zu leben , wo die Könige den ausgesprochenen Sinn für die Schönheit haben . Der Liebe dieser Mächtigen der Erde läßt sich vielleicht widerstehen , aber nicht ihrer Macht ... Und was die Gräfin Danner angeht , mit der vorläufig freilich noch zu rechnen ist , nun , sie wird doch am Ende nicht ewig leben ... « » O doch . « » Nun , so stirbt vielleicht die Neigung ihres königlichen Anbeters ... « » Auch das nicht , Herr Graf . Denn die Danner hat einen Zauber , und man hört darüber so dies und das . « » Kann man es nicht erfahren ? « » Nein . Meine Mutter sagt zwar immer : Höre , Brigitte , du sagst auch alles ; aber das mit der Danner , das ist doch zuviel . « » Nun , dann werd ich Baron Pentz fragen . « » Ja , der kann es sagen , der weiß es ... Einige sagen , sie habe den Schönheitsapfel , ich meine die Danner ; aber das ist nicht der große Zauber , den sie hat , das ist höchstens der kleine ... « » Glaub ich unbedingt . Und überhaupt , offen gestanden , ich weiß nicht , was immer der Apfel soll . Er ist mir immer halb unverständlich erschienen . Unter Kirschen kann ich mir etwas denken , aber Apfel ... « » Ich weiß doch nicht , Herr Graf « , sagte Brigitte , während sie die Schoßjacke glatt zog , um ihrer Figur die rechte Linie zu gehen . » Ich weiß doch nicht , ob Sie darin recht haben ... « Und einmal angelangt auf dieser abschüssigen Ebene , schien sie durchaus geneigt , das Thema weiter fortzuführen . Aber ehe sie dazu kommen konnte , hörte sie , von der Treppe her , den halblauten Ruf : » Brigitte « . » Das ist die Mutter « , sagte sie verdrossen und stellte das Geschirr auf das Tablett . Dann aber , sich würdevoll verneigend , als ob Staats- und Kirchenfragen zwischen ihnen verhandelt worden wären , verließ sie das Zimmer . Holk , als Brigitte die Tür ins Schloß gedrückt hatte , schritt auf und ab , sehr verschiedenen Gefühlen hingegeben . Er war nicht unempfindlich gegen die Schönheit und Koketterie dieser berückenden Person , die wie geschaffen schien , allerlei Verwirrungen anzurichten ; aber daß sie den Willen dazu so deutlich zeigte , das minderte doch auch wieder die Gefahr . Allerlei Widersprechendes bekämpfte sich in ihm , bis endlich seine gute Natur den Sieg gewann und ihm die Kraft gab , das während dieser Tage Erlebte mit einem gewissen darüberstehenden Humor zu betrachten . Und damit war denn auch die Stimmung gewonnen , nach Holkenäs hin zu schreiben und seinen ersten Zeilen , in denen er nur seine Ankunft angezeigt hatte , einen längeren Brief folgen zu lassen . Einen Augenblick erschrak er freilich wieder vor der Menge dessen , was zu berichten war , denn unter dem , was ihm fehlte , war auch die Briefschreibepassion . Endlich aber nahm er seinen Platz an dem Zylinderbureau , schob die Bogen zurecht und schrieb . » Kopenhagen , 3. Oktober 1859 Dronningens Tvergade 4 Meine liebe Christine . Die wenigen Zeilen , in denen ich Dir meine glückliche Ankunft meldete , wirst Du erhalten haben ; es ist Zeit , daß ich nun ein weiteres Lebenszeichen gebe , und wie ich glücklicherweise gleich hinzusetzen darf , ein Zeichen meines Wohlergehens . Laß mich mit dem Nächstliegenden , mit meiner Wohnung bei der Witwe Hansen , beginnen . Es ist alles , wie ' s früher war , nur eleganter , so daß man deutlich sieht , wie sich ihre Verhältnisse gehoben haben . Vielleicht ist alles dem Umstande zuzuschreiben , daß sie jetzt mit ihrer Tochter , ebenfalls einer Frau Kapitän Hansen ( die früher ihren Mann auf seinen Chinafahrten begleitete ) , zusammenwohnt . Es stehen dadurch wohl größere Mittel zur Verfügung . Frau Kapitän Hansen ist eine schöne Frau , so schön , daß sie dem Kaiser von Siam vorgestellt wurde , bei welcher Gelegenheit sie zugleich der Gegenstand einer siamesischen Hofovation wurde . Sie hat eine statuarische Ruhe , rotblondes Haar ( etwas wenig , aber sehr geschickt arrangiert ) und natürlich den Teint , der solch rotblondes Haar zu begleiten pflegt . Ich würde sie Rubensch nennen , wenn nicht alles Rubensche doch aus gröberem Stoffe geschaffen wäre . Doch lassen wir Frau Kapitän Hansen . Du wirst lachen , und darfst es auch , über das Interesse , das aus dem Vergleich mit Rubens zu sprechen scheint . Und Rubens noch übertroffen ! Ich war gleich am ersten Abend bei Vincents auf dem Kongens Nytorv , wohin ich durch Pentz und Erichsen abgeholt wurde . Viele Bekannte gesehen - auch de Meza , der von Jütland herübergekommen war - , aber niemanden gesprochen , was in einer großen politischen Aufregung , die ich hier vorgefunden , seinen Grund hat . Hall soll gestürzt und Rottwig an seine Stelle gesetzt werden . Natürlich nur Übergangsministerium , wenn es überhaupt glückt , was auch noch die Frage . Lies die Berichte , die Dagbladet bringt , sie sind ausführlicher und minder parteiisch als die von Flyveposten . Am andern Vormittage war ich bei der Prinzessin , um mich ihr vorzustellen . Ihr Benehmen gegen mich genau dasselbe wie früher ; sie kennt meinen abweichenden politischen Standpunkt , aber sie verzeiht es mir , daß ich mehr für das alte Dänemark bin als für das neue . Meiner Loyalität ist sie sicher und meiner Anhänglichkeit an ihre Person doppelt und dreifach . Das läßt sie vieles übersehen , wenigstens solange der König lebt und von einer ernsten politischen Krise keine Rede sein kann . So sind wir in der angenehmen Lage , auf einem völligen Friedensfuße miteinander verkehren zu können . In der Umgebung der Prinzessin hat sich