brauchst . « » Des Menschen Wille ist sein Himmelreich , « sagte mein Vater mit einem Seufzer , indem er sich wieder niedersetzte . » Natürlich wird Tilling quittieren ? « » Darüber haben wir noch nicht gesprochen . Lieber wäre es mir freilich - aber ich fürchte , er wird es nicht thun . « » Wenn ich denke , daß Du einem Fürsten einen Korb gegeben hast , « seufzte Tante Marie , » und jetzt , statt Dich zu erheben , wirst Du auf der gesellschaftlichen Leiter herabsteigen ! « » Wie unfreundlich Ihr beide seid - und Ihr behauptet doch , mich lieb zu haben . Da komme ich zu euch - das erste Mal seit des armen Arno Tode - mit der Nachricht , daß ich mich vollkommen glücklich fühle , und anstatt Euch dessen zu freuen , sucht Ihr allerlei Vergällungsgründe hervor - und was für welche : Militarismus , Jehovah , soziale Leiter ! « Nach einem halben Stündchen war es mir doch gelungen , die alten Leute einigermaßen umzustimmen . Ich hatte mir - nach der Tags zuvor gehaltenen Rede zu schließen - den Widerstand meines Vaters viel heftiger gedacht . Vermutlich wurde er auch , falls meinerseits bloße Absicht und Neigung vorgelegen hätte , energisch versucht haben , Absicht und Neigung zu ersticken ; aber dem » fait accompli « gegenüber sah er wohl ein , daß Widerstand nichts mehr nützen konnte . Oder war es doch der Einfluß des überströmenden Glücksgefühls , welches in meinen Augen leuchten und in meiner Stimme beben mochte , das seinen Verdruß verscheuchte und woran er unwillkürlich freudigen Anteil nehmen mußte ? - kurz , als ich zum Gehen aufstand und ihm adieu sagte , drückte er einen herzhaften Kuß auf meine Wange und versprach , noch am selben Abend zu mir zu kommen , um daselbst seinen künftigen Schwiegersohn als solchen zu begrüßen . Wie noch weiter jener Tag und der darauf folgende Abend verlief - schade , daß die roten Hefte es nicht verzeichnet haben . Die Einzelheiten sind nach so langer Zeit meinem Gedächtnis entschwunden - ich weiß nur noch , daß es herrliche Stunden waren . Zum Thee hatte ich den ganzen Familienkreis um mich versammelt und ich stellte den Meinen Friedrich von Tilling als meinen Verlobten vor . Rosa und Lilli waren entzückt ; Konrad Althaus rief : » Bravo , Martha ! - und Du , Lilli , nimm Dir ein Beispiel daran ! « Mein Vater hatte seine frühere Antipathie entweder überwunden , oder es gelang ihm , dieselbe mir zu liebe zu verbergen ; und Tante Marie war weich und gerührt : » Die Ehen werden im Himmel geschlossen , « sagte sie , » und jedem geschieht nach seiner Bestimmung . Mit Gottes Segen werdet ihr glücklich werden und den will ich unermüdlich auf euch herabflehen . « Auch mein Sohn Rudolf wurde dem künftigen » neuen Papa « vorgestellt , und es war mir ein eigenes Wohl- und Weihegefühl , als der geliebte Mann mein geliebtes Kind in seine Arme hob , es innig küßte und sagte : » Aus Dir , kleiner Bursch ' , werden wir einen ganzen Mann machen . « Im Laufe des Abends brachte mein Vater seine Idee in Betreff des Quittierens zur Sprache : » Sie werden jetzt vermutlich Ihre Karrière aufgeben , Tilling ? Da Sie ohnehin kein Freund des Krieges sind - « Friedrich warf mit überraschter Miene den Kopf zurück : » Meine Karrière aufgeben ? Ich habe ja keine andere .... Und man braucht doch kein Freund vom Kriege zu sein , um den Militärdienst zu leisten , ebenso wenig als man - « » Ja , ja , « unterbrach mein Vater , » das sagten Sie schon neulich : ebenso wenig als ein Feuerwehrmann ein Liebhaber von Feuersbrünsten zu sein braucht - « » Ich könnte noch mehr Beispiele anführen : ebenso wenig als ein Arzt den Krebs und den Typhus lieben , oder als ein Richter ein besonderer Verehrer von Einbruchsdiebstählen sein muß . Aber meine Laufbahn aufgeben ? Was hätte ich für eine Veranlassung dazu ? « » Veranlassung wäre , « sagte Tante Marie , » Ihrer Frau das Garnisonleben zu ersparen - und die Angst zu ersparen , falls ein Krieg ausbricht .... Obgleich diese Angst ein Unsinn ist ; denn wenn es einem bestimmt ist , alt zu werden , so lebt er lange , trotz aller Gefahren . « » Die genannten Gründe wären freilich gewichtig . Meiner künftigen Gefährtin die Unannehmlichkeiten des Lebens so viel als möglich fernzuhalten , wird ja mein eifrigstes Bestreben sein ; aber die Unannehmlichkeit einen Mann zu haben , der berufs- und beschäftigungslos wäre , müßte doch noch größer sein , als diejenige des Garnisonlebens . Und die Gefahr , daß mein Rücktritt von irgend jemand als Faulheit oder Feigheit ausgelegt werden könnte , wäre doch noch schlimmer , als die Gefahren eines Feldzuges . Mir ist der Gedanke wirklich keinen Augenblick gekommen .... Hoffentlich auch Ihnen nicht , Martha ? « ( Vor Leuten hatten wir das » Du « wieder eingestellt . ) » Und wenn ich es als Bedingung stellte ? « » Das werden Sie nicht . Denn sonst müßte ich auf das höchste Glück verzichten . Sie sind reich - ich besitze nichts , als meine militärische Charge , als die Aussicht auf künftige höhere Rangstufen - und diesen Besitz gebe ich nicht her . Es wäre gegen alle Würde , gegen meine Begriffe von Ehre - « » Brav , mein Sohn ... jetzt bin ich ausgesöhnt . Es wäre Sünd ' und Schand ' um Ihre Laufbahn . Sie haben gar nicht mehr weit zum Obersten und bringen es sicher zum General - können schließlich Festungskommandant , Gouverneur oder Kriegsminister werden . Das giebt auch der Frau eine angenehme Stellung . « Ich schwieg still . Um die Aussicht , Frau Kommandantin zu