran , und ich stand am Fenster und fing den Gruß Eberhardts auf . Wie stattlich sah er aus ! Als sie nach zwei tödlich langen Stunden zurückkamen , die ich mit der seit ihrer Tochter Heimkehr merkwürdig schweigsam gewordenen Frau v. Bendeleben verlebt hatte , sah die schöne , junge Frau rot und ärgerlich aus . Sie ging sofort in ihr Zimmer und kam erst zum Abendessen herüber . Hatte sie geweint ? Es war , als ob die großen , dunklen Sterne noch in Tränen blitzten . Pastor Renner war erschienen . Eberhardt schritt diesmal rasch an seiner Cousine vorbei und bot mir den Arm . Sie ging mit dem » für mich eingeladenen Kavalier « zu Tische . Das amüsierte mich . Als im Laufe des Abends Eberhardt Gelegenheit hatte , mit mir einige Worte leise zu sprechen , sagte er : » Man scheint hier Pläne für deine Zukunft zu schmieden , nimm dich in acht . « Ich verstand ihn damals nicht recht , und erst als Hanna mir später , kurz vor der Hochzeit , erzählte : » Gretel , unten haben sie heute nachmittag Heiratspläne für dich gemacht « , ging mir ein Licht auf . » Wer hat diese Plane gemacht ? « fragte ich . » Nun , Mama , Papa und Ruth . « » Wen soll ich , und wer soll mich denn beglücken ? « » Na , Gretel , welche Frage ! Es gibt nur einem , und dieser eine ist der Pastor , Mamas erkorener Liebling . « Ich mußte doch lächeln , obgleich ich mich ärgerte , aber ich dankte Gott , daß ich nun wußte , wie es stand . Ruth hatte mich in letzter Zeit mit herablassender Freundlichkeit behandelt . Sie war launisch wie immer , hatte meistens Kopfschmerzen , und hielt es nur dann der Mühe wert , einigermaßen liebenswürdig zu sein , wenn Bergen und Eberhardt erschienen . Von ihrer Absicht , nach Wien zurückzukehren , sobald die tiefste Trauer vorüber sei , sprach sie nicht mehr . Auf die vielen Briefe an die alte Gräfin Satewski war nämlich anfänglich keine Nachricht , dann aber ein Brief ihres Sekretärs an die verwitwete Gräfin Satewski , Hochgeboren , eingelaufen , mit