Haushalt , “ sagte die alte Frau . Heute nun schüttelte und rüttelte es schon den halben Nachmittag ganz gewaltig in den ehrwürdigen Nußbäumen hinter dem Hause , und Blätter und Früchte fielen zur Erde , auf der eine große Leinwandplane ausgebreitet lag ; der Peter und der Christel schlugen mit langen Stangen unbarmherzig in das Gezweig , und drei bis vier Kinder krabbelten jubelnd am Boden und überkugelten sich ordentlich in der Hast des Aufsammelns . Lieschen , welche heute Besuch von Nelly hatte , war vor Kurzem erst mit dieser von den Kindern hinweg und aus dem Garten gegangen , und nun standen die beiden Mädchen in der Laube vor dem Hause , an dem Sandsteintische , über den die Muhme ein weißes Dach deckte , und warteten schweigend , bis [ 756 ] die Alte das Kaffeegeschirr von der Bank genommen und auf den Tisch gestellt hatte . „ Muhme , nicht wahr , Du trinkst Deinen Kaffee hier draußen bei uns ? “ fragte Lieschen , als jene fertig war . „ Kann ich thun , “ erwiderte die Muhme , „ in der Wohnstube ist ohnehin Besuch . “ Sie setzte sich zu Nelly auf die Bank und bat Lieschen , ihr eine Tasse zu holen . „ So fleißig ? “ meinte sie dann , als das junge Mädchen neben ihr aus einem Körbchen eine Stickerei hervorgezogen hatte und eifrig zu sticken begann . „ Für den Army ein Hochzeitsgeschenk ! “ erwiderte diese freundlich . „ Lieber Gott , “ sagte die alte Frau , und nahm dankend die gefüllte Tasse aus Lieschen ’ s Hand , „ er ist auch noch recht jung ; es ist mir immer , als sei es erst gestern , da er über den Mühlensteg gesprungen kam in seinem schwarzen Sammetkittel . “ Nelly nickte , Lieschen aber sah unwillkürlich hinüber zu der kleinen Brücke , unter der das Wasser klar und straff dahinschoß . „ Wer ist denn beim Vater drinnen ? “ fragte sie mit gepreßter Stimme , als wollte sie das Gespräch auf etwas Anderes lenken ; zu gleicher Zeit lächelte sie ihrer Mutter zu , deren Gesicht einen Augenblick am Fenster sichtbar wurde . „ Ein fremder Herr – ich kenne ihn nicht “ , antwortete die Muhme , setzte dann aber plötzlich ihre Tasse hin , schob die Brille etwas herunter und sah darüber hinweg scharf nach dem Wege jenseits des Wassers . „ Heiliger Gott , “ sagte sie dann , „ war das nicht die Sanna , Nellychen , die dort zwischen den Bäumen ging ? Jetzt ist sie hinter den Ellern und Weiden , – ich habe sie lange nicht gesehen , aber ich meine , ihr Gang ist ’ s gewesen . Siehst Du , wahrhaftig sie ist ’ s , “ rief sie und deutete auf die große Gestalt in dem dunklen Kleide und der weißen Schürze , die eben eilig die Brücke betrat . „ Die Sanna ! “ rief auch Nelly und sprang auf , „ mein Gott , was ist denn da passirt ? “ „ Die Frau Baronin lassen bitten , “ tönte die fremdartig accentuirte Stimme der alten Dienerin , deren harte Züge von eiligem Gehen geröthet erschienen , „ das gnädige Fräulein sollen sofort zu ihr kommen . “ „ Um Gott , Sanna ! “ fragte hastig das junge Mädchen , ihre Stickerei zusammenraffend , „ was ist passirt ? Zur Mama soll ich kommen oder zur Großmama ? “ „ Zur Frau Großmama natürlich , “ erwiderte die Alte , ohne auch nur den Blick zur Muhme oder zu Lieschen zu wenden , die der Freundin behülflich waren , die bunte Wolle in den Korb zu legen , „ die Frau Großmama ist sehr böse , daß Sie nicht zu Hause waren , so böse , daß ich mich sofort aufmachte , um hierher zu laufen , weil die Frau Mama meinte , Sie wären wieder in der Mühle , und Heinrich hatte keine Zeit ; er muß Briefe auf die Post tragen . “ „ So sag ’ s doch , Sanna , “ bat Nelly und schaute angsterfüllt zu der großen hageren Frau hinauf , „ ist jemand krank oder sind schlechte Nachrichten da ? “ „ Die Frau Großmama hat einen Brief mit einer Trauernachricht bekommen , “ erwiderte die Alte und streifte mit finsteren Blicken die Muhme , die aufgestanden war . „ Um Gotteswillen ! “ schrie Nelly , und schaute mit Entsetzen zu Sanna hinüber , „ es ist doch nicht Army ? Sanna , liebste Sanna , Du weißt es gewiß – sag ’ s doch ! Ich bitte Dich , “ und sie lief zu ihr hinüber und faßte flehend ihre Hände . Lieschen aber setzte sich auf die Steinbank , es war ihr , als trügen sie ihre Füße nicht länger , und sie schaute mit großen weitgeöffneten Augen wie abwesend auf die Gruppe . „ Ich weiß es nicht , “ erwiderte achselzuckend die alte Dienerin , während Nelly die Hände vor ’ s Gesicht schlug und abermals schluchzend ausrief : „ Army ! Allmächtiger Gott , wenn es Army wäre ! “ „ Beruhige Dich , Nellychen , “ tröstete jetzt die Muhme und nahm das weinende Mädchen in die Arme , „ Dein Bruder ist es nicht ; sie würde sonst nicht so ruhig dastehen – geh rasch nach Hause und sei getrost ! Er ist es nicht . “ „ Ach , Muhme , “ schluchzte sie , „ ich kann vor Angst kaum stehen . “ „ Meinen Sie nicht , gnädiges Fräulein ! “ sagte nun auch die alte Sanna , das „ gnädige Fräulein “ scharf betonend ; „ die Gräfin Stontheim ist gestorben , mir hatte aber die Frau Großmama verboten , hier in der Mühle davon zu sprechen , denn sie will alles Geklatsche möglichst vermeiden , und hier – “