die Richtung beizubehalten . Sie besteht nämlich aus langgestreckten Sandhügeln , welche oft parallel , oft divergierend voneinander liegen und durch unregelmäßige Querreihen miteinander verbunden sind . Dadurch entstehen zwischen ihnen tiefer liegende Vierecke , und das Ganze würde , aus der Vogelschau gesehen , jener Art von Back- und Webwaren gleichen , welche man Waffeln nennt . Es läßt sich denken , daß es da für uns ein sehr schwieriges Fortkommen gab , weil keine zusammenhängende , ebene Strecke vorhanden war und wir , um von einem Vierecke nach dem andern zu kommen , die zwischen ihnen liegende Höhe überwinden , also aus der einen Waffel heraus und hinauf und dann jenseits wieder in die andere hinunterreiten mußten . Das ermüdete die Kamele , zumal sie keine guten Kletterer sind , außerordentlich , denn die Abhänge waren oft sehr steil , so daß die Waffeltiefen wahre Abgründe bildeten , welche um so schwerer gangbar waren , als die Wände aus lockerem Sande bestanden , welcher keinen festen Halt bot und bei jedem Schritte unter den Füßen der Hudschuhn wich . Es war da sehr leicht , auf unnütze oder gar verderbliche Umwege zu verfallen , aber erstens besaßen wir ja Erfahrung genug , zweitens war der Ben Harb ein wirklich guter Führer , und drittens folgten wir den Spuren der Mekkaner , welche durch die Wahl ihres Weges bewiesen , daß sie diese Gegend ausgezeichnet kannten und ganz gewiß schon öfters durch sie geritten waren . Wenigstens galt dies von demjenigen von ihnen , welcher die Richtung zu bestimmen hatte . Wie wir später erfuhren , war das El Ghani selbst . Diese Wüste war nicht ganz unbelebt . Es gab zuweilen einen einsamen , manneshohen Strauch , eine Eidechse und Spuren von kleinen Füchsen . Auch die Fährte eines Panthers entdeckten wir , doch gehörte er zur kleinen , weniger seltenen Art. El Münedschi verhielt sich vollständig still ; er bewegte sich kaum einmal und schien in einem immerwährenden Halbschlummer zu liegen . Wir hatten keine Ursache , ihn zu stören . Es war noch nicht Mittag , als wir , indem wir uns auf einem der beschriebenen Hügelrücken befanden , im Zurückblicken bemerkten , daß es außer uns auch noch andere Menschen in dieser Gegend gab . Wir sahen auf einem der links seitwärts hinter uns liegenden Hügel eine Schar von Kamelreitern erscheinen , welche sehr gut beritten sein mußten und große Eile verrieten . Ich zählte zweiundzwanzig Mann . Wir ritten unsern Schritt weiter . Sie kamen uns näher , und da sahen wir , daß zwanzig Mann von ihnen Uniformen trugen ; sie waren also Soldaten . Türkische Soldaten hier in der arabischen Wüste ! Das mußte einen ganz außerordentlichen Grund haben . Der arabische Beduine weist die Botmäßigkeit des großherrlichen Militärs mit aller Energie von sich ab . Auch uns ging die Sache jedenfalls nichts an , und so setzten wir also unsern Ritt ruhig fort . Nach einiger Zeit holten sie uns ein . Die zwei Nichtmilitärs ritten voran ; der eine von ihnen sprach uns an . Er war ein Perser ; das sah ich ihm mit dem ersten Blicke an . Seine Kleidung bestand ganz aus Seide , und seine Waffen waren ausgesucht schön und von hohem Werte . Gradezu einzig aber war das Hedschihn , welches ihn trug . Ein so fehlerlos gebautes , wunderbar gezeichnetes Reitkamel hatte ich noch nicht gesehen . Es war hellgrau gefärbt und fein fliegenschimmelartig dunkelbläulich getüpfelt , eine nicht älter als fünfjährige Stute mit leucotisch hellroten Augen . Und sonderbar , diese Augen schienen von dem hellen Tageslichte nicht im geringsten angegriffen zu werden , und ihr Blick war so treu , so intelligent , wie ich es noch bei keinem einzigen Kamele gesehen hatte . Die Füße waren außerordentlich klein und die Formen , ich möchte fast sagen , weiblich voll und rund . Bei einem Kamele kann natürlich von Schönheit nicht die Rede sein ; hier aber möchte ich doch eine Ausnahme machen und behaupten , daß dieses schön gewesen sei . Ich gestehe , daß ich ganz entzückt über dieses Tier war . Einen ebenso guten Eindruck machte der Reiter auf mich , doch nicht etwa seiner reichen Kleidung und Bewaffnung wegen , denn solche Aeußerlichkeiten können mir niemals imponieren . Aber er saß im hohen Sattel aufrecht und stolz wie ein König , welcher gewohnt ist , zu gebieten und sofortigen Gehorsam zu finden . Und dieser Stolz war kein gemachter , sondern ein natürlicher ; er kam von innen heraus . Auch war es kein dummer , hohler , kein mit Verachtung gepaarter Stolz , denn sein von einem dunkeln , wohlgepflegten Barte umrahmtes Gesicht trug die Kennzeichen geistiger Thätigkeit , und seine Augen hatten einen mildfreundlichen Blick , der aber erraten ließ , daß ihm das Feuer der Energie oder des Zornes auch nicht fremd sei . Alles in allem machte dieser Mann den Eindruck wirklicher Vornehmheit . Die Soldaten hatten respektvoll einen Zwischenraum zwischen ihm gelassen , und der andere Civilist , wenn ich dieses Wort hier gebrauchen darf , welcher wohl der Khabir , der Führer der Truppe war , hielt sich jetzt auch seitwärts hinter ihm , ein unwillkürlich gegebenes Zugeständnis , daß dieser Mann der Herr sei und jetzt allein zu sprechen habe . » Aessälam ' aleikum ! « grüßte er mit persischem Anklange in höflichem Tone , indem er seinen Blick forschend über uns gleiten und dann in bewunderndem Ausdrucke auf unsern Pferden haften ließ . » Vä ' aleikum ässälam ! « antwortete ich ebenso höflich und in demselben persischen Dialekte . Halef hatte schon den Mund geöffnet , um zu sprechen ; ich war ihm aber zuvorgekommen , denn seine vorschnelle Art und Weise war einem solchen Manne gegenüber nicht gut angebracht . Ueber die Züge des letzteren ging bei meiner Antwort ein freundliches Lächeln , und er fragte : » Du verstehst und sprichst persisch ? « » Ja