aber er hatte die Empfindung , daß es sehr lustig in ihr zugehen müsse . Vor allem fühlte er , daß er im Cénacle Anschluß an » Weiber « finden würde , und daran lag ihm viel , denn er hatte es nachgerade bemerkt , daß er von sich allein aus diesen Anschluß nie erreichen würde . Und bei alledem doch diese vielen litterarischen Aspirationen , also die Gewähr des Höheren ! Kein bloßer Sumpf ! Sondern , wenn schon Sumpf , so doch von ganz ungewöhnlicher Art ! Ein origineller Sumpf . Ach , darnach hatte er sich ja gesehnt ! Er wollte originell , geistreich sumpfen . Da bot sich die Möglichkeit ! Also zugegriffen ! Er verließ am Arme Stilpes das Haus in der Magazingasse mit dem angenehmen Gefühl , es fürder nicht mehr nötig zu haben . Als er am nächsten Morgen erwachte , lag er auf seinem Sopha und Stilpe in seinem Bette . Da dieser ihn duzte , mußten sie wohl Brüderschaft getrunken haben . Auch einen anderen Namen hatte er erhalten : Barbemuche , und auf seinem Nachttisch lag ein völlig mit Porterbierflecken bedeckter Zettel dieses Inhaltes : Quittung . Für weiland Herrn Lehmanns Aufnahme ins niedere Barbemuchiat 50 Mark erhalten zu haben , bestätigt i.N.d.C. Schaunard Drittes Kapitel Obwohl das Cénacle keine moralische Anstalt war , so bedeutete es für Stilpe doch einen Haltepunkt und eine Verbindung wenigstens mit der Fiktion » extra-alkoholischer Tendenzen « . Stilpe führte damals kein Tagebuch mehr , denn er hatte überhaupt das » unzüchtige Verhältnis mit Büchern « aufgegeben , aber zuweilen , wenn er sich übel fühlte , ergriff er , wiederum in seinem Stile von damals zu reden , den » Stecken und Stab des Bleistiftes und wanderte gedankenvoll über die ausgebleichte Wüste weißen Papieres « . Einige dieser Notizen sind geeignet , ein Stück seiner Seele von damals erkennen zu lassen : Die Geldmützelei ist ein scheußlicher Unsinn und meiner unwürdig . Aber ich selbst bin meiner unwürdig , denn ich werfe die gelbe Mütze diesen Idioten nicht vor die Füße , sondern ich trage sie noch immer mit einer lachhaften Würde . Heiße jetzt Erster Chargierter gar . Kann man tiefer sinken ? Ich tyrannisiere diese gelbmützigen Banausen mit vollendeter Kunst und einigem Genuß , und keiner von ihnen erfreut sich mehr eines intakten Magens . Nie wurde so gesoffen wie unter meiner Ägide . Was soll man auch mit diesen Knaben anderes anfangen ? Frösche muß man in den Sumpf treiben . Ich fange an , unzufrieden mit mir zu werden und erwäge den Plan , diese gelbe Blase zu sprengen . Wenn ich sie nur nicht alle so tiefgründig angepumpt hätte ... Und außerdem : Was soll ich denn sonst anfangen ? Noch scheint die Zeit nicht erfüllt zu sein , wo ich mich diesem Herrn Geheimrat Ammer , falls er sich nicht schon zu seinen Vätern versammelt hat , als Stütze des Staates anbieten kann . Oder sollte ich thatsächlich studieren ? Welch eine Idee ! Nicht mal für Liebe habe ich genügend Zeit . Mann , frage ich , wann kann ich mit Hingabe und Hinnahme lieben ? Um zehn Uhr zerrt mich der Leibfuchs aus dem Bett und kredenzt mir das Antidotum gegen den Datterich , die liebliche Lase voll Culmbacher Biers . Bis zwölf Uhr pauke ich der Füchse summende Herde für die Mensuren ein . Dann salbt mich der Friseur , und bis um drei Uhr treib ich die braven Knaben in die Lichtenheiner Schwemme . Hol sie der Teufel , ich beneide sie ! Denn selbst dieses Lehmwasser macht sie betrunken . Auch mein Mittagsmahl erledige ich um diese Zeit . Es ist erstaunlich , wie mäßig ich darin bin . Rohes Fleisch und Caviar , etliche Eier und Bouillon erhalten diesen schwachen Leib . Von drei bis fünf der Kaffeelachs ; doch ist das ein leerer Name , denn ich habe längst den Kaffee durch Liköre ersetzt , und statt des Skates herrscht der Lederbecher mit den Knobelknochen . Das ist meine palaestra musarum , denn erstens erfinde ich neue Knobeltouren und zweitens muß ich beim Mogeln immerhin aufpassen . Das erschöpft mich sehr , und ich begebe mich nun auf das schwarze Ledersopha in der Kneipe , wo ich der Ruhe pflege , bis das Gas angebrannt wird und die werten Knaben anrücken , um bis früh zwei , drei Uhr von mir vollgeplumpt zu werden . Mir scheint , das ist kein Leben nach dem Geschmacke Apollos und der neun Musen , - oder sind es zwölf ? Ewig verwechsle ich die Apostel mit den Musen . Und die Liebe ! Sie muß hungern ! Liebe und Alkohol sind feindliche Mächte . Tragisches Geschick , beiden hold zu sein . Zuweilen giebt es Mensuren . Ich leugne nicht , daß diese kleine Aufregung mich amüsiert . Trinkt man vorher fünf Cognacs , so ist man erstaunlich wacker und ließe sich mit Heroismus den Schädel spalten . Nein : Lieber blos die Backe , denn das ists ja , was den Menschen ziert , und dazu ward ihm der Verstand : Der Durchzieher . Ich glaube , jetzt etwa einschockmal gefochten zu haben , wenn man diesen mathematischen Wechsel von Schlag und Parade fechten nennen kann . Man gewöhnt sich daran wie der Pudel ans Baden . Das Schönste dabei ist der Geruch , diese allerliebste Mischung von Jodoform , Carbol , Cognac und ein bischen Schweiß . Es wirkt wie ein Aphrodisiacum auf mich . Aber es ist möglich , daß ich ein bischen pervers bin . Blutdurst und Wollust ! Gieb mir dein Herz zu saufen Laura : Ich liebe Dich ! Die schweren Sachen meid ich . Meine Säbelmensur war nicht eigentlich prima nota . Ich hatte den Cognac überschätzt . Man muß entschieden Porter dabei zur Hand haben . Porter und Cognac zusammen macht sicher sehr säbelmutig . Man muß nur auch die Dosis richtig bemessen . Ich