Bild wurde auf der vorherigen Seite zusammengesetzt . [ 122 ] und sehnlichst erwartete Hoffnungen zertrümmerte in Bezug auf Heinz und seine Schwester ! Es war , als sollte der Stern der Behaglichkeit und Sorglosigkeit nie über den Kerkows aufgehen . Und wie sich das abspielte , mit immer neuen unerwarteten Wendungen ! Wenn man sich nur wenigstens aussprechen könnte ; aber mit Heinz war gar nicht zu reden und Hede sollte nichts erfahren , das war sein dringender Wunsch gewesen . Und wenn man seinen Wunsch nicht respektierte , so gab es kleine Scenen mit ihm , und vor diesen hatte Frau von Gruber Furcht . Er sagte zwar nicht viel , aber das Wenige waren Worte , so kantig und scharf , daß sie wie Dolchstöße in das Gewissen fuhren . Sie seufzte , klingelte und ließ sich vom Diener Schreibmappe und Tintenfaß bringen , dann sich emporsetzend , schrieb sie auf dem Tischchen , das neben ihrer Chaiselongue stand , an ihre wärmste Freundin , eine Frau von Schliefe , die als behäbige Großmama im erste Stock ihres schönen Schlosses in Schlesien saß und keine weiteren Sorgen kannte als die , welche ihr die Enkelkinder mit Scharlach oder Masern , oder mit ihrer Wildheit drunten in der Wohnung des Sohnes bereitete . „ Vergönne mir , liebe Klementine , “ begann sie , „ daß ich wieder einmal mein Herz vor Dir ausschütte . Wenn in Deinen Sonnenschein ’ mal ein wenig Schatten fällt , so ist ’ s fremder Schatten , der Dich nicht frieren macht , Dir höchstens das Leben ein wenig interessanter erscheinen läßt , schon deshalb , weil Du an unseren Widerwärtigkeiten die Größe Deines Glückes ermessen kannst . Ich schrieb Dir ausführlich damals die ganze Begebenheit mit dem Heinz Kerkow , daß er sich verlobt habe mit Toni Ribbeneck , die einen recht netten Geldsack vom alten Dietz Ribbeneck , der ehemals auf Karlitzke in Pommern saß , geerbt hatte , und auch , daß der Junge hier den Duodezposten eines Hofmarschalls an unserm Duodezhöfchen bekam . Na , Passion ist ’ s ja leider von ihm nicht gewesen , aber , lieber Gott , bei den Verhältnissen , in denen er steckte , war die Toni der Strohhalm , nach dem er griff und greifen mußte . Was für Aerger und Mühe ich meinerseits , ehe es soweit war , hatte , um Beides zu machen , die Braut und den Hofmarschall , na , Du weißt ’ s ja aus meinem Briefe ! Was geschieht nun ? – Wenn Du es in einem Buche läsest , würdest Du rufen : Unmöglich ! Unwahrscheinlich ! Und doch ist alles , was nun folgt , nackte Wirklichkeit ! – Also , er hat sich in seine neue Thätigkeit eingearbeitet , die Hochzeit ist bestimmt , Durchlaucht sehr gnädig , sehr liberal , erteilt vier Wochen Urlaub für die Hochzeitsreise , ich erbiete mich natürlich zur Stellvertreterin für Toni , und am dritten Feiertag soll die Hochzeit sein , d. h. nun in acht Tagen ! – Doch , was geschieht vor vier Tagen ? Hede Kerkow , die jüngste Schwester von Heinz , soll abends ankommen , er hatte auf ihrer Anwesenheit bestanden , und da das junge Ehepaar beabsichtigte , am Hochzeitstage abzureisen , lud er sie schon zeitig ein , um noch mit ihr zusammen zu sein . Durchlaucht hatte gnädigst erlaubt , daß sie hier Gast sei während der Zeit . – Mir war schon aufgefallen , daß Toni sich , sobald auf die Verwandtschaft von Heinz die Rede kam , sehr absprechend und still verhielt , unter uns – liebenswürdig ist sie nun einmal nicht ! – – Um Mittag dieses Tages trifft sich das Brautpaar , wie immer , in meinem Salon . Ich sehe schon Heinz an , daß ihm irgend etwas geschehen sein muß , er ist blaß , und die gleichmäßige Ruhe , die er sich angewöhnt hat , scheint ihm völlig abhanden gekommen . Ich denke also , er hat Aerger gehabt mit den Beamten – kommt ja alle Tage vor , und leicht ist es nicht für einen Offizier wie er , wenn er plötzlich Haushaltungssorgen hat , denn weiter ist ’ s ja doch im Grunde nichts , aber er erwidert nichts auf meine Frage als : Ich habe ein paar unangenehme Nachrichten bekommen , die eine über Hedes Befinden von unserm alten Hausarzt , die andere – über die spreche ich später mit Toni allein ’ . Toni nun hat ein bemerkenswertes Talent , Unangenehmes nicht zu hören . Sie fängt also auch gleich von ihrem Teppich an zu reden , den ihr die Herzogin kürzlich schenkte , einem echten Smyrna . Heinz kommt wieder auf den Brief des Arztes und sagt , sehr freundlich neben Toni Platz nehmend . ’ Hede macht mir Sorge , ich möchte sie bei uns behalten , Toni , ich kann sie dem einsamen kummervollen Leben nicht länger aussetzen Sie ruiniert sich mit ihrem Unterrichtgeben , sie bekommt fünfundsiebzig Pfennig für die Stunde ; sie reibt sich auf , um das tägliche Brot zusammenzubringen . ’ Toni verfärbte sich vom Blassen bis zum Dunkelroten , rollte ihre Gürtelschleife zwischen den Fingern und antwortete : ’ Du kannst ihr ja lieber einen Geldzuschuß monatlich schicken ’ . ’ Damit ist ihr nicht gediente , ’ sagte er noch ganz ruhig , ’ sie muß besser essen , sie kann sich kein Mädchen halten , und die Zeit , für sich Speisen zu bereiten , fehlt ihr . ’ ’ Warum speist sie nicht in einem Gasthaus ? ’ ’ Nun , ich sehe , du willst nicht darauf eingehen , ’ sagte er , aber ich kann dir diesmal nicht helfen , ich bestehe darauf , für ein Jahr wenigstens . Ich bitte dich , Toni , es ist die letzte Verwandte , die ich habe , denn meine irre Schwester – die – ’