weißen Leinwandhosen , hinter ihnen her die Frauen mit dem Grützespann in der Hand . Hie und da blieb ein Paar an einer der kleinen Katen stehen ; der Mann öffnete die Tür , bückte sich , um hindurch zu gehen , die Frau folgte ihm ; so verschwanden sie in dem schwarzen Loche und mit einem knarrenden Ton fiel die Tür ins Schloß . Und als Hans und Doralice an ihrer Wohnung angekommen waren und er voran durch die Tür ging , sich ein wenig bückend , seufzte Doralice und dachte : » Das ist so wie bei den kleinen Katen ; man verschwindet still in dem schwarzen Loch , die Tür knarrt , die Welt voll schöner , erregender Möglichkeiten bleibt draußen . « Das Abendessen kam mit seinen Flundern und großen Kartoffeln , Hans aß eilig und viel , er sprach aufgeräumt mit Agnes und schien sich auf das Hinausfahren zum Fischfang zu freuen . Bald stand er vom Tische auf um sich umzukleiden und ging dann fort . » Gute Nacht , schlafe wohl « , sagte er und küßte Doralice auf die Stirn . Agnes brummte etwas von » in der Nacht fortrennen « und daß das keine Manier sei . Die Nacht brach herein , Agnes hatte die Lampe gebracht und sich mit einem mürrischen Gute Nacht entfernt . Doralice rückte den Sessel näher nach dem zum Meere geöffneten Fenster und streckte sich behaglich in ihm aus . Es schien ihr , daß da Bilder und Träume waren , die den ganzen Nachmittag über schon auf sie gewartet hatten , nun konnten sie kommen . Draußen war es sternhell , ein sanfter Landwind brachte von den Kleefeldern und Föhrenwäldern Düfte herüber . Das Meer hatte heute ein seltsam zögerndes , lässiges Rauschen . Zeitweise schien es zu schweigen , dann fuhr eine Welle auf und murmelte etwas und nach einer Weile erst erwachte eine andere und antwortete verträumt und auf den Kieseln des Strandes klapperten die schweren Schritte der stillen Liebespaare . Doralice hatte die Augen geschlossen und wollte ihren Gedanken nachhängen , allein aus den Gedanken wurde ein Traum und sie schlief ein . Sie träumte von dem Garten des Schlosses , sie ging mit Hilmar einen der geraden , endlosen Wege entlang und zu beiden Seiten auf den Beeten standen Gladiolen , ganz hohe feuerrote Gladiolen . Und plötzlich stand der alte Graf da mitten in einem der Beete , knietief in den Gladiolen . Sein Gesicht war klein , grau und kraus von Fältchen . Er stand da und schaute auf seine Uhr , die er in der Hand hielt . » Nun sieht er uns « , sagte Hilmar , » nun ist es gleich « und er beugte sich über sie und küßte sie . Und dann wußte Doralice , daß sie nicht mehr schlief , daß Hilmar da war , daß sie die ganze Zeit über auf ihn gewartet hatte und daß er sie küßte . Sie hielt die Augen noch geschlossen , erst als Hilmar ihre Hände nahm und sagte : » Wie kalt Ihre Hände sind , Sie frieren vor Einsamkeit « , da öffnete sie die Augen . Hilmar kniete neben ihr und seine Augen ruhten wieder auf ihr mit jenem eigensinnigen , gewaltsamen Begehren , das sie schwach machte , sie fast schmerzte . » Warum sind Sie hier ? « fragte sie . » Warum ? « erwiderte Hilmar ungeduldig , » wo soll ich denn anders sein ? Zu den anderen gehöre ich nicht mehr , das wissen Sie ganz gut , Doralice . « - » Nein , das ist schlecht « , erwiderte Doralice . » Schlecht , vielleicht « , erwiderte Hilmar , » aber unsere Schlechtigkeit , Ihre und meine . Und wenn die anderen verfluchen und verfemen , dann sind wir erst miteinander allein , so wie heute mittag auf dem Meer . Dann können wir uns ein Leben erfinden , das ganz unser Leben ist . Es ist ja zu dumm , immer das Leben zu leben , das die anderen sich für uns ausdenken . Nein , hören Sie , Sie können nicht das Leben des Herrn Grill leben , und ich kann nicht der Bräutigam meiner kleinen Heiligen sein , das ist doch verständlich . Also , morgen soll ich zu meinem Regiment zurück , um mich zu bessern . Aber Sie werden sagen , daß ich bleiben soll , und ich bleibe und das Regiment und die Uniform und alles , alles zählt nicht . Und Sie , Doralice , werden Herrn Grill entlassen . « - » Sprechen Sie nicht so « , unterbrach ihn Doralice . » Er ist gut . « » Gut ! Gut ! « rief Hilmar , » natürlich ist er gut , alle sind sie gut , die anderen , nur wir sind nicht gut , wir können nicht gut sein , daher sollen sie uns unseren eigenen Weg gehen lassen . « Doralice seufzte , seufzte ganz tief und sagte dann leise : » Jetzt müssen Sie gehen . « » Ja , jetzt , jetzt « , wiederholte Hilmar . Er schüttelte Doralices Hände , die er fest in den seinen hielt , und ein ausgelassener Triumph leuchtete aus seinen Augen : » Sie sagen jetzt , aber ich kann kommen und dann - dann - « Am Fenster , das nach der Düne hinausging , stand einen Augenblick Lolo und das weiße Gesicht schaute ernst in das Zimmer hinein . Lolo war , wie jeden Abend , mit Nini in ihre Giebelstube hinaufgestiegen und hatte sich zu Bett gelegt . Dort lag sie wach da und schaute mit weitoffenen Augen in das Dunkel hinein . Sie dachte ihren einen großen , unklaren Gedanken , den sie all diese Tage über mit sich herumgetragen hatte , der in ihr gewachsen und mächtig geworden war . Ein Opfer , ein Opfer wollte sie bringen .