Und ich habe festgestellt , daß die Personen und Familien , an die wir hier geraten könnten , nicht zur allerersten Gesellschaft gehören . Geradezu bei den Spitzen Besuche zu machen , dazu ist hier der Rahmen zu groß . Wir haben noch kein eigenes Haus , kein Auto . Mein Mann , dessen Klugheit ich bewundere , sagt , man muß den Gang der Geschäfte abwarten . Da dachte ich denn , auf irgendeine andere Weise anzuknüpfen . Es gibt ja so viele Wege . Zum Beispiel durch literarische , musikalische , wohltätige Vereine . In den letzteren findet man erfahrungsgemäß eher die Damen der ersten Gesellschaft als in den literarischen . Eine auswärtige Freundin riet mir , mich an den Verein der Senatorin Amster anzuschließen . « » So , hat die einen Verein ? « fragte er trocken . Aber er merkte scharf auf . » Ja , zur Rettung gefährdeter Mädchen aus dem Volke , zum Schutz unehelicher Kinder und so dergleichen . Ich bin gestern zu ihr gefahren , ließ mich in Vereinssachen melden , wurde angenommen und gern als Mitglied akzeptiert . Wie kann man eine Vorsitzende besser bestricken , als wenn man Vereinsmitglied mit vierfachem Beitrag wird . Ich brachte ihr auch einen Gruß von meiner , ihr freilich weiter nicht bekannten Freundin , die ein gerettetes Mädchen vom Verein bezogen hatte , und es interessierte die Senatorin sehr , zu hören , daß jenes Mädchen doch gleich wieder weggelaufen sei . - Daß mein Mann Ihr Kompagnon ist , kam natürlich zur Sprache . - Ja - und nun werde ich im Verein tüchtig mitarbeiten - allmählich wird man bekannter - es werden sich gesellschaftliche Beziehungen daraus entwickeln lassen , wenn man es klug anfängt . « » Ich habe das Vertrauen , daß Sie alles klug anfangen , « sagte er , während er ganz benommen dachte : dann war es doch dieser Lurch - der mit den Paketen - » Kluge Frauen sind bei Euch Männern nicht beliebt . « Es war eine jähe Wendung - mehr im Ausdruck und im Ton als in den Worten selbst . So ein gewisses Etwas , das sich herausspürte wie : die Vorrede ist erledigt . » O doch . Wenn sie auch Gefühle haben . Bei den Dummen fürchtet man die Sentimentalität . « » Sentimentalität ist schrecklich . Sie bedroht den Mann in der Liebe mit Szenen . Alle sentimentalen Frauen sind zäh und anklebend . Ich habe noch nie eine gesehen , die es verstand , sich in das Ende einer Liebe zu finden , « plauderte Julia . » Das verstehen auch die Klugen nicht . Jede Frau denkt , sie ist die Eine , die Auserwählte , die Liebe ohne Ende erwecken kann . « » Oh , « sagte sie mit funkelnden Augen , » es gibt auch Frauen , die die Poesie und die beglückende Schönheit eines Rausches begreifen - die nach dem Erwachen nicht klagen , sondern danken . Die das Wort Lebewohl ohne Bitterkeit sprechen . Die wissen , das Glück ist des Schmerzes wert . Die fühlen , durch Vorwürfe und Jammer entweiht man , was doch göttlich war « - - Sie schwieg . Eine lange Pause entstand . Allert sah ihr in die Augen - eine Welt von Sinnlichkeit schwamm darin . Er schwieg sehr lange . Nun schien sie das Gespräch ändern zu wollen - vielleicht , um es auf einem Umwege wieder zu schwülen Erörterungen zu bringen . Denn sie wußte wohl : es gibt keine bequemere Brücke als Redensarten über die Psychologie der Liebe . » Ich bin sehr viel allein . Mehr eigentlich , als erlaubt ist . Aber ich bewundere den Fleiß meines Mannes . « » Ja , er ist ein leidenschaftlicher Arbeiter . « Seine Blicke wanderten umher - er fühlte sich nervös , unfähig zu einem vernünftig sich fortspinnenden Gespräch . Er fragte gedankenlos nach einer Büste , an der seine Blicke zufällig hängenblieben - Julia stand auf - er mußte ihr folgen ; denn sie lud ihn mit einer Handbewegung ein , das Kunstwerk in der Nähe zu besichtigen . Mit einigem guten Willen erriet man , daß es den Dr. Dorne vorstellte . Julia legte die Rechte an den Sockel ; so neben der Säule mit dem Bildwerk nahm sie sich im rotgelben Licht sehr schön aus . » Es ist von mir selbst . Ich modellierte eine Zeitlang eifrig . Knud Mohr war mein Lehrer . Er war auch mein Freund - er war es , der mein Talent entdeckte - aber so ohne Mitarbeiter , ohne gleichgestimmten Freund hat man keine Inspiration . - Ach , es war schön damals - ich denke so gern daran zurück ! « - Allert sah und hörte ja , was das alles war . Eine von den Frauen war sie , die immer ihre geistige Richtung vom Mann bestimmen lassen , mit dem sie ein Verhältnis haben , die sogar in ihrer Anpassungsfähigkeit , die ihnen die Begierde gibt , ein dem seinen verwandtes Talent in sich aufblühen sehen . - Er wußte , das war das Satyrspiel zu einem tiefen , großen Naturwillen . Er sah ja auch , die Frau war auf der Suche . Wenn sie nicht gerade seines Teilhabers Frau gewesen wäre . - Kein Mann spielt gern eine Stockfischrolle . - Und einen Augenblick kecken Genießens - bei solchen Frauen vorwurfsfrei mitzunehmen - warum nicht ... » Inzwischen , « sprach sie halblaut weiter , » inzwischen habe ich auch begriffen , daß in unserer Zeit viel wichtigere Aufgaben im Vordergrund der Beschäftigung auch für die Frau stehen müssen . Ich versuche , mich mit den industriellen und merkantilen Fragen und der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage Deutschlands vertraut zu machen . Aber ich sehe schon , ich begreife nichts , alle Mühe wird verloren sein , wenn Sie mir nicht ein wenig dabei helfen . « » Leider