, ob die kluge Frau das Techtelmechtel mit dem Schulmeister nicht arrangiert hatte , Viktor von der richtigen Fährte abzubringen ! Und den schlimmsten Fall gesetzt : sie hatte wirklich ein momentanes Faible für den Menschen , das müßte doch sonderbar zugehen , wenn ihm es nicht gelänge , sie zur Raison zu bringen , über ihre Verblendung lachen zu machen - in seinen Armen natürlich ! Aber er hütete sich wohl , Viktor von diesen seinen wirklichen Empfindungen und Gedanken auch nur das mindeste merken zu lassen ; ein Bruder konnte um den Bruder nicht besorgter sein , als er es um den Freund war . Dergleichen könne peu à peu zu ganz ungeheuerlichen Konsequenzen führen , wenn man nicht rechtzeitig vorbeuge . Hier heiße es durchaus : principiis obsta ! Und Viktor möge die schrankenlose Freiheit bedenken , in der seine Frau aufgewachsen sei ! Ein Mädchen auf dem Lande , in den breiten Verhältnissen , an der Seite von ein paar leichtsinnigen Brüdern und einem Vater , der noch jeden Augenblick geneigt sei , von vorn anzufangen ! Mein Gott , man kenne doch diese jungen Damen ! Sie seien überall dieselben : hinten in Ostpreußen , wie in Pommern , oder Hannover . Tags über im Sattel ; Nacht für Nacht in Gesellschaft auf diesem oder jenem Gute zehn Meilen in der Runde . Und hernach die Pension , wo sie lernten , was sie etwa wirklich noch nicht wüßten ! Aus dem allen mache er ja keiner einzelnen einen Vorwurf - Gott bewahre ! Aber man müsse die lieben Dinger nun einmal nehmen , wie sie seien ! Habe ich das etwa nicht gethan ? rief Viktor , der , ohne es zu merken , den Wein beinahe allein trank . Habe ich meiner Frau nicht jede Freiheit gelassen ? Ich glaube , liberaler als ich gewesen bin , kann man nicht sein . Ja , lieber Freund , erwiderte Fernau , die Augenbrauen in die Höhe ziehend , nun kommen wir zu der anderen Seite der Medaille . Sie haben ihr zu viel Freiheit gelassen , viel zu viel . Ein Vollblutfüllen - Sie verzeihen mir den Vergleich ! - will eben anders behandelt sein als ein gewöhnliches . Es will leicht geführt sein ; dann aber muß es auch gegebenen Falles fühlen , daß sein Reiter eine Faust von Eisen hat . Sprechen wir nicht in Bildern ! bleiben wir bei der Wirklichkeit ! Sie werden nun gewiß sagen : ich solle das ihr bis jetzt gewährte Maß der Freiheit einschränken . Das ist leichter gesagt als gethan . So ist sie nach wie vor des Morgens stundenlang in der Stadt ; ich habe keine Ahnung , wo , obgleich es mir sehr unbehaglich ist . Ich kann sie doch nicht einsperren , wie ein Schulmädchen , das nicht gut thun will ! Das können Sie freilich nicht ; aber vielleicht diese Ausflüge ein wenig kontrollieren . Wie das , wenn ich gerade während dieser Zeit auf dem Amt festsitze ? Auf Ihre Leute haben Sie keinen Verlaß ? Ich traue keinem über den Weg . Meine Frau hat sie alle an ihrer Schleppe . Und wenn auch nicht - ich kann sie nicht hinter ihr herschicken ! Fernau nippte bedächtig an seinem Sekt . Da bleibt nur noch ein Detektive . Viktor hatte längst über Gebühr getrunken ; das Wort machte ihn doch stutzig . Sie sind nicht recht gescheit , Fernau , sagte er nach einer Pause , während der er sein Gegenüber zornig angestiert hatte . Einen Privat-Detektive selbstverständlich , fuhr Fernau ruhig fort . Lieber Himmel , wir Deutsche sind so schwerfällig - verzeihen Sie mir , lieber Sorbitz ! Aber ein Londoner oder Pariser in dem analogen Fall brauchte nicht erst durch einen Freund an dieses nächstliegende und unverfänglichste Hilfsmittel erinnert zu werden . Ich will Ihnen nur gestehen , daß ich mich seiner bereits wiederholt und mit bestem Erfolge bedient habe . Nach ein paar Tagen wußte ich stets , was ich zu wissen wünschte . Die Leute sind treu wie Gold und verschwiegen wie das Grab . Auch brauchten Sie gar nicht ins Spiel zu kommen : ich nehme das Ganze auf mich . Viktor schenkte sich ein Glas voll und trank es auf einen Zug leer . Er war offenbar schon halb gewonnen . Und dann sehen Sie , Sorbitz , ich würde Ihnen den Rat nicht geben , wenn ich glaubte , der Mann würde entdecken , was Sie in der exceptionellen Stimmung , in der Sie nun einmal sind , fürchten . Ich bin wie von meinem Leben überzeugt , daß er nichts entdecken wird . Nun , und dann haben Sie Ihre Ruhe wieder . Mir deucht , bei Gott , ein solcher Gewinn ist die lumpigen paar hundert Mark wert . Was sagen Sie zu meiner Idee ? Sie könnten den Mann besorgen ? Einen absolut sichern Menschen . Und instruieren ? Ich übernehme alles und jede Garantie dazu . Und Sie werden mich hinterher nicht auslachen ? denn , offen gestanden , ich komme mir doch bei der Geschichte ein wenig sehr - Lieber Freund , das ist mir das erste Mal genau so gegangen : ich kam mir auch » sehr « vor . Hinterher macht man sich ein Kompliment über seinen Verstand zur rechten Zeit . Also abgemacht ? Meinetwegen . Bravo ! Und nun lassen Sie uns noch eine - Keinen Tropfen mehr ! Wie Sie wollen . Also : den Mokka , Kellner , und Ihren besten Hennesi ! Achtzehntes Kapitel Um dieselbe Zeit , als Fernau und Viktor sich vor ihrem Amte in der Wilhelmstraße trafen , war Klotilde in der Mauerstraße bei Adele vorgefahren . Sie wußte , daß Elimar an diesem Tage - einem Mittwoch - stets erst um sechs Uhr nach Hause kam . So war sie sicher , Adele allein zu finden . Sie hatte die Klingel gezogen und stand wartend