stand , und er begann seine Pläne darzulegen . Schriften sollten verfaßt , wissenschaftliche Broschüren popularisiert werden , und diese Blätter wollte man gratis an die Schüler verteilen . » Und an die Schülerinnen , « riet Josefine . » Scheint es mir , auch an die Lehrer , « bemerkte Bernstein mit listiger Miene . » An die Lehrer ja , aber die Mädchen - nein , machen wir uns nicht zu mausig ! nur nicht zu mausig ! « fiel Helene Begas ein . » Muß man sich immer mausig machen , glaube ich ! « sagte Hovannessian unternehmend . Fräulein Helene wehrte ab . » Damit sie uns sofort das Handwerk legen ! Wenn wir die Schülerinnen wie erwachsene Mädchen behandeln , kriegen wir ' s mit den Eltern zu tun ! « » Trinken solche kleine Mädchen Wein ? « fragte Hovannessian sehr überrascht . » Na , Sie glauben wohl , daß die Mädchen hier Engel sind ? « rief Helene . » Ja , glaube wohl , « sagte er fröhlich . » Immer dachte ich , daß im Ausland sind solche Engel , wunderbare - - « Alle lachten , und Hovannessian lachte am herzlichsten . Rösli unter dem Schreibtisch starrte ihn wie verzaubert an . » Sind Sie wohl gar deswegen ins Ausland gekommen ? « spottete Helene . » Nein , « sagte er treuherzig , » zu studieren . « Bernstein verzog den Mund . » Ech ! Weiter ! weiter ! « Helene Begas konnte ihre gute Laune nicht bezwingen . » Na , haben Sie bei uns viele Engel gefunden ? « » Nein , « machte er , » noch nicht . « » Wieviel denn ? Oder gar keinen ? « » Bis heute ? Bis heute habe ich keinen gefunden . « » Aber heute einen gefunden ? « Er betrachtete die Scherzende freundlich , wie wenn sie ein kleines dummes Kind wäre , das durchaus eine Antwort auf eine dumme Frage verlangt : » Muß ich Ihnen sagen - ? « » Zur Sache ! « rief Zwicky , » also wollen wir die Schülerinnen von vornherein mithineinziehen - « » Nein ! nein ! Vorsichtig ! Sonst geht alles schief ! « warnte Helene . » Nun , warum denn ? Wir sind doch nicht in Deutschland ! « Zwicky hielt seine Rede . Er gab meistens Physiologisches . Mit besonderem Nachdruck verweilte er auf jenen Versuchen , die nachweisen , daß die feinsten Nervenendigungen der Hirnrinde durch den Genuß des Alkohols eine Lähmung erleiden , die nie wieder gehoben werden kann . Ein anwesender Gymnasiast schrieb eifrig nach , so , als ob er sich im Kolleg befinde . Helene Begas ergriff nach Zwicky das Wort . Sie schilderte das Elend in Trinkerfamilien mit Hilfe einer großen Reihe von Zahlen . Der Gymnasiast konnte fast nicht nachkommen . Er hatte ein blasses Gesicht mit einer großen Nase und einem keimenden Backenbart . Im Eifer des Schreibens erschien zwischen seinen vollen roten Lippen die Zunge und begleitete die Bewegungen der Hand . Die Kinder unter dem Schreibtisch ahmten es erst unwillkürlich und dann absichtlich nach . Hovannessian nickte ihnen zu und forderte sie pantomimisch auf , in seine Rocktasche zu steigen . Und dann , als das Fräulein gelesen hatte , sprach Hovannessian . » Geben Sie der Jugend eine Begeisterung , « sagte er , » etwas , wofür sie kämpfen soll , eine Idee ; begeistern Sie die jungen Leute , das ist , glaube ich , die Hauptsache . « Er war aufgestanden und sprach , hinter seinem Stuhl stehend . Es war ein krauses Deutsch , aber ganz leicht und natürlich kam es über seine Lippen , und in seinen träumerischen Augen glomm eine freudige Flamme auf . » Begeisterung ! jedes Lebensalter hat seine Begeisterung ! Als wir Kinder waren , bauten wir unseres Schifflein aus Papier und setzten es auf den Bach . Aber das Bach war für uns ein Meer . Und der kleine Sommerwind , der in das Papiersegel blies , war ein Sturm . Und das Schifflein segelte fort in ferne Ländern . Es hatte reiche Fracht : unsere Gedanken - kindische Gedanken - unsere Träume und Wünsche - kindische Träume und Wünsche . Aber wie teuer ! wie lieb ! « Der blasse Gymnasiast mit der großen Nase saß ganz aufrecht . Er hatte nichts zu schreiben jetzt . Der sorgenvolle , eifrige Geschäftsausdruck war aus seinen Zügen verschwunden , sie wurden rein , gläubig , so als höre er einen schönen , fernen Gesang . Hovannessian fuhr fort : » Physiologie und Statistik ist gut , gewiß , aber für die Jugend ist eine Begeisterung besser als Physiologie und Statistik . Die kleinen Papierschiffen schwimmen nicht mehr , wir haben eingesehen , daß sie das ferne Ufer nicht erreichen . Aber nun schicken wir die Gedanken selber aus , die Träume selber aus . Wohin sollen sie fliegen ? Eine Sonne brauchen sie , ein leuchtendes Ziel , ein Ideal , das immer leuchtet und immer leuchtet und unsere Gedanken , unsere Augen , ganzes Wesen , ganzes Leben zu sich reißt . Wir haben so getan und tun noch so in Rußland . Russische Jugend lebt mit Ideen . - Sie wollen arbeiten für Abstinenz von Alkohol unter der Jugend . Es ist sehr gut . Aber bleiben Sie nicht bei medizinisch - physiologisch - statistisch ! Zeigen Sie , daß hier ist eine Idee , eine Idee von Vervollkommnung . Geben Sie eine Begeisterung für Idee der fortschreitenden Entwickelung . Wer sich frei hält vom Gebrauch des Alkohols , hält sich frei von einem schädlichen Bedürfnis . Frei werden von schädlichen Bedürfnissen - das heißt überhaupt frei werden . Hier ist Entwickelung . Neue Generation soll freier werden , als alte war ; zeigen Sie der Jugend , wie man an sich selber für seine Freiheit arbeiten kann ! Geben