im Tachtirwan transportieren lasse , um ihnen Schmerzen zu ersparen , so ist das eine Güte , welche sich recht wohl mit der deinen messen kann ! Vielleicht darf ich in dieser Angelegenheit auf deinen Rat , wohl gar auf deine Hilfe rechnen . « » Wenn wir dir in irgend einer Weise von Nutzen sein können , so werden wir natürlich sehr gern thun , was wir vermögen . Warum aber willst du mit deiner Mitteilung warten , bis wir uns morgen in eurem Lager befinden ? « » Weil du jetzt wahrscheinlich schlafen willst . « » Ich pflege nicht gern etwas aufzuschieben . Was man sogleich erfahren kann , soll man nicht bis später warten lassen . « » Das ist die Energie , die jedem Krieger wohl geziemt . Ich bin in dieser Beziehung ganz so wie du gesinnt . Darum sollst du schon jetzt hören , was ich dir erst morgen sagen wollte . Wirst du mir glauben , wenn ich dir noch einmal und ganz bestimmt versichere , daß die Dschamikun sich auf den Raub und Diebstahl verlegen ? « » Ich muß es ja glauben , weil sie es persönlich an uns bewiesen haben . « » Nicht nur an euch , sondern auch an uns . Sie haben uns erst kürzlich wieder im tiefsten Frieden überfallen und einen großen Teil unserer Herden weggeführt . Ich war mit den meisten meiner Krieger abwesend , um mit einem befreundeten Stamme ein Fest zu feiern , zu dem uns dieser geladen hatte . Das war von den Dschamikun beobachtet worden , und darum gelang ihnen der Raub . Sie haben dabei fünf unserer Wächter getötet . Nun kennst du unsere Pflicht ? « » Sie lautet nach euren Gesetzen : Blut um Blut ! « » Ja , Auge um Auge , Zahn um Zahn , Leben um Leben , Blut um Blut ! Auch wollen wir unsere Herden wieder haben . Du wirst es also begreiflich finden , daß wir einen Zug der Vergeltung gegen sie beschlossen haben ? « » Ich halte das nach euern Gesetzen für ganz selbstverständlich . Wann soll er unternommen werden ? « » Wir wollten schon morgen früh aufbrechen . « » Ah ! Das ist nun wohl nicht möglich ? « » Nein . Die Gastfreundschaft steht selbst über der Pflicht der Rache . Wir haben euch eingeladen , zu uns zu kommen , und wir müssen euch also zeigen , daß wir stolz darauf sind , euch bei uns haben zu können . Die Dinarun haben die Gastlichkeit niemals verletzt , sondern sie stets höher gehalten , als dies von den anderen in dieser Gegend wohnenden Stämmen geschieht . Ich hoffe , daß ihr uns die Ehre erweist , euch in jeder Beziehung als unsere Gäste betrachten zu dürfen . Welche Antwort giebst du mir ? « Wer die Gebräuche jener Völker nicht kennt , der erwartet natürlich , daß ich sofort und mit Vergnügen eingestimmt habe . Es schien ja geradezu als eine liebevolle Fügung des Schicksals betrachtet werden zu müssen , daß diese Einladung ausgesprochen wurde . Besonders fiel hier der Umstand ins Gewicht , daß Halef von einer vielleicht schweren und langwierigen Krankheit bedroht war , welche eine Unterbrechung unserer Reise erheischte , damit ihm die so notwendige Ruhe und Pflege geboten werden könne . Aber die Sache hatte noch eine andere Seite , welche ich als vorsichtiger Mann nicht übersehen durfte . Nach den Gepflogenheiten der Beduinen ist der » Gast « nämlich nicht etwa , wie bei uns , nur ein sogenannter » Besuch « , dem man sich zu widmen und alle mögliche Aufmerksamkeit zu erweisen hat . Er hat nicht nur Rechte , sondern auch Pflichten , denn er ist für die Zeit seines Aufenthaltes bei dem betreffenden Stamme ein vollgültiges Mitglied desselben . Ja , noch mehr : Das Wort » Gast « hebt ihn über die Mitglieder des Stammes empor , und wie sie außerordentliche Pflichten gegen ihn zu erfüllen haben , so wird auch von ihm eine größere als die gewöhnliche Hingabe an das Wohl und an die Interessen des Stammes gefordert . Der Gast steht während seines ganzen Aufenthaltes in gewisser Beziehung sogar noch über dem Scheik und hat nicht weniger als dieser an allen Freuden , doch ebenso auch an allen Leiden seiner Gastgeber teilzunehmen . Er würde als ehrloser Mensch betrachtet und behandelt werden , wenn er sich von einer Gefahr zurückzöge , welche denen droht , die ihn bei sich aufgenommen haben . Die Frage Nafars hatte also einen zweifachen Klang , eine doppelte Bedeutung für uns . Sie lautete : » Wollt ihr zu uns kommen und jede Unterstützung finden , deren ihr bedürftig seid ? « Wenn ich hierauf mit einem Ja antwortete , so war es mir dann unmöglich , zu dem hierauf folgenden Schlusse ein Nein zu sagen : » Wollt ihr zu uns kommen , um an dem Rachezuge gegen die Dschamikun teilzunehmen ? « Diese , wenn auch nur sehr kurze Erwägung war der Grund , daß ich nicht augenblicklich die erwartete Antwort gab . Darum warf mir der Scheik sofort die etwas pikiert klingenden Worte hin : » Du zögerst , anzunehmen ? Hältst du uns für Leute , deren Berührung eure Ehre beschmutzen würde ? « Diese Frage würde unter andern Verhältnissen wohl auch eine andere Wirkung hervorgebracht haben ; aber es war auf Halef Rücksicht zu nehmen , und wir hatten den Scheik ja auch schon daran erinnert , daß wir seine Gäste seien . Das konnten wir unmöglich zurücknehmen , und darum sagte ich in beruhigendem Tone : » Man soll zwar rasch denken , aber nicht zu schnell sprechen , o Scheik ! Ihr habt bisher als Freunde an uns gehandelt , und ich bin überzeugt , daß ihr das auch weiter thun werdet . Warum sollte ich euch mißtrauen ? Warum an eurer Ehrlichkeit zweifeln ? Als ich nicht augenblicklich