« Ja , der sitzt recht in der Wolle . Von des Porridge Abendgabe Träumt der ernst Gedankenvolle . Da steht er groß und breit , in seinen dicken Wollenmantel und das Bewußtsein seiner Würde gewickelt , der braunstirnige Hochlandschäfer . Die zwei klugen Hunde liegen zu seinen Füßen , still und wachsam , ungleich dem lärmenden Gesindel der Städte , in ernster schweigsamen Pflichterfüllung . Ja , der Schäferhund des Gebirges scheint der wahre Gentleman der Hunderace . Der fette feige Newfoundländer ist ein fauler Lord und die maulende keifende Dogge ein pöbelhafter John Bull . Aber der Schäferspitz , unansehnlich an Gestalt , mäßig , beobachtend , freundlich , aber nie schmeichelnd - : der Charakter , der den Wolf von der Heerde wegbeißt und nach dem verlorenen Lamm durch Dick und Dünn läuft . Was die Schäfer anbelangt , so scheinen dieselben durch die Schäferpoesie unschuldig in Verruf gekommen . Sie bleiben im Grunde ganz anständige Menschen , gerade so dumm und schmutzig , wie andre solide Bauern . Welche Entrüstung muß das Herz dieser Biedermänner erfüllen , wenn sie vernehmen , mit welch romantischem Firlefanz ihren groben Filzhut gerührte Bänkelsänger umwanden ! Ueberhaupt diese Poeten ! Jener Schäferjüngling , der so träumerisch vom Felsen in die Wolken starrt , dürfte eine Sündfluth » sangbarer « Lieder und populärer Balladen nach sich ziehen , auch dürfte er sich zu gefälliger Composition empfehlen . Aber welche Gefühle durchfluthen seine Brust ? Legt er sich in Gedanken die Sonne als goldne Krone zu ? Oder fliegen Uhlandsche Königstöchterlein durch seine schmachtende Seele ? Oder ergeht sein zartbesaitetes Gemüth sich in elegischer Stimmung nach der alten Weise : » Da droben auf jenem Berge ? « Verleumdung ! Womit haben diese praktischen Realisten es verdient , als des Idealismus verdächtig denuncirt zu werden ? Ein edler Zukunftstraum von Haferbrei erhebt sich vor seiner schönen Seele ; tief sinnend schüttelt er das gedankenvolle Haupt in gelindem Zweifel , ob Jenny ihn diesen Abend mit purer Milch bereiten wird oder aber - die schöne Aussicht auf die Wänste seiner Hämmel begeistert ihn zu diesem logischen Gedankenschwung - mit fetter Sahne ? ! Um auf die besagten Hämmel zurückzukommen , so pflegt dieser vierfüßige Hochlandsclan eine unpassende Zudringlichkeit . Aus ihrer grasenden Beschaulichkeit aufgestört , starren sie uns mit dem düstern Blick gekränkter Friedensunschuld an und schleudern uns ein unheilverkündendes Blöken nach . Herr Schäfer putzt sich die Nase . » Ade , du Schäfer mein ! « Wir sind nun schon lange über The Queen ' s Seat hinaus . Hier hat nämlich Königin Victoria auf einer Fußtour durch dies Thal geruht und der Herzog von Athole ließ hier ein erfrischendes Frühstück und zur besondern Befriedigung eine reichhaltige Liqueursammlung serviren . Die meisten Wasserfälle auch schon passirt . Der Tilt wird immer breiter . Dieser Flußjüngling blieb übrigens trotz seines wässerigen Berufes eine ungewaschener Canadier , indem er sich einerseits alle Nase lang in die Büsche schlägt , wo wir ihm nachlaufen müssen , andrerseits sich nicht einmal eine anständige Brücke zugelegt hat , trotz seiner entschiedenen Neigung für Ueberschwemmung und Austretung und überhaupt alle Arten von Ausschreitungen . An einer Stelle haben wir also richtig mit Sack und Pack , Roß und Reisigen , hindurch zu plantschen , wobei die Ponys ein auserlesenes Vergnügen im Bespritzen ihrer reitenden Opfer , in Folge gänzlich unberechtigten Strauchelns , zu finden scheinen . Vertiefen wir uns bei kurzer Rast in ein Butterbrod und die romantische Aussicht ! Der Guide , ein erfahrener Menschenkenner , scheint uns poetischer Gefühle fähig zu halten ; er wirft uns einen mißtrauischen Blick zu und schlendert uns , in der Gewißheit seines Verdachtes , die lauernde Frage ins Antlitz : » Schmeckt Ihr Butterbrod , Sir ? « Ja , der Barbar wagt es obendrein , zarte Andeutungen auf unsre Whiskyflasche hinzuwerfen und eine große Libation zu empfehlen , unter dem medicinisch interessanten Vorwand , diese wässerige Umgebung erzeuge ihm immer eine ausfallende Kälte im Magen . Die Kälte wird also curirt und dann eiligst weiter ! - In zarten Andeutungen sind Führer überhaupt groß . An der » Forsthütte « erlaubt sich Guide I die bescheidene Anfrage , ob ich auch an das Lunch gedacht habe ? An der Ben Deary Kaskade wirst Guide II die Vermuthung so leicht hin , daß ich zehn Sandwichs mitgenommen hätte . Nur Acht ? Mißbilligendes Husten . Vor den Shehallion und Farragon Bergen erkundigte sich derselbe in theilnehmender Weise , ob besagte Butterbrode sich einer Ausschmückung mit Schinken oder Käs erfreuten ? Mit Schinken . So ! Allgemeine Befriedigung . Guide I fürchtet nur , daß der Senf vergessen sei , und will sich freundlichst gleich selbst davon überzeugen . Wird höflich untersagt . Mißbilligung . Als sich die riesigen Proportionen von Ben-y-Gloe entwickeln , entwickelt sich der Hunger der Biedermänner in dito Proportionen . Dabei wird dem Whisky in unziemlicher Weise zugesprochen Bei den Schießhütten des Carl of Fife angelangt , erscheint uns allen denn auch das schwarze Torfmoor in einem eigenthümlich rosigen Lichte - unser Begleiter schwingt sich sogar zu der Behauptung empor , es gäbe hier eigentlich zwei Moore , eins überm andern . Diese bedenkliche Doppelseherei wirkt entschieden ansteckend , bis wir an dem Linn of Dee , dem berüchtigten Wasserfall , der den kleinen Byron beinahe verschluckt hätte , beinahe selbst dies Schicksal erlitten hätten . Das kommt davon , wenn man zu genau in den Fußstapfen des Genius wandelt . In dieser Gegend verlebte bekanntlich der originellste Dichter des modernen Zeitalters seine frühen Knabenjahre . Da sind wir schon in Braemar . Furchterweckende Phantome von Dandies und feingeputzten Damen gleiten im Abendschatten an uns vorüber , aber wir halten es für Hallucinationen unsrer erregten Sinne . Wir stecken ja mitten in der Waldeinsamkeit . Großes Gebäude - sieht so Hotelmäßig aus ? Vom Pony steigen , in die Vorhalle treten , mit dem Bauch eines enormen Oberkellners zusammenprallen wird das Werk einer Minute . Schaudernd