suchte und fand . Er hatte von ihm oft kräftige Worte gehört , wenn er diese Welt pries , welche nur Dummköpfe als schlecht verschreien . Ein eifriger Kooperator hatte sogar arge Zweifel gehegt , ob Pfarrer Held sein Brevier fleißig lese . Er steckte wohl das heilige Buch in die Tasche , wenn er in den Garten ging , aber er nahm es selten heraus . Nun hatte Sylvester keine unehrerbietigen Bedenken gegen die Erwähnung des Gebetes ; er fühlte nur , daß dieses übliche Lob seinem Wohltäter nicht gerecht wurde und den Nachkommen nichts erzählte von den trefflichen Eigenschaften ihres alten Pfarrers . Sie hätten auf das Denkmal schreiben müssen , daß er keinen Menschen haßte , in allem das Gute suchte und die Armen nach des Heilandes Vorbilde liebte . So wäre es recht gewesen und nützlich für die Erlbacher . Sylvester bemerkte mit Unmut , daß geheime Einflüsse schon in den ersten Monaten das Andenken an Maurus Held trübten . Seine eigene Mutter schüttelte einmal bedenklich den Kopf , als er den Verstorbenen rühmte , und sie meinte , es wäre wohl alles schön , aber ob der selige Herr so recht eifrig im Christentum gewesen sei , das wisse sie nicht . Er fuhr zornig auf und wollte wissen , woher sie das habe . Und die alte Veronika Mang hatte Mühe , ihn zu beschwichtigen . Es sei nur ihre Meinung gewesen , und sie wolle nur ja dem guten Herrn Held nicht Unrechtes nachsagen . Aber weil er doch selbigesmal abgeredet habe , wie dem jetzigen Paulimann sein Vater tausend Mark hergeben wollte für eine Mission , daß die Kapuziner in Erlbach predigen sollten . Und da habe der Herr Held gesagt , es sei besser , wenn er das Geld dem Spital schenke . Deswegen habe sie das so gemeint . Daß auch der neue Pfarrer hinter dem Gerede steckte , sagte sie lieber nicht . Aber Sylvester ahnte es und dachte , es könne nicht ohne Zusammenhang sein , daß seine Mutter sagte , was er auch sonst zu hören bekam . Zum ersten Mal sah er den Undank und das oberflächliche Urteil der Menschen . Seine Begeisterung ließ ihm diese Fehler größer erscheinen , und er mußte die Enttäuschung stärker empfinden , weil es ihm an Erfahrung fehlte . Traurig und verstimmt kehrte er nach Freising zurück . Auch hier blieb ihm der Verlust fühlbar genug . Gerade in diesem letzten Halbjahre , welches er noch auf dem Gymnasium zubrachte , mußte er sich immer wieder an den väterlichen Freund erinnern . Sein treuer Rat fehlte ihm , und dann sein Beifall , als er die abschließende Prüfung bestand . Er wäre wohl freudiger an das Berufsstudium gegangen , wenn er noch das Beispiel Helds lebendig vor Augen gehabt hätte . Wenn er sich die Aufmunterung bei ihm hätte holen können . Das war nun alles so anders geworden . Als er mit der roten Absolventenmütze heimkam , ging er in den Pfarrhof . Es war ihm , als müsse er neben den Rosenstauden im Garten den weißhaarigen Herrn sehen und die freundliche Stimme hören . » Ei , sieh da , parvule , mit der farbigen Mütze ! Nun bist du hineingewachsen in den Rock und in die Gelehrsamkeit . Salve confrater in litteris ! « Aber der Mund war geschlossen für immer ; die lieben Augen , in denen ein gütiges Lachen saß , waren gebrochen . Zwei andere blickten Sylvester an . Zwei kalte Augen mit grünlichem Schimmer , und eine gleichgültige , harte Stimme fragte : » So , Sie sind der hiesige Student ? Ich habe von Ihnen gehört . Sie wollen Geistlicher werden ? « » Ja . « » Man sagt mir , daß mein Amtsvorgänger Sie unterstützt hat . « » Ich verdanke ihm viel . « » Hat er Ihnen pekuniär geholfen ? « » Nein , das nicht . « » Ich fragte nur , weil ich bemerken wollte , daß ich nicht in der Lage bin zu so was . « » Ich danke Ihnen , Herr Pfarrer . Aber ich habe , was ich brauche . « » Ihr Vetter , der Spanninger von Pasenbach ... « » Der läßt mich studieren , ja . « » Da brauchen Sie freilich keine Hilfe . Es kommt nur zu oft vor , daß man uns in Anspruch nimmt . In meiner ersten Pfarrei , in Breitenau , mußte ich bei zwei mittellosen Studenten ab und zu aushelfen . Man tut es ja gerne , wenn es einigermaßen geht . Nun , Sie bleiben in den Ferien hier ? « » Ja . « » Da sehen wir uns wohl oft in der Kirche . Also guten Tag ! « Die grünlichen Augen blickten Mang während des Gespräches lauernd an . Sie glitten an ihm hinauf und hinunter , und wenn er sie fest ansah , huschten sie weg . Und dann schoben sich feuchtkalte Finger in die Hand Sylvesters und zogen sich wieder zurück : ohne Druck , glatt , wie sie gekommen waren . Sylvester verabschiedete sich . Der ehrliche Bursche hatte nasse Augen , als er das Haus verließ . Aus allen Ecken heraus hatten ihn Erinnerungen gegrüßt . Nun war es so ganz anders ; ein bitteres Gefühl der Verlassenheit überkam ihn . Und verließ ihn nicht mehr alle die folgenden Wochen . Er hörte zerstreut zu , wenn seine Mutter von der schönen Zukunft erzählte . Von der ersten heiligen Messe , bei welcher Veronika Mang den glückbringenden Segen ihres Sohnes erhalten sollte ; von dem großen Pfarrhofe , in welchem Veronika Mang ihre alten Tage beschließen würde , und von dem seligen Absterben , welches nunmehr der Veronika Mang durch die Gnade des Himmels beschieden sein werde . Hier und da mußte er lächeln , wenn die Alte über die Jahre hinwegsprang und sich in die Frage vertiefte , ob der künftige Pfarrer die