er alle Besinnung verlor und den Streit vom Zaune brach . Eines Tages ritt Hauptmann Schroff über das Büttnersche Gut . Er traf den Bauern bei der Feldarbeit , hielt sein Pferd an und redete den Alten in freundschaftlicher Weise an . Der Alte tat , als habe er den Mann noch nie in seinem Leben gesehen , geschweige denn in vertraulicher Weise mit ihm verkehrt . Als der Hauptmann sich nach der Lage des Bauern erkundigte , ihn dabei an das Gespräch erinnernd , das sie im Frühjahr gehabt , da brach gänzlich unerwartet und unvermittelt aus dem Munde des Alten ein Schimpfen und Wettern los , Verwünschungen und Beschuldigungen gegen die Herrschaft , die ihm den Garaus machen wolle , so beleidigend und verletzend , daß der gräfliche Güterdirektor seinem Renner die Sporen gab , machend , daß er von dem alten Isegrim wegkam . Mit Gemeinde und Behörde war der Büttnerbauer neuerdings ebenfalls zusammengeraten und auch nicht zu seinem Vorteil . Der Dorfweg führte ein Stück entlang der Büttnerschen Grenze . Der Bauer hatte nahe am Wege eine Kiesgrube angelegt , aus der er seinen Bedarf an Sand zu Bauten und Wegebesserungen entnahm . Im Laufe der Zeit hatte sich durch Sandholen und Nachstürzen vom Rande das Loch vergrößert . Es drohte Gefahr , daß Fußgänger und Geschirre , namentlich bei Dunkelheit oder Schneeverwehung , in die Grube stürzen und Schaden nehmen möchten . Die Gemeinde hatte daher das sehr begreifliche Verlangen an den Besitzer der Kiesgrube gestellt , er möge zwischen Weg und Grube ein Geländer errichten . Der Büttnerbauer kehrte sich überhaupt nicht an dieses Ansinnen , das er als einen Eingriff in sein gutes Recht auffaßte . Darauf Beschwerde von seiten der Gemeinde beim Landrat . Das Amt dekretierte , der Bauer habe das Geländer bis zu einem bestimmten Zeitpunkte herzustellen . Der Bauer ließ den Zeitraum verstreichen , ohne einen Finger zu rühren . Hierauf Strafverfügung von seiten der Behörde . Der Bauer schimpfte und tobte ; aber hier half all sein Sperren nichts . Er hatte sich selbst ins Unrecht gesetzt . Das Anbefohlene mußte schließlich ausgeführt werden , und Strafe hatte er obendrein zu zahlen . So tat er in allem gerade das , was ihn am meisten schädigen mußte . Es war , als ob der Teufel den alten Mann geblendet hätte . Die Bäuerin hatte nicht so ganz unrecht mit ihrer Klage , daß ihr Bauer behext worden sein müsse . Es gab in der Tat ein Schreckgespenst , das dem Bauern im Rücken saß , ein Werwolf , der ihn ritt , daß er , halb wahnsinnig , nicht mehr wußte , wo ein und aus . Seit er dem Händler den Wechsel unterschrieben , hatte der Büttnerbauer keine ruhige Stunde mehr gehabt . Kaum war Harrassowitz zum Hause hinaus gewesen , hätte er ihn zurückrufen mögen , ihm sein Geld zurückzugeben . Dabei hegte er keinerlei bestimmten Verdacht gegen Harrassowitz . Er hatte den Händler nicht anders als freundlich und zuvorkommend kennen gelernt . Aber das Bewußtsein , daß es einen Menschen auf der Welt gab , von dem er abhängig war , der einen Zettel besaß , auf dem sein Name stand , und der durch diesen Fetzen sein Schicksal in Händen hielt , das war der Alp , der auf dem Manne lastete , das war das unheimliche Gespenst , das des Tages plötzlich vor ihm auftauchte , ihn besaß , wo er ging und stand und ihn des Nachts vom Lager aufscheuchte . In der ersten Zeit , als der Verfallstermin noch in weitem Felde stand , hatte er sich der Hoffnung auf einen guten Ausgang nicht verschlossen . Wenn die Ernte gut ausfiel , wenn hohe Preise wurden ! Er hatte doch in anderen Jahren manchmal aus dem Roggen allein an zweitausend Mark erzielt . Warum sollte denn das nicht auch in diesem Jahre eintreten , wo Korn seine Hauptfrucht war . Stroh konnte auch verkauft werden und vielleicht auch einige Fuder Heu . Auf die Weise konnte hübsches Geld zusammenkommen , allein aus der Winterung . Und die Sommerfrüchte behielt er dann zur Deckung des Winterbedarfes und zum späteren Verkauf . So rechnete der Bauer im Frühjahre . Dann kam der erste Rückschlag durch die verregnete Heuernte . Mit dem Heuverkauf war also nichts ; man mußte ja das wenige , was man gerettet hatte vor dem Verderben , aufheben für den Winter . Die Kornernte war inzwischen beendet . Der Büttnerbauer hatte eine Menge Puppen setzen können ; sein Feld hatte voll ausgesehen . Das Getreide war trocken in die Scheune gekommen . Der Bauer besaß eine kleine Dreschmaschine und einen Göpel auf seinem Hofe . Das meiste ließ er freilich im Winter mit dem Handflegel ausdreschen nach alter Sitte ; das Stroh blieb beim Handdrusch besser , und dann liebte er auch nicht die Neuerungen . - Maschine blieb Maschine , wenn es auch nur ein einfaches Göpelwerk war . In diesem Jahre aber ließ er gleich mehrere Tage hintereinander mit dem Göpel dreschen . Er mußte ja Korn haben zum schleunigen Verkauf . Der alte Bauer stand am Siebe , während Karl die Garben hineinschob und Therese draußen das Pferd antrieb . Der Bauer nahm selbst das Getreide ab und maß es nach . Seine Miene wurde düsterer und düsterer . » ' s schüttet ne , ' s will ne schütten ! « erklang sein verzweifelter ! Ruf . Was nutzte ihm das viele Stroh , wenn der Körnerertrag so gering war ! Und dabei hatte er das Hauptkorn in diesem Jahre auf vorjährigem Kartoffellande gebaut , das noch reich an Dünger gewesen . Er hatte es an Sorge und Fleiß nicht fehlen lassen , und trotzdem kein Erfolg ! Es waren die kalten Tage und Nächte im Anfange des Sommers gewesen , die den Landwirt um den Ertrag seiner Mühen betrogen hatten . Schließlich lag das gesamte Ergebnis der Kornernte in einem stattlichen Körnerhaufen , durchgesiebt und