Sie drückt mit den Ellenbogen die Türe wieder hinter sich zu , ohne daß sie sich umwendet , dafür aber lehnt sie sich mit den Schulterblättern rasch an . Die Lene reißt die Augen weit auf , als ob das leichenhafte Geschöpf mit den dunklen Haarsträhnen , die an ihrer Stirne kleben , ein Gespenst wäre , dann zieht sie die Augen klein zusammen , macht ihre vornehmste Miene und will reden , als aber die andere nur die Lippen bewegt , schüttelt sie den Schreck und die Vornehmheit plötzlich ab , springt auf , stemmt die Hände in die Hüften und sagt mit einem langsamen Blick , der von unten bis oben über die gebeugte Gestalt gleitet : » Das ist zu keck ! « » Ich weiß es « , erwidert die Hanne mit gebrochener Stimme , » aber ich bitte dich , höre mich an . « » Schau zu , daß du aus meinem Zimmer kommst ! « ruft die Lene drohend . » Dein Kind ! « » Ich hab kein Kind , seit es in solche Händ ist - Pfui ! « » Dein Mann ! Hör mich an ... « » Red nicht von ihm . « » Gnad und Erbarmen , Lene ! « Das junge Mädchen fiel auf die Knie , erhob den Kopf und streckte die gefalteten Hände weit von sich . » Wär ich gekommen ? Hätte ich mich getraut ? « sagte sie erschöpft , » wenn nicht dein - der Leopold - Lene ! - er stirbt ! « Die schmale Gestalt brach zusammen und fiel vornüber , so daß sie mit der Stirne auf den weißen Teppich mit den blauen Blümlein schlug . » Wer stirbt ? « frug die Lene halblaut , und es schüttelte sie am ganzen Leibe , als sie auf das Wesen vor sich niedersah . » Stirbt « , das Wort erweckte alle Sinne der Halbohnmächtigen , sie raffte sich zusammen , kroch auf den Knien der Frau näher und lallte mühsam : » Dein Mann - stirbt - kann nimmer leben - ohne dich - erbarm dich - komm heim . « » Sonst nichts ? - Ich heim ? « frug die Lene spöttisch . Sie blickte sich in dem kostbaren weiß-blauen Zimmer um . » In das Loch dort zurück ? - Ich hab es ihm gesagt , und er muß närrisch sein , wenn er glaubt , ich komme . « » Er glaubt es nicht - er weiß , daß du dein Wort hältst « , beteuerte die Hanne und richtete sich an einem Stuhl wieder auf , » und darum will er sich erschießen - heut - morgen - übermorgen - wer weiß es ? - Komm , um Gottes Barmherzigkeit , komm , eh ' es zu spät ist . « » Hat er dich hergeschickt - und hast dich getraut , zu der Frau von deinem Schatz zu kommen ? « fragte die Lene mißtrauisch . » Red , was du willst - in allem hast du recht - aber nur glaub , daß er mich nicht - geschickt hat . - Davongerennt bin ich in meiner Todesangst um ihn . - Schlag und schimpfe mich - sag , was du willst zu mir - aber erbarm dich - denk an den Buben , der ein Waiserl wäre « , erwiderte die Hanne demütig . » Möcht mich nicht beschmutzen - du , meine beste Freundin , hast so ehrlos sein können ? « klagte die Frau und wendete sich ab . » Ja , recht hast du . Nimmer wirst mich sehen , und nichts wirst von mir hören - aber geh , geh , sonst könntest du zu spät kommen . « » Wer es sagt , der tut es nicht « , murrte die Frau abwehrend . » Nimm es auf dich ! « rief die Hanne erschüttert , » du kennst den Leopold , der tut ' s ! - Mehr als dich bitten kann ich nicht . Soll ich noch was tun ? Weißt du was , ich will dir Händ und Füß küssen ... Erbarm dich . « » Schämen sollst dich , daß du dich so abwinselst um einen Mann - um meinen Mann ! - Mußt ja vernarrt sein in ihn über alles . - Schämst du dich denn gar nicht ? « sagte die Frau langsam , wie von Ekel erfüllt . » Ich schäme mich , daß ich da bin « , flüsterte die Hanne ergebungsvoll . » Muß dir keine Freude machen , wenn dein Schatz sterben will , weil er nicht ohne sein Weib leben kann . « » Glaubst du es doch endlich ? « schrie die Hanne schluchzend auf . » Ja , ich glaub ' s , weil ich sehe , daß du fast zugrunde gehst daran « , sagte sie kalt und streng , » das ist die Strafe für deine Liederlichkeit . « » Ja - ja - so ist ' s - kommst du aber heim ? - zu ihm - jetzt - gute , schöne , heilige Lene ! - kommst ? ! « flehte das Mädchen , und die Zähne schlugen ihr aneinander , und sie zog und zerrte an ihren Fingern . » In die Blaue Gans ? Mein Lebtag nimmer in den Mistwinkel , wo er in wilder Ehe gelebt hat . Nein . - Das ist mein Haus , da bin ich Frau - und will er ein ehrliches Leben führen , so soll er mit dem Kinde daherkommen . « War es ein Freudenschrei , war es ein Klagelaut , den die Hanne zurückhielt , als sie sich aufbäumte und mit beiden Händen an den Mund fuhr ? Rasch sank aber die Gestalt wieder in sich zusammen , und sie nickte nur dankbar : » Ja - ja ! « » Da nebenan ist eine Kammer frei « ,