« erwiderte geringschätzig Monika , schleuderte den Pantoffel vom Fuße und warf sich mit ärgerlichem Schwung der Hinterbacken auf den Werktisch , daß es krachte . » Schön war ' s , lustig ... « keuchte die Dritte , mit hocherhobenen Armen ihren schwarzen Haarbusch zusammensteckend , während sie die herabgerissene Schürze auf dem Boden nachschleifte . » Noch ein Bier holen , der Spaß hat mich durstig gemacht , « rief die Älteste und klapperte mit dem Deckel des leeren Maßkrugs . » Ihr seid schon besoffen ! « zürnte die Jüngste . » Was Hab ' ich von der Hetz g ' habt ? Den Zopf hat er mir schier ausg ' rissen . « » Sind sie noch draußen ? « fragte Monika mit glühendem Blick und sauste vom Werktisch herunter an die halboffene Thür und steckte spähend den Kopf hinaus ... Mit heißem Kopf beugte sich Schlichting nieder und hob die zertretene Manuskriptrolle auf ... » Wohnt in diesem Hause der Herr Kandidat Schlichting ? « ertönte eine vornehme , sonore Frauenstimme aus dem Zwielicht des mehrere Stufen tiefer gelegenen Vorraums gegen den Treppenaufsatz herauf . Schlichting war wie vom Donner gerührt , seine Schläfe hämmerten . Mit dem Rücken gegen die Wand drückend , als ob er eine schützende Anlehnung suchte , stand er da , in der einen Hand den Hut , in der andern die Manuskriptrolle in krampfhafter Spannung . Kuglmeier , nachdem er seinen Rock aus dem Staub aufgerafft , war beim ersten Wort in die Werkstatt geflogen , wie von einer unsichtbaren Macht geworfen - und hinter ihm schloß sich wie durch Zauber die Thür so heftig , daß alle Angeln knarrten . In die Stille des plötzlichen Dunkels klang wieder die Stimme von unten : » Ist niemand hier ? Ich meinte doch ... « » Zu dienen , gnädige Frau ... « preßte Schlichting hervor in einem Ton , der ihn selbst ganz fremdartig berührte , fast erschreckte . Er stand noch wie angemauert . » Ah , Sie sind ' s ja selbst , den ich suche . « Bei diesen Worten nahm die Sprecherin mit vorsichtigem , aber doch resolutem Tritt die Stufen . » Wie dunkel und staubig es hier ist ! Und hier wohnen Sie ? ! « Jetzt stand sie vor ihm , die hohe Gestalt der Frau Kommerzienrat Leopoldine Raßler , ungewohnt einfach in einen grauen Frühjahrsmantel gekleidet , ein schwarzes Spitzentuch um Kopf und Hals geschlungen , als hätte sie von ihrer Wohnung nur einen Sprung über die Gasse gemacht , um schnell eine Besorgung auszuführen . Sie ließ Schlichting keine Zeit zu weiterem Besinnen . » Führen Sie mich in Ihr Zimmer . Ist ' s hier ? « » Nein , zwei Stiegen höher , gnädige Frau . « » Gehen Sie voran ! « Er glaubte , die Treppe schwanke unter seinen Füßen . Er taumelte wie einer , der seekrank vom Schiff aus Land steigt . Frau Raßler im Hinaufsteigen halblaut : » Erschrecken Sie nur über meinen Besuch , Herr Schlichting . Ich komme , einen Dienst von Ihnen zu erbitten . « Beim Eintritt in die Studierstube unterm Dach : » Sie haben keine Zimmernachbarn ? Wir haben nicht mit Lauschern zu rechnen ? « » Wir sind vollkommen ungestört , gnädige Frau . « Er lehnte sich mit den Waden gegen die Bettlade . » Das ist mir lieb , weniger um meinet- als um Ihretwillen . Ich möchte Sie nicht unnützerweise ins Gerede bringen . Die Welt urteilt ja gleich so entsetzlich schlecht . Und Sie sind so brav , so still und gut . Glauben Sie , daß mich jemand bemerkt und erkannt hat , da unten am Treppenabsatz ? Ich hörte Lärm bis auf den Weg hinaus und das bestimmte mich , am Eingang laut zu fragen . « » O , etwas lauter Scherz vielleicht von den Mädchen in der Schneiderwerkstatt . « » Sie wechseln die Farbe ; Sie sind doch nicht leidend , Herr Schlichting ? « fragte sie , ihm nahe ins Gesicht blickend . » Leidend ? O nein , gnädige Frau . Etwas nervös . Die Frühlingsluft , die Überraschung ... « » Ja , mein Besuch muß Sie allerdings überraschen . Geben Sie mir Ihre Hand , Herr Schlichting , Sie haben mir noch nicht Grüß Gott gesagt . « » Grüß Gott , Frau Kommerzienrat ! « Und er drückte die schlanke dunkel behandschuhte Rechte , die sie ihm kordial hinstreckte wie einem guten Kameraden . Nun fühlte er sich wieder frei und sicher . » Ich darf auch ein wenig Platz nehmen ? « » Hier , bitte « - und er zog eilig einen alten Rohrsessel aus der Ecke am Fußende des Bettes , Kleidungsstücke , Bücher , eine Kaffeebüchse , eine Zündholzschachtel , ein Schachspiel , die darauf lagen , auf den Boden streifend . » Keine Umstände ! « sagte sie mit ihrer klangvoll vibrierenden , heute etwas belegten Stimme . » Ich sitze schon . « Sie hatte sich auf dem altmodischen Holzstuhl am Schreibtisch niedergelassen , den rechten Ellbogen auf die Kante gestützt , den Kopf halbseits gegen das Fenster gewendet , so daß sich die Umrisse in den reinen Linien einer klassischen Silhouette von dem lichten Hintergründe des offenen Fensters abhoben , während die Stube sich mählich mit den tiefen Dämmerschatten des Abends füllte , aus denen allein das Bett , das Schlichting mit einigen verstohlenen raschen Griffen von den Spuren der nachmittägigen Unordnung säubern wollte , weiß hervorschimmerte . » Setzen Sie sich zu mir , Herr Schlichting . So . Sie sind so lieb und aufmerksam mit meinen Kindern . Das hat Ihnen mein Herz und mein Vertrauen gewonnen . Nicht wahr , ich kann Ihnen vertrauen , Herr Schlichting ? « Sie sagte das wieder in ihrem eigenthümlichen , gewinnenden Tone , der dem Hörer wie süße Musik klang . » Ja , gnädige