s denkbar ? Wär ' s möglich ? ... Sollte er am Ende doch noch das Ziel und den Inbegriff aller seiner Wünsche erreichen ? ... Ja , ja , antworteten die milden Augen , in die er fragend blickte , und der Mund , den er liebte , sprach : » Guter Gottfried , nicht erst seit heute weiß ich , daß du mir das Liebste auf der Welt bist . « Da hätte er beinahe laut aufgejauchzt . Es war ein Glück , daß sie vor Lottis Hause angelangt waren . Getreulich und jahrelang hatte er das Geheimnis seiner tiefsten Sehnsucht in sich verschlossen , der Jubel wollte ihm die Brust zersprengen . Ein seliger Mann , faßte er seine Braut in seine Arme , und sie mußte abwehren , sonst hätte er sie wahrhaftig die Treppe hinaufgetragen . Oben angelangt , stürmte er derart an der Glocke , daß Agnes in voller Empörung herbeieilte : » Wie kann man so anreißen ? « rief die Alte . » Ihretwegen , Agnes ! « antwortete er , » ich kann es nicht erwarten , Ihnen zu sagen - Sie sind die erste , die ' s erfährt ... Sehen Sie uns an ! Wir sind Brautleute ! « In aller Stille wurde einige Wochen später der Bund geschlossen , der Gottfried und Lotti für immer vereinigte . Mitten im lärmenden Treiben der Stadt spann sich ihr Dasein im seligen Frieden ab . Eine kaum noch erhoffte Erhöhung ihres Glückes wurde ihnen zuteil , als nach zwei Jahren , an einem Spätsommerabend , ein kleiner Johannes Feßler gerade in dem Augenblick das Licht der Welt begrüßte , in welchem draußen die Sonne wunderbar schön unterging und im Zimmer die goldene Spieluhr , zum siebenzehnten Male an dem Tage , ihr Schäferliedchen anstimmte . Seltsam ergriff es die Eheleute , als sie später erfuhren , daß es auch derselbe Tag gewesen , an dem Villa Halwig neuerdings ihren Besitzer gewechselt . Das Reich Hermanns hatte kurze Dauer gehabt . Er und Agathe waren bald aus dem süßen Hindämmern erwacht , in das die Befreiung von ihren Sorgen sie versetzt hatte . Sie , gewöhnt an das rege Treiben ihres großen Familienkreises auf dem Lande , begann sich zu langweilen allein mit ihrem Manne . Und auch ihm verlangte , und vielleicht noch heißer , nach Zerstreuung . Er wollte die Sehnsucht betäuben , die ihn in seiner Ruhe , seinem Behagen störte , die ihn bis in die Arme des geliebten Weibes verfolgte , die Sehnsucht nach den Qualen und Wonnen seiner Lohnschreibernächte , nach dem Fieber , das ihn durchraste , wenn er seine Romanfiguren schuf , sie leiden , sündigen , in Blut und in Schlamm waten ließ , und den Zauber erfuhr , mit dem sie ihn umstrickten . Dazu die hastende Eile , in welcher ihr Schicksal gewoben und ihr Verhängnis erfüllt werden mußte ; die Angst vor dem Mißlingen , und dann wieder die Glückseligkeit , wenn das Unerwartete geschah , wenn die Gestalten , die ihm unter der Hand lebendig geworden , zuletzt durch eigene Kraft einen Abschluß herbeiführten , kühner als er ihn geahnt hatte . Halwig erfuhr , daß wer solche Aufregungen kennengelernt , sie nicht mehr missen kann und nach ihnen zurückverlangt , und wär ' s aus dem Himmel . So sandte er dem schwindenden , mit Hilfe Agathens und ihrer Brüder rasch aufgezehrten Wohlstand kaum einen Gedanken des Bedauerns nach . Zur Zeit , in welcher das Gut verkauft werden mußte , machte die Gesundheit Agathens einen Aufenthalt an der See notwendig . Hermann ließ sie allein zu ihren Eltern ziehen und kehrte zu den seligen Bitternissen seiner Schriftstellerei zurück . Die Früchte , die sie lieferte , wurden noch immer in gewissen Leserkreisen verschlungen , dem Advokaten Schweitzer jedoch sagten sie nicht zu , und er sprach einmal zu Lotti : » Ich mache mir Vorwürfe . Das Opfer , zu dem ich Sie verleitet habe , war umsonst gebracht . « Aber Lotti erwiderte : » Nicht umsonst . « Ihr Mann blickte sie lächelnd an : » Ohne meine Entrüstung über dieses Opfer « , sagte er , » wüßte sie vielleicht heute noch nicht , daß der Gottfried auch einmal etwas für sich wollen konnte . «