. Es stimmt noch in Brust und Rückgrat , und von dem bißchen Grau sprech ich nicht , das kleidet Euch . Aber wie steht es hier ? « und dabei stieß er leise mit dem Finger auf Baltzer Bocholts Herz . Der verfärbte sich . » Und « , fuhr Schliephake fort , » wie steht es mit Eures Weibes Herz ? Ihr sollt mir die Frage nicht beantworten , und vielleicht auch könntet Ihr ' s nicht . Denn wer liest in anderer Leute Herzen und nun gar in eines Weibes Herz ! Aber das will ich Euch sagen : auf das Herz kommt es an ; das Herz entscheidet . Und wo Freude wohnt , da gibt es Leben , und wo Leid wohnt , da gibt es Tod . Und das Leid hat eine große Gevatterschaft : Angst und Not und Kummer und Reu . Und wenn Ihr so feste Rippen hättet wie der Halberstädter Roland und es zehrte was hier , so wär es nichts mit Eurer Kraft . Und an jedem zehrt es mal , mal so , mal so , und wandelt ihm die Kraft in Unkraft . Im Letzten freilich ist alles Geheimnis , es heiße nun Leben oder Tod . Aber das ist gewiß , Eures Kindes Herz ist krank , und es muß sterben . « Ein Verdacht , ähnlich dem , den er gegen Melcher Harms hegte , schoß einen Augenblick in des Heidereiters Herzen auf . Aber er bezwang sich rasch wieder und dankte dem Alten für seinen Rat , so schmerzlich ihm derselbe gewesen . Und danach bat er ihn noch , ihm , wie er ' s vorgehabt , etwas für das Kind aufschreiben zu wollen , wenn auch nur zum Schein und um der Frau willen . Und als er den Zettel in Händen hatte , ging er murmelnd und kopfschüttelnd aus dem Hause , um Hilden aufzusuchen . Er war fest entschlossen , ihr von dem angeblich hoffnungslosen Zustande des Kindes nichts zu sagen , und fand sich um so leichter in diese Rolle hinein , als des alten Schliephake Wort ihn noch viel mehr verdrossen als betrübt hatte . Wohl , er liebte das Kind ; aber wenn es doch nicht leben konnte , so war es am besten tot . Er blieb nicht lange mit Hilde , ging vielmehr bald auf die Wiese hinaus , wo das Freischießen schon im Gange war , und freute sich , als er von der angeheiterten Gesellschaft mit einem Hoch empfangen wurde . Hart am Scheibenstande plätscherte die Ilse vorüber ; am anderen Ufer aber stieg der Unterbau des alten Schlosses auf , und von allen Seiten her schmetterte Musik und klang aus den Bergen wider . » Nun , Heidereiter « , rief ihm einer von den Ilseburgern zu , » schießt für mich . Ich bin an der Reihe , so habt Ihr den ersten Schuß . « Und er nahm es an . Aber die Kugel traf nur den Rand , und allerlei Stichelreden wurden laut , die den Alten in seiner Eitelkeit und Standesehre verdrossen , so wenig böse sie gemeint waren . Und als auch ein zweiter Schuß wieder ein Fehlschuß war oder doch nicht viel besser , verließ er auf Augenblicke den Schießstand , um in der Budenreihe , die den Schützenplatz einfaßte , sein Glück zu versuchen . Er wollte dem Kinde ein Spielzeug gewinnen , oder vielleicht war auch ein Aberglaube dabei , und so warf er denn dreimal und zuletzt so heftig , daß der eine der drei Würfel über die Bande sprang . Aber er blieb jedesmal unter zehn , und weil er nicht mit leeren Händen heimkehren wollte , wie wenn er des Kindes gar nicht gedacht hätte , so sah er sich gezwungen , einiges von dem Spielzeug zu kaufen . Und danach ging er auf einem Umwege wieder an den Schießstand zurück . Auf diesem jedoch stellte man eben das Schießen ein , und er kam nur noch zu rechter Zeit , um sich einem abziehenden Trupp Osteroder , deren Wiesen und Äcker mit Emmerode grenzten , zu gemeinschaftlicher Rückfahrt anzuschließen , allerdings erst , nachdem man vorher noch in dem großen und langgebauten Erfrischungszelt , an dessen Flaggenstange das braunschweigische Roß flatterte , gevespert und natürlich auch einen guten Trunk genommen haben würde . Und nicht lange , so saßen sie , jung und alt , um die langen , aufgenagelten Tische her und sprachen dem Einbecker Biere zu , das in diesem Zelt am besten und frischesten zu haben und eben deshalb auch eines besonderen Zuspruchs sicher war . Auch ein paar Ilseburger , die mit dem Heidereiter Freundschaft oder Gevatterschaft hielten , hatten sich eingefunden , und weil das gute Bier allen die Zunge löste , so gab es bald ein Erzählen von Krieg und Frieden und am meisten von den hannoverschen Rotröcken , die mit übers Wasser müßten , ohne Recht und Ordnung . Und sei ' ne Schand . Aber zuletzt kamen alle wieder auf das Nächstliegende zurück und sprachen von Diegels Mühle , die ja nun verkauft werden solle , nächsten Freitag schon , und auf siebentausend Gulden werde sie wohl kommen , oder noch höher , weil ja das ganze Elsbruch zugehöre , mitsamt dem Kamp oben und Ellernklipp . All das hatte sich bald an diesen und bald an jenen gerichtet , als aber das Wort Ellernklipp fiel , beugte sich einer von den Osterodern vor und rief über den Tisch hin : » Is et denn woahr , Heidereiter , wat se seggen ? « » Was ? « fragte dieser . » I , se seggen joa , et spökt upp Ellernklipp . Un schreegt un röppt . « » Unsinn « , preßte Baltzer heraus . » Und was ruft es denn ? « » Vader , röppt et . Ümmer man dat een . « Und der Heidereiter , der eben