? « Pavel ließ ihr sagen , von ihm aus könne sie in Frieden sterben , aber besuchen wollte er sie nicht mehr . Der Hauptgrund seiner Weigerung war die Furcht , Vinska bei ihrer Mutter zu treffen und ihr dort nicht ausweichen zu können , was er sorgsam tat , seitdem sie die Frau Peters geworden . Und wie er die Augen von ihr wandte , wenn er ihr begegnete , wie er jeder Kunde von ihr soviel als möglich sein Ohr verschloß , so verjagte er sogar jeden Gedanken an sie , der sich ihm unwillkürlich aufdrängen wollte . Sie hatte das Ziel ihrer Wünsche erreicht , und er hatte ihr geholfen , es zu erreichen ; jetzt sollte es aus sein . Was peinigte ihn denn noch , seinem Willen entgegen , stärker als seine eigene Stärke , was quälte ihn bei ihrem Anblick ? Er kreuzte die Arme über dem Herzen und murmelte mit einem Fluche : » Klopf nicht ! « Aber sein Herz klopfte doch , wenn die schöne Bäuerin vorüberschritt oder vorüberfuhr , in demselben Wägelchen , in dem ihr Mann , vor nun anderthalb Jahren , Pavel zu Gericht geführt hatte . Sie bemühte sich , glücklich auszusehen ; es wirklich sein konnte sie kaum . Peter war ein tyrannischer und geiziger Eheherr , der alle Voraussetzungen der Virgilova zunichte gemacht hatte . Seine Schwiegereltern durften ihm nicht ins Haus ; das wenige , was Vinska zur Verbesserung ihrer Lage tun konnte , geschah im geheimen unter Furcht und Zagen . Sie selbst lebte im Wohlstand , hatte mit Gepränge die Taufe ihres zweiten Kindleins gefeiert , aber wie das erste , bald nach der Hochzeit geborene , war auch dieses , wenige Wochen alt , gestorben , und bereits hieß es im Dorfe : » Die bringt kein Kind auf . « Pavel war gerade dazugekommen , als man den kleinen Sarg ganz still und wie in Beschämung aus dem Tor hinausschaffte . Und ein Schluchzen hatte er aus der Stube dringen gehört , ein Schluchzen , das ihm durch die Seele ging und ihn an die Stunde mahnte , in welcher diejenige , die es ausstieß , an seiner Brust gelegen und ihn bestürmt hatte mit ihren Bitten und berauscht mit ihren Liebkosungen . Den Tod des zweiten Enkels erlebte die Virgilova noch , kurze Zeit darauf schlug ihr letztes Stündlein nach schwerem , fürchterlichem Kampf . Der Geistliche hatte von ihrem Pfühl nicht weichen dürfen ; noch im Verröcheln verlangte sie nach Segen und Gebet , in ihren brechenden Augen war noch die Frage zu lesen : Ist mir verziehen ? Mit Gleichgültigkeit nahm Pavel die Nachricht ihres Todes auf und blieb ungerührt von den Wehklagen , die Virgil über den Verlust seines Weibes anstimmte . Der Trost , den er dem Witwer angedeihen ließ , lautete : » Kein Schad um die Alte « , und Virgil unterbrach die Ergüsse seines Schmerzes , richtete die Augen zwinkernd auf Pavel und fragte halb überzeugt : » Meinst ? « Dies begab sich zu Ende des Sommers , und am ersten Sonntag , der dem Ereignis folgte , ließ der Pfarrer Pavel zu sich bescheiden . Es war nach dem Segen ; der Geistliche saß in seinem Garten auf der Bank unter dem schönen Birnbaum , dessen Früchte sich bereits goldig zu färben begannen , ganz vertieft in das Lesen eines Zeitungsblattes . Pavel stand schon ein Weilchen da , ohne daß er es wagte , den Pfarrer anzusprechen , bevor dieser das kleine , blasse , von einem breitkrempigen Strohhute beschattete Gesicht erhob und nach einigem Zögern sagte : » Dir ist Unrecht geschehen . « Sein Blick glitt an Pavel vorbei und richtete sich in die Ferne : » Du hast am Tod des Bürgermeisters keine Schuld . « » Freilich nicht « , entgegnete Pavel , » die Kinder laufen mir aber doch nach und schreien : Giftmischer ! ... Ich möchte den Herrn Pfarrer bitten , daß er ihnen verbietet , mir nachzurufen : Giftmischer . « » Meinst du , daß sie es mit meiner Erlaubnis tun ? « fragte der Priester gereizten Tones . » Und die Alten « , fuhr Pavel fort , » sind auch so . Dreimal hab ich kleine Fichten gepflanzt auf meinem Grunde , etwas anderes wächst ja dort nicht . Dreimal haben sie mir alles ausgerissen . Sie sagen : Dein Haus muß frei stehen , man muß in dein Haus von allen Seiten hineinschauen können , man muß wissen , was du treibst in deinem Haus . « Der Pfarrer räusperte sich : » Hm , hm ... Das kommt daher , daß du einen so schlechten Ruf hast . Du mußt trachten , deinen Ruf zu verbessern . « Pavel murmelte : » Ich hab mein Zeugnis vom Amt . « » Nutzt alles nichts , wenn die Leute nicht dran glauben « , sprach der Geistliche . » Auf den Glauben kommt es an , im großen wie im kleinen . Zu deiner ewigen Seligkeit brauchst du den Glauben an Gott , zu deiner Wohlfahrt hier auf Erden brauchst du den Glauben der Menschen an dich . « » Wär freilich gut . « » Du willst sagen , es wäre gut , wenn du ihn erwerben könntest . Willst du so sagen ? « » Ja . « » So bemühe dich . Du hast einen besseren Weg schon eingeschlagen und mußt nur trachten , auf ihm vorwärtszukommen . Ohne Stütze jedoch wird das kaum gehen , die wirst du noch lange brauchen . Bis jetzt war der Herr Lehrer deine Stütze ... wird es aber nicht mehr lang sein können . « » Wie ? warum ? - warum nicht mehr lang ? « » Weil er versetzt werden wird , an eine andere Schule . « » Versetzt ? « rief Pavel in Bestürzung . » Wahrscheinlich . « Einen Augenblick sah